Über Jahrzehnte hatte Erna Martens prägenden Einfluss auf die Schulbildung der bürgerlichen Mädchen in Bergedorf genommen – die Reden anlässlich ihrer Pensionierung zeigen, welche Anerkennung sie genoss, doch zumindest die von der BZ wiedergegebenen Auszüge werden ihr höchstens in Teilbereichen gerecht.
Die Luisenschule war (wie Schulrat Schober sagte) „ihr Werk“ – gemeinsam mit Mathilde Hipp hatte sie 1888 die Schule gegründet und ohne staatliche oder kommunale Förderung betrieben (hierzu und zum Folgenden siehe Bergedorfer Personenlexikon, S. 138f.), bis 1921 mit ihrem Einverständnis die Schule zu einem staatlichen Lyzeum wurde: Martens verkaufte das Inventar, vermietete das Gebäude an den Staat, schied als Leiterin aus, aber machte als Lehrerin als „Gleiche unter Gleichen“ (Helene Popkes) weiter. Ob die innovativen Konzepte, die Martens in die Schule gebracht hatte, in den Reden nicht genannt wurden oder nur in der Berichterstattung verschwiegen wurden, ist unklar – aber für ein Lyzeum in der Zeit des Kaiserreichs waren Einblicke in praktische und technische Bereiche und (neben Gehorsam und Fleiß) das Erziehungsziel Selbständigkeit alles andere als selbstverständlich (siehe hierzu auch den Eintrag zu Martens bei Garten der Frauen).
Der Sprecher des Elternrats, ein Herr Schwarz, hob hervor, dass sie auch eine „sich ihrer Verpflichtungen immer bewusste Bürgerin“ sei, wofür sich in der BZ zahlreiche Belege finden lassen: im Weltkrieg gehörte sie zu den Organisatoren der Kriegshilfe, warb für Liebesgaben an die Soldaten an der Front und in den Lazaretten, für die Zeichnung von Kriegsanleihen, wie in verschiedenen Blog-Artikeln geschildert, z.B. in Orden und Ehrenzeichen. Sie war zweifellos eine kaisertreue Frau, die sich aber sehr schnell neu engagierte: zunächst überparteilich warb sie bei Frauen dafür, das 1919 erhaltene Wahlrecht auszuüben. Sie engagierte sich in der konservativen Deutschen Volkspartei, gehörte dort zum Bergedorfer Vorstand und kandidierte (erfolglos) zur Hamburgischen Bürgerschaft (BZ vom 8. Februar und 4. März 1919). Ferner zählte sie zum geschäftsführenden Ausschuss der Fichte-Hochschule Bergedorf, die sich eine national-konservative Volksbildung zum Ziel setzte.
Immer wieder berichtete die BZ über die Aktivitäten der örtlichen Frauengruppe des Vereins für das Deutschtum im Ausland, deren Vorsitzende sie war und auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Schuldienst blieb. „Unsere Grenzlanddeutschen [jenseits der Reichsgrenzen] ringen zähe um die Erhaltung ihres Volkstums, um die Erhaltung ihrer deutschen Sprache und ihrer deutschen Kultur“ (BZ vom 23. Februar 1925). Zumindest kulturell sah sie Deutschland weiterhin „von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt“ reichend.


