Marode Brücken über Brookwetterung und Bille

Bergedorfer Zeitung, 26. September 1918

Gleich zwei für Bergedorfs Verkehr wichtige Brücken waren gesperrt: die Brücke über die Brookwetterung im Zuge der Neuen Straße (jetzt: Neuer Weg) mag heute nicht sehr bedeutend erscheinen, aber vor einhundert Jahren war die Neue Straße eine Hauptverbindung in die Vierlande. An den Reparaturkosten mussten sich die Vierländer Gemeinden Curslack und Altengamme beteiligen. Wie lange die Arbeiten dauerten, war der BZ nicht zu entnehmen: weder im redaktionellen Teil noch in den Bekanntmachungen war hierzu etwas zu finden.

Die 1900 erbaute Brücke, Blickrichtung billeabwärts

Die im Jahr 1900 erbaute hölzerne Ernst-Mantius-Brücke über die Bille (Abbildung rechts mit freundlicher Genehmigung des Kultur- und Geschichtskontors Bergedorf), die Hauptverbindung zwischen Villenviertel und Bahnhof, war schon seit über 10 Monaten für den Wagenverkehr gesperrt (Bekanntmachung in der BZ vom 8. November 1917). Das Geld für den Neubau, 25.000 Mark, war im städtischen Haushalt bereitgestellt (BZ vom 8. Januar 1918), doch der Realisierung stand der Krieg im Wege.

Die 1923 erbaute Brücke, Blickrichtung billeaufwärts (Aufnahme 1929 oder später)

Erst 1923 war der Neubau fertiggestellt, und er erwies sich als deutlich dauerhafter als der Vorgänger. Ob aber die nun 95jährige Brücke ihren hundertsten Geburtstag feiern kann, ist nicht sicher, denn in der Antwort auf die Anfrage eines Bürgerschaftsabgeordneten von 2016 gibt der Senat die „theoretische Nutzungsdauer“ mit 70 Jahren an. Allerdings sind die Haushaltsmittel für Baumaßnahmen an Brücken so gering, dass die Bergedorfer Zeitung am 2. August 2018 titelte: „Dutzende Bergedorfer Brücken sind Sanierungsfälle“. Zum Glück ist die Ernst-Mantius-Brücke praktisch länger nutzbar als theoretisch.

Die Karte von 1904 zeigt übrigens beide genannten Brücken – auf der Karte von 1875 fehlt (natürlich) die Ernst-Mantius-Brücke, ebenso die 1891 errichtete Friedrichsbrücke über den Schleusengraben, deren Unterbau 1917 hatte erneuert werden müssen (BZ vom 2. Juni 1917).

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