Städtische Schweine in der alten Ziegelei

Bergedorfer Zeitung, 7. Juli 1916

Bergedorfer Zeitung, 7. Juli 1916

Bergedorfs Verantwortliche ließen nichts unversucht, die Bevölkerung mit Nahrhaftem zu versorgen: es wurden sogar Ferkel von einem „sachverständigen Wärter“ in der ehemaligen Ziegelei an der Chaussee Richtung Geesthacht (Verlängerung der Brunnenstraße) gemästet. Und die privaten Schweinemäster konnten Futter von der Stadt beziehen – dafür allerdings ließ sich Bergedorf ein Vorkaufsrecht auf die Schweine einräumen (siehe BZ vom 19. September und 12. Oktober 1916). Auch Sande stellte Futter bereit – eine kommunale Schweinehaltung lehnte die Gemeindevertretung hingegen vorerst ab, auch weil dafür „die nötige Menge guten Futters“ nicht zu beschaffen war (siehe BZ vom 15. Juli und 19. August 1916). Wie wenig tierisches Eiweiß vorhanden war, wird aus einem Beschluss des Sander „Einkaufsausschusses“ deutlich: „Den Schlachtern soll die Berechtigung eingeräumt werden, aus den Abfällen und unverkäuflichen Rückständen Blut-, Leber- und Sülzwurst herzustellen.“ (Siehe BZ vom 12. Juli 1916.) Guten Appetit.

Bergedorfer Zeitung, 30. August 1915

Bergedorfer Zeitung, 30. August 1915

Bergedorf war in der glücklichen Lage, über eine geeignete Immobilie weit weg von der Stadt zu verfügen (seit kurz nach Kriegsbeginn, siehe BZ vom 13. September 1914): die stillgelegte „Blohmsche Ziegelei“ an der Grenze zu Börnsen, über deren Geschichte dem Buch Die Ziegeleien im Raum Bergedorf (mit einem Holzschnitt der Ziegelei im Jahr 1914 auf S. 24) und dem nebenstehenden Artikel einige Informationen zu entnehmen sind: der (letztlich zurückerstattete) Kaufpreis des Schornsteins wird darin zwar nicht genannt, er ist aber einem weiteren Artikel zu entnehmen, der auch die dann doch erfolgte Sprengung schildert (unten rechts). Vor dieser Ziegelei stand übrigens ein hölzener Aussichtsturm, genannt die „Kanzel“, doch dieser wurde im Sommer 1916 wegen Baufälligkeit abgerissen (siehe BZ vom 25. Juli 1916), nicht wegen der der Schweinehaltung entweichenden Gerüche, die wohl die Verweildauer auf dem Turm verkürzt hätten.

Bergedorfer Zeitung, 7. Juli 1916

Bergedorfer Zeitung, 7. Juli 1916

Eine Bemerkung zum Schweinebestand: kurz vor Kriegsbeginn lag die Zahl der Schweine in der Stadt Bergedorf bei 873 (siehe den Beitrag Schweine in der Stadt), Ende 1916 bei 1.141 (siehe BZ vom 12. Dezember 1916), während sie im Reich von 25.341.272 auf nur noch 17.287.211 zurückgegangen war (siehe BZ vom 21. August 1916) – verantwortlich der schon mehrfach genannte Schweinemord.

Der Pferdestall der Ziegelei war zu dieser Zeit bereits zum Schweinestall umgebaut worden, weitere Stallungen kamen hinzu, 120 Schweine wurden gemästet (siehe BZ vom 30. August 1916)und produzierten (nicht zu knapp) Ausscheidungen, die in einer amtlichen Bekanntmachung ihren Niederschlag fanden:

Bergedorfer Zeitung, 24. Oktober 1916

Bergedorfer Zeitung, 24. Oktober 1916

 

 

 

 

 

 

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