Kleingärtner raus!

Bergedorfer Zeitung, 29. Dezember 1925

Das ging Knall auf Fall: am 29. Dezember 1925 erfuhr eine Reihe von Schrebern, dass sie ihr Kleingarten-Paradies zum 1. Januar 1926 zu räumen hätten – da dürfte kaum Zeit geblieben sein, Bäume, Büsche, Stauden und gegebenenfalls Lauben samt Inventar in Sicherheit zu bringen.

Die nahezu fristlose Kündigung durch die Grundeigentümerin, die Stadt Bergedorf, war aber nicht wegen Verstößen der Pächter gegen Gesetze, Vorschriften oder Regeln erfolgt, sondern wegen weil die Flächen einem anderen Zweck zugeführt werden sollten: die Stadt wollte im Gebiet des Gojenbergs neue Straßen anlegen: die Bergstraße (heute August-Bebel-Straße) sollte verlängert werden, und eine neu angelegte „Ringstraße“, die heutige Justus-Brinckmann-Straße, sollte Brunnenstraße (heute Holtenklinkerstraße) und Wentorfer Straße verbinden.

Bergedorfer Zeitung, 5. Januar 1926

Wenige Tage später gab es die nächste Kündigungswelle, wieder auf dem Gojenberg, wieder mit einer geradezu sittenwidrigen Frist: alle Parzellen im Geviert Am Birkenhain – Sternwarte – Schulenbrooksbek – Gojenbergsweg und auch eine Kolonie südlich der Wentorfer Straße mussten geräumt werden. Immerhin konnten „Schadenersatzansprüche für nachweislich aufgewendeten Dung usw.“ geltend gemacht werden – ein Trostpflästerchen immerhin, das hoffentlich auch die zuerst Gekündigten erhielten.

Diente die erste Aktion der Verkehrserschließung, so war die zweite erforderlich, um auf dem Gojenberg Wohnhäuser zu bauen, worauf in diesem Blog noch einzugehen sein wird. Und ganz aus heiterem Himmel waren die Kündigungen nicht auf die Kleingärtner herabgefallen, denn die Verpachtungen dort waren immer auf ein Jahr begrenzt, weil die Flächen auf längere Sicht für dringend benötigte Wohnungen vorgesehen waren. Ende 1925 waren die Pläne so weit entwickelt, dass die Stadtvertretung erste Beschlüsse fassen konnte (BZ vom 18. Dezember 1925), und 1926 wollte man gleich loslegen.

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