Baut Lupinen!

Bergedorfer Zeitung, 4. März 1918

War das die Lösung? Konnte aus Lupinen gewonnenes pflanzliches Eiweiß Milch und Fleisch ersetzen? Konnten so zentrale Probleme der Nahrungsmittelversorgung ausgeräumt werden?

Die BZ jedenfalls meinte, die Landwirte darauf hinweisen zu müssen, dass die Lupine „ein Aushilfsmittel von hervorragender Bedeutung“ sei und verwies auf den „Aufruf“ einer ungenannten Quelle, der hier ebenfalls wiedergegeben ist und detaillierte Angaben zu Anbau, Ertrag, Ernte und Erlös machte. Wichtig war dabei, dass „aus der Lupine die bitteren Giftstoffe in ausreichendem Maße“ durch die moderne Technik entfernt werden konnten – was sollte der Verwendung für die menschliche Ernährung also noch entgegenstehen?

Bergedorfer Zeitung, 4. März 1918

Der Aufruf „Baut Lupinen!“ war jedenfalls keine Bergedorfensie eines anonym bleiben wollenden örtlichen Samenhändlers – der Aufruf wurde wohl auch in anderen Blättern publiziert und von Bauern befolgt, mit zumindest zweifelhaftem Ergebnis, wie eine Nachkriegsveröffentlichung zeigt: der bereits im Beitrag Kein Rübenbier, aber Ersatzbier zitierte Nahrungsmittelchemiker A. Behre äußerte sich auch hierzu höchst kritisch: „Kurz möchte ich bei diesem Abschnitt noch die Lupinen erwähnen …. Trotz des großen Nährwertes, der ihnen innewohnt, und der nur dadurch beeinträchtigt wird, daß das in ihren Zellen enthaltene Eiweiß den Verdauungssäften schwer zugänglich ist, haben die Lupinen und das Lupinenmehl die in sie gesetzten Hoffnungen und Erwartungen – sie sollten ja geeignet sein, so gut wie alles zu ersetzen – nicht erfüllt. Außer der noch nicht behobenen schweren Verdaulichkeit liegt das daran, daß ihre völlige Entgiftung nicht gewährleistet werden konnte.“ (S. 252)

Wenn hundert Jahre später wieder Lupinen als Ersatz für tierisches Eiweiß zum Einsatz kommen, ist das wohl weniger bedenklich: das Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung hat eine Technologie entwickelt, mit der (entgiftete) Lebensmittelzutaten aus Lupinensamen gewonnen werden, und die eingesetzten Neuzüchtungen (sog. Süßlupinen) haben einen geringeren Alkaloidgehalt.

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