Die Anzeige belegt, dass Plattdeutsch 1926 mehr war als Folklore oder Vergangenheit: die Hamburger Hutfabrik von C. Hansen suchte eine Leiterin für ihre Bergedorfer Filiale. Diese musste (natürlich) aus dem Putzgewerbe sein. Zweites genanntes Kriterium war die Beherrschung der plattdeutschen Sprache, erst danach wurden der Umgang mit der Kundschaft und das selbständige Garnieren (Schmücken) der Hüte genannt. Das lässt darauf schließen, dass viele Kundinnen bzw. Kunden sich in der plattdeutschen Sprache wohler und sicherer fühlten als im Hochdeutschen und eher geneigt waren, Verkaufsargumenten auf Platt zu folgen.
Da die Firma Hansen in der zweiten Jahreshälfte ihren Bergedorfer Standort weiter betrieb und zum Umpressen von Hüten dort aufrief, kann man davon ausgehen, dass die Personalsuche Erfolg hatte. Ob eine wohl eher traditionsorientierte (Platt sprechende) Kundschaft Interesse an Hüten für Bubiköpfe hatte, muss bezweifelt werden.
(Mehr zu Putzmacherinnen und Putzmacherei gibt es bei Anno Stockem, auch auf seiner Internetseite, u.a. zu den Putzmacherinnen Erna Henning aus Altona und Gertrud Knop aus Hamburg in den 1920er Jahren.)
Das Plattdeutsche lebte als gesprochene Alltagssprache weiter, auch in der Literatur und in Theateraufführungen, wie zahlreiche Theateranzeigen und Berichte in der BZ ebenso zeigen wie Hinweise auf plattdeutsche Bücher, z.B. von Anna Schütze.



