Die Mittagsschließung der Geschäftslokalitäten

Bergedorfer Zeitung, 22. November 1921 (verkleinert)

Zahlreichen Geschäftsinhabern lag das Interesse des Personals ebenso am Herzen wie die sorgsame Bedienung der Kunden, weshalb sie eine mittägliche Schließzeit von zweieinhalb Stunden einführten – das war jedenfalls die hier gegebene Begründung.

Die Entscheidung könnte auch andere Gründe gehabt haben: waren die Umsätze zu gering und wollte man so Lohnkosten sparen? Die Inserenten waren primär Textil- und Schuhhändler – die Lebensmittelgeschäfte griffen jedenfalls nicht zu so einer Maßnahme, und folglich könnte man die These aufstellen, dass viele Kunden genug Probleme hatten, angesichts der steigenden Preise ihren täglichen Grundbedarf zu decken und dafür an neuem Textil- und Schuhwerk sparten.

Bergedorfer Zeitung, 15. November 1921

Es könnte aber auch daran gelegen haben, dass schlicht nicht genug Angebot vorhanden war: schon eine Woche früher hatte P. Langhans bekanntgemacht, dass er wegen Warenmangels seine Öffnungszeiten reduzierte und nur noch an Stammkunden und andere Einheimische verkaufen wollte. Langhans beteiligte sich übrigens nicht an der Mittagspausen-Aktion – vielleicht machte er bald um den Mittag herum die besten Umsätze.

Bergedorfer Zeitung, 14. Dezember 1921 (verkleinert)

Bergedorfer Zeitung, 16. Dezember 1921

Immerhin: in der Hochsaison der Weihnachtseinkäufe stand wieder mehr Einkaufszeit zur Verfügung. Die früher üblichen Geschäftsöffnungen an den letzten drei Sonntagen vor Weihnachten wurden von der Landherrenschaft auf eine reduziert, der abendliche Ladenschluss wurde in der letzten Woche vor dem Fest auf spätestens 20 Uhr festgesetzt (BZ vom 12. Dezember).

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Der Kleinkrieg der Lokalpresse

Bergedorfer Zeitung, 26. November 1921

Es war heftig, wie die Bergedorfer Zeitung ihren örtlichen Konkurrenten, das Bergedorf-Sander Volksblatt, hier anging – ob es berechtigt war und die BZ sich nur zur Wehr setzte, lässt sich nicht klären, denn vom Volksblatt sind leider nur sehr wenige Ausgaben erhalten geblieben; lediglich aus den Jahren 1929 bis 1932 liegt die Zeitung in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg als Mikroverfilmung vor, davor gibt es nur Einzelexemplare.

Wie im Beitrag Die neue Lokalzeitung zu lesen ist, war das Volksblatt eine Parteizeitung der SPD. Kritik an der konservativ-bürgerlichen BZ und eine andere inhaltliche Ausrichtung können da nicht überraschen – überraschend ist eher, dass die BZ nicht die Berichterstattung bemängelte: die Art der Meinungsäußerung wurde hier mit derben Worten („wütender kleiner Kläffer“, „konfuses Gewäsch“, „Mätzchen“) in Grund und Boden verdammt, aber verzerrte Darstellung von Fakten, die die BZ sicher gern und süffisant aufgegriffen hätte, wurde dem BSV – zumindest in diesen ersten Jahren seines Bestehens – nicht vorgehalten.

Obwohl die BZ die wirtschaftliche Perspektive ihres Konkurrenzblattes in düsteren Farben malte und auf einen „chronischen Abonnentenschwund“ verwies, bestand das Volksblatt bis zum Verbot durch die Nationalsozialisten 1933 weiter. Mehr noch: laut der knappen Festschrift zum sechzigjährigen Bestehen des Trägervereins hatte sich die Lage im Herbst 1921 verbessert: seit mehr als einem Jahr waren keine Zuschüsse der Parteiorganisation mehr erforderlich (S. 9). Man kann davon ausgehen, dass die BZ in einer der nächsten Ausgaben des BSV für ihre falsche Darstellung gerüffelt wurde.

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Die Brandkatastrophe im Kino

Bergedorfer Zeitung, 21. November 1921

Bergedorfer Zeitung, 21. November 1921,  Rubrik „Letzte Telegramme“

Das furchtbare Kino-Unglück in Harburg rief auch in Bergedorf und Sande große Besorgnis hervor.

Das Harburger „Weltkino“ entsprach nicht den Vorschriften, es gab nur einen einzigen Ausgang aus dem Saal, und als die hochentzündlichen Filme in Brand gerieten und den Saal verqualmten, brach unter den 300 jungen Besuchern Panik aus: elf von ihnen verloren ihr Leben, neun mussten ins Krankenhaus gebracht werden, wo das Leben eines Kindes nicht zu retten war. Die Verhaftungen des verantwortlichen Kino-Personals waren die Folge – eine Meldung über Verhaftungen verantwortlicher Angehöriger der Harburger Verwaltung gab es nicht.

Bergedorfer Zeitung, 25. November 1921

Wie aus einem weiteren Bericht hervorgeht, hatten die Betreiber alles getan, um den Saal zu füllen: Kinder wurden auf der Straße angelockt, wer nicht den vollen Eintrittspreis zahlen konnte, kam für weniger Geld hinein. Nicht alle Besucher erhielten Eintrittskarten – die BZ vermutete, dass so die „Kartensteuer“ hinterzogen werden sollte.

Konnte sich eine solche Katastrophe hier wiederholen? In Bergedorf gab es das „Union-Theater“, das „Hansa-Kino“ und in Sande das „Thalia-Theater“. Die beiden erstgenannten waren recht klein, während das Thalia über 400 Sitzplätze verfügte, wie Christian Römmer im Lichtwarkheft Nr. 76 (2015) auf S. 11 schreibt. Es war also noch deutlich größer als das Harburger Kino, und es fanden dort auch Schulvorführungen statt, hinter denen der Bergedorf-Sander Lichtspielausschuss stand, in dem „alle Vereine der Jugendbewegung“ vertreten waren (BZ vom 23. Januar 1920).

Bergedorfer Zeitung, 25. November 1921

Bergedorfer Zeitung, 25. November 1921 (Ausschnitt aus der Anzeige des Thalia-Theaters)

 

 

 

 

 

Dieser Ausschuss konnte die Eltern beruhigen: ein Filmbrand könne nicht auf den Zuschauerbereich übergreifen, es gebe sieben Ausgänge, Lehrer beaufsichtigten die Kinder, und der Saal könne in drei Minuten evakuiert werden. Und auch das Thalia-Theater selbst schrieb unter seine aktuelle Programmanzeige, dass alles vorschriftsmäßig, geprüft und sicher sei. Etwas misstrauisch stimmt zwar, dass nur sechs Ausgänge und nicht sieben genannt werden, aber eine Brandkatastrophe trat nicht ein.

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Teures Telefonieren und eine explodierende Wärmflasche

Bergedorfer Zeitung, 17. November 1921

Mal eben nach Hamburg telefonieren – das wurde für Bergedorfer jetzt zu einem teuren Vergnügen: jedes Gespräch kostete 1,25 Mark für drei Minuten, denn eine Verbindung zwischen Bergedorf und Hamburg war seit dem 1. Oktober ein Ferngespräch; der bis dahin gültige „Vorortstarif“ war mit der neuen Fernsprechordnung beseitigt worden (siehe den Beitrag zur Telekommunikation), die Höhe der Gebühr richtete sich schlicht nach der Entfernung von einem Ortsnetz zum anderen. Die Bergedorfer werden nicht begeistert gewesen sein, dass sie fernsprechgebührentechnisch nun keine Hamburger mehr waren.

Bergedorfer Zeitung, 22. November 1921

Es ist wohl selten, dass Wärmflaschen explodieren – eher kommt es vor, dass ein solcher Bettwärmer tropft oder leckt, was unangenehm genug ist. In Sande ging eine aus Schusseligkeit im Ofen vergessene gefüllte Wärmflasche in die Luft und sorgte für erhebliche Schäden: der eiserne Ofen wurde gesprengt und Fenster wie Wohnung ziemlich demoliert. Da hätte man ein vorgewärmtes Bett besonders gut gebrauchen können.

Aus welchem Material die Bettheizung bestand, ist nicht klar, aber es wird keine Gummi-Wärmflasche gewesen sein, denn solche tauchten erst in den 1920er Jahren auf dem Markt auf – mehr dazu gibt es bei Wikipedia und unter http://koerper-waermespender.de/ . Das Bocholter Handwerksmuseum verfügt über eine Sammlung historischer Wärmespender unterschiedlichster Art, hergestellt aus diversen Materialien.

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Der Umzug des Bürgermeisters

Bergedorfer Zeitung, 12. November 1921

Erstaunlich: der erste Bewohner der Neubausiedlung am Grasweg war Bergedorfs Bürgermeister Wilhelm Wiesner. Speziell für ihn sollte ein Haus vom Typ 40 hergerichtet und zum 1. Dezember fertig sein; weitere Häuser der Siedlung sollten erst 1922 bezugsfertig werden.

Für knapp die Hälfte der Wohnungen hatte die Stadt das Belegungsrecht (zu Details siehe den Beitrag Die bemerkenswerte Kooperation für den Wohnungsbau). Die städtischen Wohnungen sollten nach sozialen und wohnungspflegerischen Gesichtspunkten vergeben werden, die im nebenstehenden Artikel dargestellt sind. Ob Wiesner unter diese Kriterien fiel, scheint zumindest fraglich, denn er hatte ja eine große Wohnung in der Ernst-Mantius-Straße, aus der eine Tochter bereits ausgezogen war (siehe den Beitrag (K)eine Filzgeschichte um „Stadt Lübeck“).

Aber Wiesners Umzug half in einem Wohnungsnotfall: er zog um, weil dadurch eine ausreichend große Wohnung für den neuen Ratmann Dr. Gleitsmann frei wurde, dem die Häuser am Grasweg zu klein waren und der bis dahin keine passende Wohnung in Bergedorf hatte finden können.

Für Wiesner und seine Familie waren in dem vorgesehenen Haus noch Umbauten erforderlich, aber die gingen auf Rechnung der Stadt und dürften relativ unproblematisch gewesen sein, weil man ja noch in der Bauphase war.

Dem Einzug zum 1. Dezember stand dann nichts mehr im Wege: Strom-, Wasser- und Sielleitungen waren bereits in den Monaten vorher gelegt worden (BZ vom 18. Juni, 20. August und 3. Dezember) – anders als in der Siedlung Nettelnburg auf Kosten der Stadt Bergedorf. Auch die Straßenbeleuchtung in der Goethestraße (heute Daniel-Hinsche-Straße) sollte verbessert werden (BZ vom 8. Oktober), die Infrastruktur der Grasweg-Siedlung war also vorbildlich.

Was fehlte, war die Postanschrift, aber die folgte bald: der Senat verlieh dem neu angelegten Weg den Namen Heinrich-Heine-Weg (BZ vom 22. Dezember), und laut Hamburger Adressbuch 1923 wohnte Wiesner in Nr. 12.

Ob der Bürgermeister durch seinen Umzug ein Opfer brachte oder sich verbesserte, möge jeder selbst beurteilen.

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Das fischähnliche Ungeheuer in der Elbe

Bergedorfer Zeitung, 12. November 1921

Seit mehreren Tagen schon war der „absonderliche Gast“ in der Elbe oberhalb Hamburgs zu sehen gewesen, aber erst nachdem Fliegenberger Fischer ihn erschossen hatten, konnte er identifiziert werden: es handelte sich um einen Wal von sechs Metern Länge und einem Gewicht von zweieinhalb bis drei Tonnen.

Dem Bericht nach handelte es sich um einen finnländischen Wal, doch der Berichterstatter war kein Walexperte, denn eine Walart dieses Namens gibt es nicht. Der Wal wird aber eine ausgeprägte Finne, d.h. Rückenflosse, gehabt haben, wie sie Finnwale und Schwertwale besitzen. Größe und Gewicht des Fliegenberger Tieres sprechen dafür, dass es sich nicht um einen Finnwal handelte.

Bergedorfer Zeitung, 15. November 1921

Einige Tage später war dann auch in der BZ zu lesen, dass es sich um einen Schwertwal handelte, was auch fotografisch belegt ist. Eine Aufnahme in der online verfügbaren Broschüre zur Geschichte Fliegenbergs zeigt das erlegte Tier nach dem Transport in das Gasthaus Dittmer: es war tatsächlich ein Schwertwal, auch Orca genannt.

Die Elbfähren von Kirchwärder zum südlichen Elbufer werden in diesen Tagen gut zu tun gehabt haben, denn „Tausende von Menschen“ wollten den Wal in Dittmers Saal sehen. Der im ersten Bericht angekündigte Verkauf des Orca gelang, allerdings nicht an den Luna-Park-Altona, der damals umgestaltet wurde, sondern – so die Fliegenberger Ortsgeschichte (ebd., S. 13f.) – an ein „Lokal auf der Reeperbahn“, wo er ausgestellt wurde, „bis sein Gestank nicht mehr zu ertragen war.“ Vielleicht war der Kadaver da nur noch ein Fliegenberg.

 

 

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Die ärmlichen Häuser an der Bojewiese

Bergedorfer Zeitung, 5. November 1921

Wer das Richtfest seines Hauses feiert, ist stolz auf das Geschaffene und erwartet von Gästen und Rednern lobende Worte. Da war es wenig taktvoll, dass der aus Hamburg angereiste Staatsrat Dr. Leo Lippmann die auf der Bojewiese entstandenen Häuser als „ärmlich und klein“ bezeichnete.

Die Bergedorfer Zeitung erschien damals ohne Fotos, aber das Hamburger Fremdenblatt hatte eine bebilderte Beilage, in der einige der Häuser und eine kahle Landschaft zu sehen sind:

Beilage zum Hamburger Fremdenblatt vom 4. November 1921 (Sammlung Söhnke Marquardt)

Lippmann hatte bestimmt recht, denn 60 Quadratmeter bebaute Fläche waren nicht viel, und moderne WCs wie in der Hamburger Sierichstraße 44, dem Wohnsitz des Staatsrats, wird es nicht gegeben haben – aber für die (zukünftigen) Bewohner der Bojewiese waren diese Häuser sicher eine spürbare Verbesserung ihrer Wohnsituation: sie hatten jetzt ihr eigenes Haus mit großem Grundstück und konnten ihre Mietwohnung verlassen.

Wie die Siedlung Riepenburg wurde auch diese, finanziell unterstützt durch den Staat, für eigens ausgewählte Kriegsbeschädigte errichtet, die dort als Gemüsebauern für den Verkauf und die Selbstversorgung wirtschaften wollten und sollten, kleine Viehhaltung eingeschlossen. Aber bis dahin war noch ein langer Weg zu beschreiten, denn der schwere Lehmboden dort war wenig geeignet für Gemüsebau (so der Landwirtschaftliche Verein für die Hamburger Marsch, BZ vom 2. April) und musste erst „in zäher Arbeit“, d.h. vor allem durch Aufbringen von Sand, dafür vorbereitet werden.

Geht man hundert Jahre später durch diese Siedlung, so stellt man fest, dass Gemüsebau keine Rolle mehr spielt. Die damals entstandenen Häuser sind im Laufe der Zeit durch An-, Um- und Neubauten erheblich gewachsen, die großen Grundstücke sind durch Bebauung in zweiter (und dritter) Reihe nicht mehr gartenbautauglich.

UPDATE Dezember 1921:

Im gerade erschienenen „Lichtwark“ Nr. 82 (S. 28-51) stellt Jörn Lindemann die Geschichte der Siedlung ausführlich und mit zahlreichen Abbildungen versehen bis heute dar.

 

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Zentnerweise teure Kartoffeln

Bergedorfer Zeitung, 5. November 1921

Alle konnten so viele Kartoffeln kaufen, wie sie wollten, denn die Zeit der Rationierung (siehe den Beitrag zur Kartoffellage) war endlich vorbei, die Reichskartoffelstelle zum 1. Juli aufgelöst, die Zwangswirtschaft beendet (Ankündigung in der BZ vom 11. März). Und es waren auch ausreichend Kartoffeln vorhanden, wie die Bergedorfer Kommission von Magistrat und Bürgervertretung festgestellt hatte – ob die Versicherung, dass es „zu einer Beunruhigung … keine Veranlassung“ gebe, die Menschen nach den Erfahrungen der Kriegsjahre nicht eher misstrauisch stimmte, sei dahingestellt.

Die Ankündigung, dass die „Produktion“ zunächst zehn Waggons Kartoffeln erhalten würde, klang wirklich beruhigend, und umgehend meldeten 320 Haushalte bei der Stadt Bedarf an, durchschnittlich sechs Zentner, was die Gesamtmenge von 2.000 Zentnern nahezu ausschöpfte (BZ vom 8. November). Und es sollte ja noch als Reserve „ein größeres Quantum“ (bis zu 10.000 Zentnern, BZ vom 30. November) ins Lager der PRO gebracht werden – auch das beruhigend.

Bergedorfer Zeitung, 17. November 1921

Wetterbedingt verzögerten sich die Lieferungen bis in die zweite Hälfte des Monats. Der Bericht nennt auch den Abgabepreis: 95 Mark pro Zentner, beim Erhalt zu bezahlen. Die nötigen Säcke mussten die Käufer mitbringen, aber so konnten sie beim Einwiegen kontrollieren, ob das Gewicht wirklich stimmte.

Bergedorfer Zeitung, 30. November 1921

Allerdings holten die Bergedorfer ihre Kartoffeln „nur sehr schleppend“ ab, wie der Magistrat zu einem Bericht der Kartoffelkommission anmerkte. Die Gründe sind unbekannt; vielleicht war es der Preis. In den vorangegangenen Wochen waren in der BZ mehrfach Kartoffeln zu 45 bis 65 Mark angeboten worden, die Preisunterschiede waren wohl sorten- und qualitätsbedingt, eine generelle Tendenz zur Verteuerung im Herbst war nicht festzustellen.

BZ, 26. November 1921

Doch im Mehrjahresvergleich waren die Preise explodiert: 1915 hatte der (amtliche) Höchstpreis 10 Pfennig pro Pfund betragen (siehe den Beitrag Vierländer vs. Maltakartoffeln). Dafür gab es 1921 nicht einmal Kartoffelschalen. Und waren lange Jahre wegen der Rationierung nur wenige Kartoffeln auf den Tisch gekommen, so wird bei vielen Familien jetzt der Preis für Knappheit gesorgt haben.

 

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Burnout der Gemeindevorsitzenden?

Bergedorfer Zeitung, 26. Oktober 1921

Die Dreifachbelastung war offenbar zu hoch für Johannes Projahn: Hauptlehrer der Schule Altengamme-Horst, Gemeindevorsitzender von Altengamme und Abgeordneter (SPD) der Hamburgischen Bürgerschaft. Er folgte dem ärztlichen Rat, einen längeren Urlaub anzutreten und wollte auch den Gemeindevorsitz abgeben, was die Gemeindevertreter aber nicht überzeugte: sie lehnten das Rücktrittsangebot ab und beauftragten ihren Kollegen Kiehn, die Amtsgeschäfte vorübergehend wahrzunehmen.

Bergedorfer Zeitung, 14. Juli 1921

Projahn war bereits der zweite Vorsitzende einer Vierländer Gemeinde, der vorzeitig aus dem Amt scheiden wollte: im Mai hatte Heinrich Grube angekündigt, dass er zum 1. Juli sein Amt niederlegen wollte (BZ vom 13. Mai) – ebenfalls aus Gesundheitsgründen, und auch bei ihm kann man von Überlastung ausgehen: zwar hatte Kirchwärder einen nebenberuflichen Gemeindeschriftführer, aber Grube musste neben seiner Tätigkeit als Vorstand der Kirchwärder Spar- und Leihkasse unter anderem den kommunalen Millionenetat verwalten, er organisierte die Kartoffel- und Torfbeschaffung für die Gemeinde und war ehrenamtlicher Vorsitzender des Zweckverbands für die Elektrifizierung des Landgebiets, siehe den Beitrag Licht fürs Land. Im Vorjahr hatte er „wegen beruflicher Überlastung“ bereits auf die Position des Schatzmeisters der vereinigten Militärvereine verzichtet (BZ vom 21. September 1920) und war auch Opfer eines tätlichen Angriffs geworden (BZ vom 7. Februar 1920).

Grube musste im Amt bleiben – trotz bedeutender Erhöhung der Amtsentschädigung war niemand bereit, den Gemeindevorsitz zu übernehmen: die anderen Mitglieder der Gemeindevertretung wollten sich die Last bis hin zu Burnout-ähnlichen Erkrankungen nicht aufbürden, was wohl auch bei den Altengammern eine Rolle gespielt haben wird.

 

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Die herbstliche Schweineschlachtung

Bergedorfer Zeitung, 28. Oktober 1921

Von einem Mann mit Messer im Mund und Schlachterschürze wurde das hier abgebildete Schwein, das wohl Böses ahnte, in eine Richtung gezogen, in die es nicht wollte: zur Schlachtbank.

 

Bergedorfer Zeitung, 25. Oktober 1921

Anzeigen mit Bezug zum Schlachten gab es in den Herbstwochen in beachtlicher Zahl: in dieser Jahreszeit wurden traditionell zahlreiche Tiere geschlachtet, denn sie hatten in den Sommermonaten, in denen das Futter (relativ) reichlich und preisgünstig war, an Gewicht so weit zugelegt, dass sie nun dem Verzehr zugeführt werden sollten. Das Fleisch wurde gepökelt, geräuchert oder eingesalzen und dadurch haltbar gemacht, auch wurde Wurst hergestellt, wofür man Gewürze und (Hafer-)Grütze brauchte.

BZ, 24. Oktober 1921

BZ, 27. Oktober 1921

Man musste das Tier nicht einmal zum Schlachter bzw. Schlachthof bringen, sondern konnte es auf dem eigenen Hinterhof erledigen lassen, und wer eine Schlachtmulde für das Fleisch benötigte, konnte diese beim Küper Pinnau in Bergedorf kaufen, auch Därme für die Wurst gab es in Zentrumsnähe in der Serrahnstraße (so z.B. eine Anzeige in der BZ vom 5. November).

Die Anbieter hatten ihre Geschäfte in Bergedorf, und das zeigt, dass dort die Schweinehaltung, die in der Kriegszeit stark zugenommen hatte (siehe den Beitrag zu Hausschweinen und Pensionsschweinen), nach wie vor verbreitet war.

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