Teure Fracht in Himptenkiepen und Spankörben

Bergedorfer Zeitung, 12. April 1917

Es kann nicht überraschen, dass das Schifferkartell von Kirchwärder (Südseite) die Frachtsätze erhöhte, egal ob die „Schipper“ noch Segel setzten, schon den Schiffsmotor starteten oder sich schleppen ließen: die Teuerung hatte längst alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche erfasst.

Der Wasserweg war damals für große Teile der Vierlande wie der Marschlande die schnellste und beste Verbindung nach Hamburg, wohin ja die allermeisten landwirtschaftlichen Erzeugnisse gingen; der Ausbau verschiedener Straßen änderte hieran zunächst wenig (siehe die Beiträge Warme Unterkleidung und Vierländer Verkehrsstraßen und Der Krieg als Förderer des Straßenbaus). Dies spiegelt sich auch in den Berufsangaben im Bergedorfer Adressbuch 1915: für Kirchwärder (ca. 1.100 Einträge) findet man dort 40 Mal die Berufsangabe „Schiffer“ bzw. „Flußschiffer“, aber nur zweimal „Fuhrmann“ und je einmal „Fuhrwerksbesitzer“ und „Kutscher“. Bei einer Ewerbesatzung von drei bis vier Mann kann man also vermuten, dass mindestens zehn Ewer allein aus Kirchwärder ihren Dienst versahen.

Ewer auf der Dove-Elbe (Ansichtskarte von 1904)

Der Transport erfolgte auf plattbödigen Ewern, die in ihrer Bauform über Jahrhunderte fast unverändert blieben – der Förderverein Vierländer Ewer e.V. schuf einen Nachbau eines solchen „Gemüse-Ewers“, der 2013 fertiggestellt wurde und auf dessen Törns im Heimatgebiet und nach Hamburg man gegen einen Teilnehmerbeitrag mitfahren kann; eine ausführliche Darstellung zur Geschichte der Vierländer Ewer findet man bei  Hannah Rautmann (S. 96 – 111).

Bergedorfer Zeitung, 24. Februar 1917

Ebenfalls bei Hannah Rautmann und auch bei Werner Schröder gibt es zahlreiche Abbildungen von beladenen Ewern, deren zeitliche Abfolge auch erkennen lässt, wie die traditionellen Himptenkiepen (auch Himten- oder Himpenkiepen geschrieben) langsam durch Spankörbe verdrängt wurden, was auch der nebenstehende Artikel thematisierte – ein Prozess, der sich allerdings über Jahrzehnte hinzog: nach Schröder kamen in den Vierlanden die ersten Spankörbe um 1903 in Gebrauch, aber ein dort wiedergegebenes Foto (S. 99) von 1928 zeigt einen Lastkraftwagen mit zahlreichen Himptenkiepen und einigen Kisten, keine Spankörbe. Der Motorwagen gehörte der Firma Burmester aus Kirchwärder-Warwisch, die bis dahin – siehe die Anzeige oben – per Ewer transportiert hatte. Online verfügbar ist die dreihundert Jahre umspannende, gut dokumentierte und reich illustrierte Familiengeschichte der Albers Schipper, verfasst von Jürgen Albers.

Nach dem Hamburgischen Wörterbuch war Himten oder Himp(t)en sowohl als Hohlmaß von 27,481 Liter als auch als Flächenmaß für Ackerland (1 Himten war ursprünglich die Fläche, auf der 1 Himten Saatgetreide verteilt wurde) gebräuchlich – zu den historischen Maßeinheiten siehe auch den Beitrag Langlebige Ruten.

Spankörbe und (Himpten-)Kiepen unterschiedlichen Alters

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