Zu viel und zu wenig Wasser

Bergedorfer Zeitung, 13. April 1926

Keine Überschwemmungen mehr in Ochsenwärder und Kirchwärder – das war laut BZ das Ergebnis der neuen vom Staat angeordneten und durchgeführten Entwässerung, und schaut man sich die Gebietskarten bei Chr. Schwoon an, ist der Vorher-Nachher-Vergleich eindeutig: während die Ländereien in Neuengamme und Reitbrook Anfang 1926 wie Anfang 1920 zu einem erheblichen Teil unter Wasser standen, hatten Kirch- und Ochsenwärder 1926 nicht unter Überflutungen zu leiden, ganz anders also als 1920.

Elektrisch betriebene Pumpwerke schafften das überflüssige Wasser aus Ochsenwärder und Kirchwärder heraus in die Gose-Elbe, in der nach ihrer erfolgten Abschleusung der Wasserstand ebenfalls reguliert werden konnte. Zum vollen Erfolg fehlten in Teilbereichen nur noch die von den Bauern herzustellenden Anschlüsse an die Hauptentwässerungsgräben sowie Bau und Betrieb des Systems in Spadenland und Tatenberg, Neuengamme und Reitbrook.

Auch so schon eine gute Nachricht, könnte man meinen – aber das sahen nicht alle so. Zum einen wurden die Grundeigentümer über Anliegerbeiträge zu den Kosten herangezogen, was für Proteste sorgte, und zum anderen gab es nicht „den“ optimalen Wasserstand, wie man feststellen musste: „Waren die niedrigsten Grundstücke wasserfrei, so hatte das Vieh in den höher gelegenen Weiden kein Trinkwasser und in den Gemüsekulturen fehlte das Gießwasser.“ (BZ vom 22. September 1926) Also musste man das Riesengebiet durch 27 neue Stauwerke in Flächen mit (annähernd) gleichen Höhenlagen unterteilen, um die Probleme zu verringern, aber konfliktfrei lösbar waren sie nicht und sind es bis heute nicht, weil die Nutzungen und der Wasserbedarf eben unterschiedlich waren und sind.

Zur Geschichte der Ent- und Bewässerung in den Vierlanden siehe auch die ausführliche Darstellung von Manfred Buhk in Vierlande. Kulturgeschichte zwischen Elbe und Bille, Band 3, S. 256-273, dort auch eine verkleinerte Wiedergabe der Karten aus Schwoon.

Dieser Beitrag wurde unter Bergedorf 1926 veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert