Beleuchtungskörper und Arbeitsmaschinen auf dem Lande

Bergedorfer Zeitung, 13. September 1920

Nun hatte sie wirklich begonnen, die Versorgung des Landgebiets mit Elektrizität: der Monopolversorger Hamburgische Elektrizitätswerke (HEW) kündigte „weitere Inbetriebsetzungen“ an und nannte sogar konkrete Termine für verschiedene Abschnitte, aber zumindest in Teilen des Gebiets dauerte es dann doch einige Wochen länger (BZ vom 13. Oktober und 15. Dezember). Ein Grund für Verzögerungen dürften auch Diebstähle gewesen sein – so wurden in Curslack 100 Meter Leitungsdraht gestohlen, die erst am Vortag installiert worden waren (BZ vom 23. September). In Kirchwärder ersparten sich Diebe das Erklettern der Masten und entwendeten drei Rollen Kupferdraht (Wert: 20.000 Mark) von der Baustelle der HEW (BZ vom 19. November).

Bergedorfer Zeitung, 25. September 1920

Bergedorfer Zeitung, 11. September 1920

 

 

 

 

 

 

In den Häusern konnte man die Kerzen,  Petroleum- und Karbidlampen nun bald wegstellen und elektrische Lampen und Glühbirnen anschaffen, für die in diesen Wochen mehrfach in der BZ inseriert wurde. Einer der Anbieter, Johann Michaelis, war nicht nur Installateur und Händler von „Beleuchtungskörpern“, sondern war im Landgebiet als Ingenieur des Zweckverbands (siehe den Beitrag Licht fürs Land) tätig, was ihm sicher viele Kunden zuführte, aber auch Anfeindungen einbrachte. Willi Gallwitz war übrigens im Frühjahr aus dem gemeinsamen Geschäft mit Michaelis ausgeschieden (BZ vom 17. Januar, 27. Februar und 22. Mai).

Geradezu euphorisch berichtete die BZ über die Inbetriebnahme in Kirchwärder-Seefeld: „Seit ungefähr acht Tagen strahlen dort die meisten Häuser abends im elektrischen Lichterglanze, und diejenigen Hausbesitzer, die bisher den Anschluß versäumten, werden sich jedenfalls beeilen, dieses nachzuholen.“ (BZ vom 13. Oktober) Traurig stimmt dagegen die Meldung, dass ein wagemutiger Junge einen Strommast erkletterte, die Leitung berührte und auf der Stelle tot war (BZ vom 26. Oktober). Die Warnung der HEW vor solchem Tun brachte die BZ einen Tag später, am 27. Oktober.

Bergedorfer Zeitung, 29. September 1920

Die Elektrizität machte die Häuser nicht nur heller, sie veränderte die Arbeit auf Bauernhöfen und in Handwerksbetrieben grundlegend, denn der Strom konnte ja auch zum Antrieb von „Arbeitsmaschinen aller Art“ genutzt werden – zur Demonstration gab es in Ochsenwärder ein „Probedreschen mit einem Elektromotor“ (BZ vom 21. September) und natürlich auch diverse Anzeigen. Das alles wiederum veranlasste die Feuerkasse zu dem Hinweis, dass elektrische Maschinen anzumelden seien (BZ vom 21. Oktober).

Dieser Beitrag wurde unter Bergedorf 1920 veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.