Gesund mit Salzen und Gymnastik

BergedorferZeitung, 15. Mai 1926

Die Hersteller von „Geno-Salz“ waren sicher: entscheidend für einen gesunden Körper war die Einnahme ihres Präparats – nur auf dieser Grundlage konnte man sich mit Gymnastik schlank und geschmeidig halten.

Das hier gezeigte „Mensendiecken“ war eine Form der Gymnastik, die die amerikanische Ärztin Bess Mensendieck entwickelt hatte und die sich speziell an Frauen richtete – der abgebildete Mann, dem in einer anderen Anzeige empfohlen worden war, „Nimm Deine Alte huckepack und ‚Geno-Salz‘ am Morgen!“ (BZ vom 5. Februar 1926), gehörte also nicht zur gymnastischen Zielgruppe.

Mensendiecks grundlegendes Buch, 1906 zuerst veröffentlicht, hatte unter dem Titel „Körperkultur der Frau: praktisch-hygienische und praktisch-ästhetische Winke“ 1925 bereits die 9. Auflage erreicht.

In Bergedorf war Martha Böhmer-Buddenberg, 2. Vorsitzende des Bundes für deutsche Mensendieck-Gymnastik e.V. (BZ vom 11. September 1926), eine führende Vertreterin des Konzepts, die auch selbst Kurse leitete, z.B. den von der Fichte-Hochschule Bergedorf angebotenen „Kursus für rhythmische Gymnastik für Frauen und junge Mädchen“ (BZ vom 30. September 1926).

Der Begriff „Mensendiecken“ war offenbar in aller Munde, und im Ernst-Drucker-Theater kam „Hulda geiht mensendiecken“ auf die Bühne (Texte von Berthold Never und Barthold Kühne, Musik von Georg Mielke) – wahrscheinlich ist die „tolle Hamburger Posse mit Gesang“ (Hamburger Fremdenblatt vom 14. Mai 1926) verschollen. Immerhin ist die Uraufführungskritik des Hamburgischen Correspondenten vom 10. Mai 1926 erhalten, in der es u.a. heißt: „Erst der dritte Akt des Stücks offenbart das, auf was die Verfasser hinauswollen: auf das ‚Mensendiecken‘. Die dem Stück unterlegte Komik ist von größtem Ausmaß. … Die Darstellung verdient in allem das beste Lob.“

Bergedorfer Zeitung, 5. Juni 1926

Die genaue Zusammensetzung des Geno-Mittels mit sieben verschiedenen Salzen wurde in einer späteren Anzeige aufgeführt. Ein Konkurrenzprodukt, Dr. Schröder’s Aufbausalz, warb zusammenfassend mit der Angabe „Zwölfersalz“ (BZ vom 9. Januar 1926). Der „Urvater“ dieser Salz-Therapien dürfte der homöopathische Arzt  Wilhelm Heinrich Schüßler gewesen sein, dessen Ideen der zwölf Schüßler-Salze auch heute noch herumspuken.

 

 

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