Ostergrüße per Post

Bergedorfer Zeitung, 1. April 1926

Für Postbeamte war die Zeit vor Ostern besonders fordernd, und auch für die Bergedorferinnen und Bergedorfer war sie anspruchsvoll: es ging um Osterkarten, mit der Frage, ob sie eine 3-Pfennig-Marke oder eine 5-Pfennig-Marke oder sogar eine 10-Pfennig-Marke benötigten. Aufklärung lieferten neben der BZ ebenfalls am 31. März der Hamburgische Correspondent und die Wilhelmsburger Zeitung in fast gleichlautendem Text, außerdem eine Seite im Hamburgischen Adressbuch; den Hintergrund lieferte die Reichs-Postordnung.

Wer innerhalb der Landherrenschaft Bergedorf eine Osterkarte versenden wollte, brauchte sie nur mit 3 Pf. zu frankieren und durfte die Karte so eng beschreiben wie er wollte – das war die Regelung für den „Ortsverkehr“.

Steckte man die Karte unbeschriftet in einen Briefumschlag, auf den man nur das Notwendige zu Empfänger und Absender schrieb, so galt dies inner- wie außerorts als Volldrucksache zu 3 Pf. – fügte man maximal fünf Worte per Hand hinzu, mutierte die Sendung in die Ferne (z.B. nach Sande, Reinbek oder Hamburg) zur Teildrucksache, die 5 Pf. kostete. Und wer sich nicht so kurz fasste, musste 10 Pf. entrichten (Briefporto). Die 5-Worte-5-Pfennig-Regel galt übrigens außerhalb des Ortsverkehrs auch für ohne Umschlag verschickte Karten.

Die postalische Eingangskontrolle hatte also zu prüfen, ob Frankatur, Osterformel und Wortzahl zusammenpassten – mehr noch: der Beamte bzw. die Beamtin musste die 5-Worte-Karten lesen, denn der Inhalt des Handgeschriebenen hatte „mit dem gedruckten Wortlaut in leicht erkennbarem sachlichen Zusammenhang“ zu stehen. Die mit Drucksachenporto versehenen Briefumschläge musste er sogar öffnen, um die Wortlosigkeit bzw. -knappheit und das Thema des Inhalts zu prüfen. Bei Verstößen gegen diese etwas komplizierten Regeln wurde laut Hamburgischen Adreßbuch das Eineinhalbfache des Fehlbetrags „nacherhoben“, jeweils auf volle 10 Pf. aufgerundet.

Dieser Beitrag wurde unter Bergedorf 1926 veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert