Nicht jeder wird die Ansicht teilen, dass das germanische Frühlingsfest „äußerlich heidnisch, im Grunde tief religiös und echt christlich“ war. Diese These vertrat aber der von den eigenen Worten geradezu berauschte BZ-Redakteur Theodor Müller in seiner Pfingstbetrachtung. Weniger kontrovers dürfte seine Angabe sein, dass das Pfingstfest zu vielen Ausflügen und Wanderungen in stille Täler, rauschende Wälder und lachende Auen genutzt wurde – davon gab schon im späten 19. Jahrhundert Hein Köllischs musikalische Würdigung einer Pingsttour Zeugnis.
Die von Müller geschilderte Idylle mit Mensch und Natur im Einklang war allerdings verloren, wie er im zweiten Teil seines Textes ausführte: das „Gejohle derangierten Naturburschentums“, Lärm und Staub von tausenden Kraftfahrzeugen dominierten nun das Pfingstfest. Nur die Wirte der Ausflugslokale konnten sich über die „Massenauswanderung aus den Großstädten“ freuen.
Zu den tausenden Kraftfahrzeugen wird einer der gerade neu angeschafften Autobusse der Bergedorf-Geesthachter Eisenbahn gezählt haben: seit dem 15. Mai wurde die Strecke Geesthacht-Lauenburg bedient, fahrplanmäßig auch sonn- und feiertags (Link zum (geänderten) Fahrplan). Ob das rückseitig mit „Pfingstausflug“ beschriftete Privatfoto mit BGE-Bus und heiteren (angeheiterten?) Herren im Vordergrund 1926 aufgenommen wurde, ist aber fraglich.
Das von der „Laubfroschprophetie“ angekündigte gute Wetter blieb allerdings aus, wie die BZ am Dienstag nach Pfingsten berichtete: „Die meisten Pfingstausflüge sind im wahren Sinne des Wortes ins Wasser gefallen.“ (BZ vom 25. Mai)
Zu Regen und Pfingstausflügen siehe wiederum Hein Köllisch.




