Drohender Deichbruch oder keine Gefahr?

Bergedorfer Zeitung, 28. Juni 1926

Schon mehrere Wochen lang hatte die BZ über die heftigen Niederschläge berichtet, die die Pegelstände der Elbe immer weiter steigen ließen, was in Sachsen zu „schweren Verwüstungen“, bei Magdeburg und an anderen Orten zu Deichbrüchen führte (BZ vom 7., 9., 16., 21., 24., und 26. Juni). „Auf das Äußerste gefährdet“ war laut dieser Meldung ein Deichabschnitt in den Vierlanden: bei Neuengamme sollte für die regulierte Entwässerung des Gebiets ein Deichsiel gebaut werden, doch an just der Stelle drohte das Gegenteil, eine unkontrollierte Bewässerung durch einen Deichbruch, der aber durch das Legen von Sandsäcken gerade noch verhindert werden konnte.

Bergedorfer Zeitung, 29. Juni 1926

Am nächsten Tag musste die BZ widerrufen und erklären, dass die Meldung auf „falschen Informationen“ beruhte – der Journalist hatte sich nun höchstpersönlich „an Ort und Stelle von der Sachlage überzeugt“, man könne „unmöglich auch nur von der geringsten Gefahr sprechen“. Das Wasser stehe nicht fast auf der Höhe der Deichkrone, sondern zweieinhalb bis drei Meter niedriger. Nur eine Sturmflut könne den Deich gefährden, ansonsten seien die „umfangreichen Sicherungsmaßnahmen“ mehr als ausreichend – die 2.000 ausgebrachten Sandsäcke seien „als eine überflüssige Sorge zu betrachten.“

Der Widerruf dürfte auf eine Intervention der für den Deichbau verantwortlichen Behörde zurückzuführen sein, die sich keine Schlamperei vorwerfen lassen wollte, und mangels eigener Deichbaukenntnisse wird der Journalist einfach die Worte der Behörde in seinen Text übernommen haben.

Die Deiche hielten in jenem überaus feuchten Sommer, vielleicht nur wegen der andernorts eingetretenen Deichbrüche – dennoch gab es Hochwasserschäden: die außendeichs gelegenen Ländereien standen wochenlang unter Wasser, sie standen als Viehweiden nicht zur Verfügung und die Heugewinnung war schlicht unmöglich (BZ vom 21. Juni, und 5. Juli), binnendeichs schädigte das unter dem Deich durchdringende Qualmwasser viele Kulturen (BZ vom 5. August).

Ein lesenswerter Text über eine Fahrt mit einem Lauenburger Dampfer elbaufwärts von Moorwärder nach Lauenburg und einer ausführlichen und mit Fotografien versehenen Beschreibung der Überflutungen zwischen Lauenburg und Dannenberg erschien in jenen Tagen in der heimatkundlichen Beilage des Volksblatts für Harburg, Wilhelmsburg und Umgegend (Direktlink zum Artikel).

Anmerkung:

Die (nicht?) gefährdete Stelle lag nicht wie von der BZ angegeben „zwischen Neuengamme und Krauel“, sondern auf Neuengammer Gebiet etwas stromauf vom Kiebitzdeich. Das heute dort vorhandene Deichsiel ist ein Nachfolgebauwerk.

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