Das Angebot war reizvoll, aber nicht ohne Risiko: der Bergedorfer Friseur Bruchmüller versprach drei jungen Mädchen umsonst einen neuen Haarschnitt, einen „Bubikopf“. Wollte der Haarkünstler testen, ob er einen solchen Bubikopf schneiden konnte, und suchte er dafür Models – oder war er sicher, dass er den Schnitt beherrschte und unternahm erste Schritte, ihn in Bergedorf zu etablieren? In einer Hinsicht war die für Bergedorf neue Haarmode jedenfalls besonders: der Bubikopf war umstritten, denn er war nicht einfach nur eine Kurzhaar-Frisur, sondern er signalisierte einen Schnitt gegenüber der traditionellen Frauenrolle des frühen 20. Jahrhunderts, wie Helga Lüdtke in ihrer umfassenden Studie aufgezeigt hat.
Man darf bezweifeln, dass sich die vom BZ-Redakteur Hanns Lotz geschilderte Episode der Bubikopf-Trägerin, die sich (in Rothenburgsort, nicht in Bergedorf!) einfach und lachend in der Eisenbahn auf seinen Schoß setzte, wirklich so zugetragen hat – wahrscheinlich sollte die Assoziation Bubikopf = Flittchen geweckt werden, auch in anderen BZ-Artikeln, z.B. mit dem Zitat eines ungenannten Beurteilers: „Der kecke Bubikopf sagt zum Manne: Geh‘ mit mir! Der Mann geht nun zwar mit – sehr gerne sogar, nur nicht bis zum Standesamt. Ausnahmen bestätigen die Regel.“ (BZ vom 30. Januar 1926)



