Die Dungmassen auf der Vierländer Bahn

Die Vierländer Bahn transportierte nicht nur Personen, sondern auch Güter, insbesondere landwirtschaftliche Güter, worauf schon in den Beiträgen Kein Zucker für Rhabarber und Der Krieg als Förderer des Straßenbaus hingewiesen wurde; siehe dazu auch Rolf Wobbe, Chronik der Vierländer Eisenbahn.

Nicht alle beförderten Güter rochen gut: Die Ausfuhr der Vierlande – vor allem Gemüse und Blumen – wird überwiegend angenehme Gerüche verbreitet haben, die nötige Einfuhr weniger, denn neben Sand kam vor allem Mist ins Landgebiet, sehnsüchtig erwartet von den Bauern, die den Mist als Dünger brauchten.

Bergedorfer Zeitung, 5. April 1918

Im Frühjahr 1918 scheint es (endlich wieder, siehe den Beitrag Von Landwirtschaft und Sommerzeit) größere Mengen tierischer Düngemittel gegeben zu haben, wie ein Vergleich der Anzeigen in der BZ von 1917 und 1918 ergibt, jeweils vom Frühlingsanfang bis Ende April: 1917 wurden in drei Anzeigen insgesamt 6,5 Fuder bzw. Waggons Dung angeboten, für 1918 ergaben die elf Anzeigen 52 Fuder, Waggons bzw. Schiffsladungen – die Zahl mag auch höher gelegen haben, weil 1918 in manchen Annoncen ohne Quantifizierung schlicht „Ladungen“ angeboten wurden.

 

Bergedorfer Zeitung, 9. April 1918

Da nun aber Eisenbahnwaggons eine höhere Ladekapazität als Pferdewagen hatten, konnte ein Bauer in der Regel nur auf ein oder zwei Wagen umsetzen, die verbleibende Menge wurde vom Waggon auf den Frachtbahnsteig geschaufelt und dort zwischengelagert, was zu Problemen führte: ein hoch aufgeschaufelter Misthaufen beginnt nach kurzer Zeit, sich durch das Eigengewicht auszubreiten, und wenn der Abstand zum Ladegleis am Anfang ausreichend schien, so war er doch offenbar in einigen Fällen zu gering, ein Teil der „Dungmassen“ rutschte auf das Gleis, und mehrfach entgleisten Bahnwaggons auf dem Schiet.

Mist.

Aktualisierung 20.04.2018:
Da es damals in Kirchwärder zwei Straßen mit dem Namen Querweg gab, konnte nur mit Hilfe von Rolf Wobbe und Einsichtnahme in die 1911 festgestellten Planunterlagen der Vierländer Bahn Klarheit gewonnen werden, dass das in der Anzeige genannte „Anschlußgleis Querweg E“ am Norderquerweg gelegen haben muss: am Bahnhof Kirchwärder-Nord ist in den Plänen ein Ladegleis und eine Ladestraße verzeichnet, am Süderquerweg nicht – ein Ladegleis am Süderquerweg gab es erst später.

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