Bergedorf: Ehemaliger Stadtkommandant verhaftet!

Bergedorfer Zeitung, 21. Juli 1919

Der Schuhmacher Peter Bartsch, „der bekanntlich in den ersten Tagen der Novemberrevolution hier auch als Stadtkommandant aufgetreten war“, war in Haft genommen worden; nicht wegen seiner Revolutionsaktivitäten, sondern weil ihm, der „schon seit langem im Ruf eines professionellen Hundefängers steht“, vorgehalten wurde, sich einen fremden Hund angeeignet und diesen verkauft zu haben. Als Hundehändler hatte Bartsch schon während des Krieges Anzeigen in der BZ geschaltet (siehe den Beitrag Kriegsbrauchbare Hunde), ebenso danach (Anzeige in der BZ vom 22. November 1918), und wenn damals nicht klar war, ob er die Hunde auch ihres Fleisches wegen haben wollte, so ist nach diesem Artikel jeder Zweifel ausgeräumt: das in seiner Wohnung gefundene in Pökelsalz eingelegte Pudelfleisch belegt, dass er (auch) auf Hundefleisch aus war, das er vermutlich (anders bezeichnet) in den Handel brachte.

Aber genau diese Pudel-Geschichte weckt Zweifel an der Darstellung, denn woran erkennt man ohne DNA-Analyse, die es ja noch nicht gab, dass es das Fleisch eines Pudels war und nicht das einer anderen Hunderasse? Und verstärkt werden diese Zweifel durch den letzten Satz, wonach Bartsch „bekanntlich“ als Stadtkommandant aufgetreten war, denn in der BZ-Berichterstattung aus „den ersten Tagen der Novemberrevolution“ tauchte weder der Name Bartsch auf noch die Bezeichnung „Stadtkommandant“ o.ä, auch keine von Bartsch gezeichneten Bekanntmachungen. Merkwürdig.

Was aus Bartsch wurde, ist unbekannt, denn die BZ schrieb nichts über eine Anklage, eine Gerichtsverhandlung oder einen Strafbefehl. In den Hamburger Adressbüchern für 1919 und 1920 ist er mit der Anschrift Bahnstraße 21 (heute Reetwerder) verzeichnet, aber 1921 nicht mehr. Ob er da auf den Hund gekommen war oder anderenorts als Schuster bei seinen Leisten blieb?

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