Der Bubikopf kommt nach Bergedorf

Bergedorfer Zeitung, 9. Januar 1926

Das Angebot war reizvoll, aber nicht ohne Risiko: der Bergedorfer Friseur Bruchmüller versprach drei jungen Mädchen umsonst einen neuen Haarschnitt, einen „Bubikopf“. Wollte der Haarkünstler testen, ob er einen solchen Bubikopf schneiden konnte, und suchte er dafür Models – oder war er sicher, dass er den Schnitt beherrschte und unternahm erste Schritte, ihn in Bergedorf zu etablieren? In einer Hinsicht war die für Bergedorf neue Haarmode jedenfalls besonders: der Bubikopf war umstritten, denn er war nicht einfach nur eine Kurzhaar-Frisur, sondern er signalisierte einen Schnitt gegenüber der traditionellen Frauenrolle des frühen 20. Jahrhunderts, wie  Helga Lüdtke in ihrer umfassenden Studie aufgezeigt hat.

Bergedorfer Zeitung, 22. August 1922

Man darf bezweifeln, dass sich die vom BZ-Redakteur Hanns Lotz geschilderte Episode der Bubikopf-Trägerin, die sich (in Rothenburgsort, nicht in Bergedorf!) einfach und lachend in der Eisenbahn auf seinen Schoß setzte, wirklich so zugetragen hat – wahrscheinlich sollte die Assoziation Bubikopf = Flittchen geweckt werden, auch in anderen BZ-Artikeln, z.B. mit dem Zitat eines ungenannten Beurteilers: „Der kecke Bubikopf sagt zum Manne: Geh‘ mit mir! Der Mann geht nun zwar mit – sehr gerne sogar, nur nicht bis zum Standesamt. Ausnahmen bestätigen die Regel.“ (BZ vom 30. Januar 1926)

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