Bergedorfs Bahnprobleme

Bergedorfer Zeitung, 4. März 1926

1842 in Sachen Eisenbahn weit vorn, aber längst fühlte man sich in Bergedorf vernachlässigt und geradezu abgehängt – die Klagen über die unzureichende Bahnverbindung nach und von Hamburg rissen nicht ab und erreichten 1926 wieder einmal die Hamburgische Bürgerschaft. Der SPD-Abgeordnete Wilhelm Wiesner, zugleich Bergedorfs Bürgermeister, forderte umfassende Maßnahmen: nötig sei der viergleisige Ausbau der Reichsbahnstrecke zwischen Hamburg und Bergedorf, in Bergedorf müsse die Bahn auf einen Damm verlegt werden, der ein ungehindertes Queren der Bahnstrecke ermögliche, was wiederum einen Neubau des Personenverkehrsbahnhofs und des Güterbahnhofs erfordere. Obendrein verlangte er, dass die geplante Hochbahnlinie nach Hamm und Horn bis Bergedorf verlängert werden solle.

Die große Mehrheit der Bürgerschaft stimmte dem an die Reichsbahn gerichteten Teil des Antrags der SPD zu und überwies die Hochbahn-Forderung in einen Ausschuss. Die Bahn antwortete zügig: „Die Reichsbahn-Gesellschaft hat zurzeit nicht die Absicht, die Strecke Hamburg-Bergedorf viergleisig auszubauen.“ (BZ vom 24. April 1926)

Mittlerweile ist dieser Ausbau erfolgt – auf die Hochbahn-Anbindung wartet man weiter, siehe den Beitrag Die Hochbahn und die Schafsgeduld der Bergedorfer.

Die DDP hatte parallel zum SPD-Antrag die Durchbindung von Zügen ab Hamburg über Bergedorf bis Geesthacht bzw. Zollenspieker vorgeschlagen – der Bahndamm nach Zollenspieker ist mittlerweile zum schienenlosen Radwanderweg mutiert, die Wiederbelebung der Personenverkehrsstrecke nach Geesthacht (mit und ohne Durchbindung von Zügen) befindet sich wieder einmal in der Diskussion.

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