Eisenbahnrückstände und andere Düngemittel

Bergedorfer Zeitung, 24. Februar 1926

Welche Rückstände mag vor hundert Jahren eine Eisenbahn hinterlassen haben, die sich als Dünger nutzen ließen? Eine Definition des Begriffs „Eisenbahnrückstandsdünger“ wurde nicht gefunden, sodass man Vermutungen anstellen muss.

Rückstände gelangten früher aus den Aborten der Eisenbahnen durch schlichte Löcher im Waggonboden ins Gleisbett, wurden also nicht gesammelt, sondern zerstreut. Wahrscheinlicher ist, dass es sich um Ruß aus den kohlebefeuerten Lokomotiven handelte, denn die gärtnerische Verwendung von Ofenruß wurde in der Gartenbau-Kolumne der BZ empfohlen: „Der Wirtschaftsfreund“ sah im Ofenruß „einen wertvollen Dünger“, der auch gegen Erdflöhe wirke (BZ vom 18. September 1926). Aus heutiger Sicht ist von diesem Mittel zur Förderung des Pflanzenwachstums allerdings abzuraten.

Traditionell wurden in der Landwirtschaft Stalldung und andere organische Materialien eingesetzt, doch wurden in Hamburg Pferde als Zugtiere immer mehr durch Motorfahrzeuge ersetzt, und so fehlte u.a. der Mist von ehemals 1.000 Droschkenpferden (siehe den Beitrag zu Benzin und Kraftfahrzeugen).

Bergedorfer Zeitung, 5. Februar 1926

Der Ausfall konnte nicht durch den – bei steigenden Preisen – zunehmenden „Fernhandel“ aus z.B. Ostfriesland und dem Oldenburgischen (Anzeigen z.B. in der BZ vom 13. Februar) kompensiert werden – die Alternative hieß „Kunstdünger“, und über diesen klärte vor allem der Neuengammer Landwirtschafts- und Gemüsebaulehrer Dr. Jermieß in Vortragsreihen auf, das Raiffeisenlager in Bergedorf bot die benötigten Substanzen an (Anzeige in der BZ vom 13. Februar) und wie im Vorjahr gab die Hamburger Bürgerschaft wieder Düngemittelkredite frei (BZ vom 13. und 22. Februar).

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