Von Landwirtschaft und Sommerzeit

Bergedorfer Zeitung, 7. März 1917

Man bekommt einen ganz guten Einblick in die Probleme der Landwirte und damit der Nahrungsmittelversorgung: zwar sollten mineralische Dünger zur Verteilung kommen, aber es bestand „große Knappheit an Düngemitteln“, wie der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Vereins der Hamburger Marsch, Henry Christian Bieber, sagte. Die Wichtigkeit des Düngens für den Ertrag war den Bauern (und Gärtnern) klar: „Wo niks ropp kummt, kummt ok niks rünner!“ zitiert Werner Schröder (S. 70) eine alte Vierländer Weisheit. Entsprechend galt und gilt das auch für das Vieh: minderwertiges und knappes Futter führt zu weniger Milch- und Fleischproduktion usw. Kleie, damals ein gebräuchliches Futtermittel, sollte erst im April und auch nur in „geringen Mengen“ zur Verfügung stehen.

Auch aus diesem Bericht wird deutlich, dass staatliche Lenkung der Wirtschaft, die „Zentralleitung der Zwangsbewirtschaftung in Berlin“, kein Allheilmittel war und Probleme vielfach verschärfte: da zu wenig Kartoffeln da waren, bekamen die Menschen ersatzweise Steckrüben; die Tiere, die sonst u.a. mit Steckrüben (und Kartoffeln) gefüttert wurden, bekamen Zuckerrüben, und damit fehlte es an Zucker für die menschliche Ernährung (siehe den Beitrag Die Kartoffeln und der Steckrübenwinter).

Der am Ende des Artikels genannte „gelinde Zwang“ der Landherrenschaft zu gesteigertem Kartoffelanbau war gar nicht so gelinde: den Landgemeinden wurde auferlegt, zumindest die eigene Kartoffelversorgung sicherzustellen; Zuweisungen an Kartoffeln sollte es nicht geben (siehe BZ vom 16., 26. und 27. Februar 1917).

Leicht komisch mutet die Bestrebung an, in Sachen der bei den Landwirten unbeliebten Sommerzeit (siehe z.B. BZ vom 20. Januar 1917) nur eine Verschiebung von einer halben Stunde vorzunehmen und sich damit vom Rest Deutschlands zeitlich zu emanzipieren (man könnte sie als koreanische Lösung bezeichnen). Hätten die Bauern diesen Plan verwirklicht und sich zu Herren über die Zeit aufgeschwungen, hätten (ihrer Ansicht nach) auch die Landsturmmänner, die die in der Landwirtschaft tätigen Kriegsgefangenen (siehe den Beitrag Kriegsgefangene in Ochsenwerder) bewachten, ihre Uhren umstellen müssen.

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