Als die BZ sich Ende Januar über den miserablen Zustand des Bergedorfer Marktplatzes echauffierte, wusste sie sicher schon, dass dort Maßnahmen bevorstanden. Von der Litfaßsäule abgerissene Plakate, ein Sandhaufen mit Apfelsinenschalen darauf, Ziegel- und Wackersteine, „die an ein Feldlager immerhin entfernt erinnernde Rückansicht der Obstbudenherrlichkeit“ prägten das Bild, dazu die „radikal beschnittenen drei Wappenbäume“, von denen der zuletzt gepflanzte bereits wieder eingegangen war (BZ vom 30. Januar 1926) – über diesen Anblick des zentralen Platzes des Ortes echauffierte sich die BZ verständlicherweise.
Doch welch ein Wunder: „Der Markt als Schmuckplatz“ titelte die BZ am 3. Februar und präsentierte die Planung der Stadtverwaltung zu einer „verschönernden Umwandlung“. Als die Arbeiten dann begannen, bedauerte die BZ das Schicksal der nun gefällten Bäume: „es gab mir doch einen Stich ins Herz, als die stattlichen Stämme sich sterbend neigten, als die maiengrünen Lindenkronen rauschend aufs Pflaster schlugen.“ (Der Journalist ging nicht darauf ein, ob auch der im Januar als tot gemeldete Baum eine maiengrüne Krone aufwies und also wiederauferstanden war.)
Nach Abschluss der Umgestaltung erfreute sich die BZ an der „anmutigen Oase im unruhigen Getriebe des Straßenlebens“, dem Blumenbeet mit 600 Geranien. Das Verschwinden der Wappenbäume empfand man nun „nicht mehr so schmerzlich wie zuvor.“
Von Dauer war diese Lösung aber nicht: drei Jahre später beschloss der Rat, die Fläche dem Verkehr zu widmen und dort Parkplätze zu schaffen (BZ vom 15. und 21. Mai 1929).



