Nicht mit Umweg über Bergedorf, sondern direkt und auf kürzestem Wege von Sande zu den Bergedorfer Bahngleisen – das war seit langen Jahren die Forderung der Gemeindevertretung Sandes wie des Sander Bürgervereins gewesen, und endlich hatte man Gehör gefunden: die Bahn sagte für 1926 den Bau eines Tunnels von den Gleisen nach Sande zu (siehe zuletzt die Blog-Artikel zu den Sander Problemen mit dem Bahnhof Bergedorf und zum Bergedorfer Hauptbahnhof).
Ein Problem tauchte erst jetzt in der Presse auf: zwischen dem bahneigenen Gelände und dem Grundeigentum der Kommune lag ein Streifen Landes, das dem Privatier Julius Peters gehörte, aber die Lösung war bereits gefunden: die Gemeinde kaufte Herrn Peters sein ganzes Grundstück zu einem respektablen Preis ab, obwohl nur ein Teil benötigt wurde. Diese Teilfläche überließ die Gemeinde dann unentgeltlich der Reichsbahn, und so waren alle zufrieden: Julius Peters freute sich über den Verkaufserlös, die Reichsbahn brauchte keinen Grunderwerb zu tätigen, und Sande begrüßte das Näherrücken des Tunnels.
Die Bauarbeiten wurden auf drei Monate Dauer kalkuliert (BZ vom 31. August 1926), doch der Beginn verzögerte sich, weil zuerst die Decke über dem vorhandenen Tunnel verstärkt werden musste (BZ vom 1. Oktober 1926). Am ersten Weihnachtsfeiertag war es dann so weit, dass der neue Tunnel freigegeben werden konnte (BZ vom 21. und 24. Dezember 1926).
Die Freude war aber getrübt, denn einen Fahrkartenverkauf sollte es nur auf der Bergedorfer Seite geben. Die Nutzung des Tunnels war fahrkarten- bzw. bahnsteigkartenpflichtig, was auch kontrolliert werden sollte: da die Bahn aber unter Personalmangel litt, wurde die tägliche Öffnungszeit auf zehn Stunden und fünfzehn Minuten beschränkt (BZ vom 31. August 1926 sowie 22. Januar 1927).


