Nicht mit Kanonen auf Spatzen, aber mit Motor-Baumspritzen auf Obstschädlinge wollte der Hamburger Senat schießen: der Apfelblattsauger war zwar nur „in geringem Maße“ in den Obstbaugebieten Hamburgs aufgetreten, aber er sollte massiv bekämpft werden: zehn Motorspritzen wurden gekauft (mit 50 Prozent Zuschuss des Reichs) – die Spritzmittel mussten die Gemeinden bzw. die Obstbauern finanzieren (BZ vom 4. und 26. März).
Auch die Stadt Bergedorf wurde mit einem Spritzapparat ausgestattet, der gegen den Apfelwickler eingesetzt werden sollte.
Die nachfolgende Berichterstattung über die Sauger- und Wickler-Bekämpfung lässt kein klares Bild von Erfolg oder Misserfolg erkennen: die Apparate wirken vorzüglich, hieß es im Landwirtschaftlichen Verein (BZ vom 12. April), aber sie stießen bei Bauern auch auf Ablehnung, weil man der Beratung durch die Abteilung Pflanzenschutz des Instituts für angewandte Botanik misstraute (BZ vom 7. Juli) und eine Vergiftung des Bodens durch die eingesetzten Mittel (vermutlich Kupferkalkbrühe) befürchtete (BZ vom 2. Oktober).
Die Spritzen kamen offenbar seltener zum Einsatz als erwartet: der Landherr Senator Heinrich Stubbe beklagte im Herbst „die Lässigkeit mancher Kreise der Landbevölkerung in der Benutzung der staatlich gestellten Motorspritzen“ (BZ vom 26. Oktober). Als Konsequenz wurde sogar „eine behördliche Verordnung für einen Zwang der Bekämpfung durch Bespritzung“ diskutiert (BZ vom 29. Juli), die aber letztlich unterblieb.
Jedenfalls blieben 1926 Berichte über ein massenhaftes Auftreten des Apfelblattsaugers oder gar eine Apfel-Missernte in den Vierlanden aus, was auch an anderen Faktoren gelegen haben mag: der nebenstehende Artikel beklagte einen erheblichen Rückgang des Obstbaus in den Vierlanden, was die Ausbreitung von Schädlingen beeinträchtigt haben wird, und der Autor wies darauf hin, dass manche Obstbauern Leimringe anbrachten, was eine giftfreie Alternative zur Spritze war.




