Die Holzfällungen in und um Bergedorf

Bergedorfer Zeitung, 31. Oktober 1919

Die 500 Kubikmeter Torf aus dem Horster Moor reichten nicht, und auch der städtische Zukauf von Torf aus Bremervörde (BZ vom 23. und 29. September) konnte neben den spärlichen Kohlenrationen den Bedarf an Heizmaterial nicht decken. Deshalb kam ab Ende September in großem Stil frisch geschlagenes Holz zum Verkauf – mit der auch für den Torf ausgesprochenen Empfehlung, den Tagesbedarf „schon am Tage vor der Verwendung am Herd oder Ofen vorzutrocknen“ (BZ vom 13. September). Gequalmt haben wird es trotzdem.

Die nötigen Fällarbeiten wurden als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme durchgeführt, und die Arbeiter hatten angesichts der Mengen reichlich zu tun: allein aus den der Bismarckschen Forstverwaltung unterstehenden „Sandwiesen“ sollten 2.500 Raummeter Tannenholz kommen (BZ vom 26. August) – die Sandwiesen lagen „gegenüber dem neuen Friedhof“ bzw. „gegenüber dem Selma-Anna-Otto-Heim“ (BZ vom 26. September bzw. 11. November), aus heutiger Sicht also u.a. die Erweiterungsflächen des Bergedorfer Friedhofs auf Wentorfer Gebiet. Aber auch in städtischen Beständen wurde kräftig abgeholzt: an der Rothenhauschaussee hinter der früheren Ziegelei (siehe Martin Pries, Die Ziegeleien im Raum Bergedorf, S. 24-27) waren es mehrere hundert Raummeter – genauere Angaben waren der BZ nicht zu entnehmen, da einige Bekanntmachungen ohne Mengenangaben erfolgten (z.B. BZ vom 25. Oktober), aber Geest und Hang dürften erheblich kahler geworden sein.

Um Holz zu erhalten, mussten die Bergedorfer ihre „Feuerungskarten“ im Stadtbauamt vorlegen und sie erhielten dann einen „Bezugsschein“, der nach quittierter Bezahlung zur Abholung aus den Schlägen berechtigte – wer nicht bis zum 4. Dezember mittags 12 Uhr bezahlte, ging leer aus; es wurde danach „sofort anderweitig über das Holz verfügt“ (BZ vom 3. Dezember). Und wer bezahlt, aber nicht abgeholt hatte, musste damit rechnen, dass seine Ration geklaut würde, denn nach dem 4. Dezember, 5 Uhr nachmittags sollte „die Wache zurückgezogen“ werden (BZ vom 28. November).

Man kann wohl unterstellen, dass die genannten ehemaligen Waldflächen spätestens am Nikolaustag holzfrei waren. Das Bergedorfer Gehölz hingegen (mit der Erweiterung um Petersens Park, siehe den Beitrag Wachstum und Infrastruktur Bergedorfs) wurde offenbar von offiziellen Fällungen verschont. Trotzdem wird auch dort manche Axt im Walde gehaust haben.

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