Platin und Saphire aus kaiserlicher Hand

Bergedorfer Zeitung, 22. Juli 1918

Das war ein wertvolles und edles Geschenk der Kaiserin an den Bergedorfer Wilhelm Dettmer (laut Bergedorfer Adressbuch 1915: Fischhandlung, Bahnstraße 2): als Dank für seine Dienste als Krankenpfleger Ihrer Majestäten erhielt er ein Paar Manschettenknöpfe mit Platin-Kronen und Saphiren. Es gab sie also weiterhin, die schönen bzw. teuren Dinge des Lebens, zumindest bei Hofe – ansonsten sollten Edelmetalle und -steine ja zur Kriegsfinanzierung abgegeben werden (siehe den Beitrag Das Gold in Ochsenwärder).

Wie Wilhelm Dettmer an den kaiserlichen Hof gekommen war, ließ sich nicht feststellen (auch nicht, was aus den Manschettenknöpfen wurde). Die „freiwillige Krankenpflege“ stellte im Ersten Weltkrieg ca. 40 Prozent des Sanitätspersonals; sie unterstand einem „Kaiserlichen Kommissar und Militärinspekteur“, der wiederum seine Anweisungen vom Chef das Sanitätswesens erhielt. Die freiwillige Krankenpflege rekrutierte sich aus verschiedenen Organisationen: den Ritterorden, dem Roten Kreuz, verschiedenen Genossenschaften und Vereinen und umfasste ca. 213.000 Personen, darunter 101.000 Männer. Einsatzgebiete waren die Heimat, die Etappe, teilweise auch Operationsgebiete und die Kolonien (siehe hierzu und zum folgenden einen Aufsatz von Astrid Stölzle und auch die Dissertation von Astrid Stölzle). Viele der Mitglieder der Organisationen hatten sich – in Erwartung eines kurzen Krieges – für die Dauer des Krieges zum Dienst verpflichtet, das Rote Kreuz hatte zugesagt, die Hälfte seines „Personalbestands“ zur Verfügung zu stellen.

Die ausgebildeten Krankenschwestern und Hilfsschwestern erhielten seit Kriegsbeginn erheblich mehr Lohn als Männer, die meist schlechter ausgebildet waren: 33,50 Mark (Ende 1918 maximal 135 Mark) zu 23,40 Mark im Monat, beide Geschlechter bei freier Verpflegung und Unterkunft. Endlich ein Bereich, in dem höhere Qualifikation der Frauen auch zu höherem Lohn führte.

So war Wilhelm Dettmer also nur Geringverdiener. Er musste sich mit dem kaiserlichen Geschenk abfinden, dürfte aber immerhin der einzige Bergedorfer gewesen sein, der im Krieg so ausgezeichnet wurde.

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