Das Ziel war klar: sauberes und gesundheitlich einwandfreies Trinkwasser für Hamburg. Vor 100 Jahren wurde das meiste Wasser für die Metropole noch als Uferfiltrat aus der Elbe gewonnen und war „durch Kali-Abwässer im Geschmack ungünstig beeinflußt“. Ein neues Grundwasserwerk in Curslack und Altengamme sollte Abhilfe schaffen.
Die Stadt Bergedorf hatte seit November 1915 ihre eigene Versorgung durch das Grundwasserwerk am Möörkenweg, die Vierlande hatten nichts dergleichen: viele Einwohner schöpften Wasser aus der Elbe, aus Dove- und Gose-Elbe, aus Bracks und Gräben – die Photographien zur Darstellung der Wasserversorgung in den Marschgebieten stammten zwar aus 1897, aber die Situation war im wesentlichen unverändert. Die vorhandenen Brunnen lieferten meist schlechte Qualität; um so größer dürfte die Hoffnung gewesen sein, die man in den Vierlanden in das neue Wasserwerk setzte.
Dieses ging tatsächlich 1928 in Betrieb – aber das Wasser ging exklusiv zum Wasserwerk Rothenburgsort, nicht in die Vierlande (BZ vom 9. Dezember 1927 und Hamburger Echo vom 9. Dezember 1928). Das erinnert an die Erfahrungen mit der Erdgasquelle in Neuengamme: alles dort geförderte Gas ging ebenfalls nach Hamburg (siehe den Artikel zur Erdgasquelle von Neuengamme) und konnte vor Ort nicht genutzt werden. Schlimmer noch: die Wasserentnahme ließ weite Teile Curslacks und Altengamme trockenfallen und beeinträchtigte Landwirtschaft und Gartenbau, bis die Wasserwerke zum Ausgleich den Gräben Wasser aus der Elbe und der Bille zuführten (BZ vom 12. September 1929), wobei bis heute zeitweise des Guten zu viel getan wird.
Erst 1936 waren die Marschgebiete an das Hamburger Wasserleitungsnetz angeschlossen.
Übrigens haben die Hamburger Wasserwerke ihren Internetauftritt „umgebaut“, weshalb die Links in dem Blog-Artikel Wasser für Hamburg nicht mehr funktionieren. Es gibt zwar eine Seite Geschichte – Hamburg Wasser, die aber eher der Imagepolitur als der Information dient: in dieser Darstellung taucht das Wasserwerk Curslack nicht auf. Immerhin kann man einer (älteren) Broschüre von Hamburg Wasser einige Curslack-Informationen auf einer Seite der Kinderuniversität Hamburg-Harburg entnehmen. Die umfassende Darstellung der Geschichte der Hamburger Wasserversorgung von Alfred Meng kann man in der Staats- und Universitätsbibliothek nachlesen.


