Von Zigarren und Seifenblasen

Bergedorfer Zeitung, 19. Juli 1919

Für Raucher waren die Zeiten offenbar immer noch schlecht, und die hier beschriebene Zigarre stank sicher besonders kräftig zum Himmel: sie enthielt einen Briefumschlag, der mit Sicherheit nicht zu den im Krieg zugelassenen „Tabakersatzstoffen“ zählte (siehe den Beitrag Bergedorfs Tabakfabrik braucht Buchenlaub).

Die BZ identifizierte den Hersteller aufgrund der Firmenadresse auf dem Couvert als einen „früheren Zigarrenmacher und jetzigen Inhaber eines bekannten Kaffeerestaurants“, nannte aber keinen Namen, was in der Bevölkerung Spekulationen und bei den Kaffeehausbetreibern Unruhe ausgelöst haben wird.

Bergedorfer Zeitung, 21. Juli 1919

Der Inhaber des Schloß-Kaffees fühlte sich zu einer Stellungnahme genötigt: er habe mit dem „Zigarrenschwindel“ nichts zu tun. Die definitive Aufklärung, wer der Biedermann war, blieb die BZ schuldig.

Bergedorfer Zeitung, 19. Juli 1919

Aber nicht nur Rauch wurde in die Luft gepustet, sondern auch Seifenblasen, was dem Verfasser des eingesandten Artikels märchenhaft vorkam: sie erinnerten ihn an seine Kinderzeit, was ihn „nach allem Trübsal“ froh stimmte – ob die von ihm angeführte alte Lebensweisheit „Es kehrt alles wieder!“ so kurz nach Kriegsende wirklich optimistisch in die Zukunft deutete?

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