Kriegsende: die Pulverfabrik entlässt ihre Arbeiter

Bergedorfer Zeitung, 16. November 1918

„Fast ganz“ musste die Pulverfabrik Düneberg ihren Betrieb einstellen: der Krieg war ja zu Ende. Für die meisten Beschäftigten bedeutete dies die Entlassung, wobei Arbeiterinnen, soweit sie nicht bei Reinigungsarbeiten eingesetzt werden konnten, ausnahmslos die Kündigung erhielten.

Die Produktion war bereits einige Tage vorher eingestellt (BZ vom 8. November), dann kurzzeitig am 11. November wieder aufgenommen worden (BZ vom 9. November),  aber nun war es definitiv vorbei. 16.000 Arbeiterinnen und Arbeiter wurden entlassen (BZ vom 18. November). In den folgenden Wochen gab es in Hamburg und Bergedorf mehrere Protestversammlungen der Entlassenen und Verhandlungen des Hamburger Arbeiterrats mit der Leitung der Fabrik, auch mit den Direktoren in Berlin (BZ vom 18., 20. und 21. November sowie 5. und 19. Dezember), die zu einem Teilerfolg führten: auch im Januar wurde noch Lohn ausgezahlt, 1,4 Millionen Mark für 14 Tage (BZ vom 3. Januar 1919).

Manche Entlassenen werden sich gar nicht beeilt haben, ihre „Schlusszahlung“ und ihre Papiere zu erhalten, denn so konnten sie laut Bekanntmachung weiter Lebensmittel in der Konsumanstalt der Fabrik einkaufen. Die Vorräte müssen beachtlich gewesen sein, denn noch kurz vor Weihnachten waren dort Lebensmittel vorhanden, deren Beschlagnahme und Verteilung an die Allgemeinheit durch den Arbeiter- und Soldatenrat gefordert wurde (BZ vom 21. Dezember 1918). Laut den Erinnerungen des Schriftführers des Geesthachter Arbeiter- und Soldatenrats August Ziehl (S. 31) erfolgte die Beschlagnahme auch – doch die Hamburger, damit auch die Geesthachter, hatten nichts davon, denn, so Ziehl, die Waren wurden dem Arbeiterrat in Ratzeburg überwiesen: Düneberg gehörte ja nicht zu Hamburg, sondern zum Kreis Herzogtum Lauenburg.

Bergedorfer Zeitung, 16. November 1918

Der Bergedorfer Zeitung war übrigens die Meldung über die Massenentlassungen genauso viele Zeilen wert wie die über die Auszeichnung des Leiters der Düneberger Trifabrik mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse am weiß-schwarzen Bande.

 

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