Das Nachttelefon in Bergedorf

Bergedorfer Zeitung, 3. Januar 1919

Die Fernsprechvermittlung in Bergedorf war seit Jahresbeginn 1919 rund um die Uhr besetzt, sodass die Bergedorfer und Bergedorferinnen nun auch nachts telefonieren konnten, was die Hamburgerinnen und Hamburger schon länger konnten.

Die Initiative zu einer Nachtverbindung war von dem Holzhändler Rudolf Behr ausgegangen, der „mit bestimmten Sprechstellen zur Erhöhung des persönlichen Schutzes“ auch (oder gerade) nachts in Verbindung treten können wollte. Bürgermeister Walli stellte sich (am 19. November) hinter dieses Vorhaben, das er „im sicherheitspolizeilichen Interesse“ befürwortete. Der Postdirektor Friedrichs sah zwei Möglichkeiten, dem Wunsch nachzukommen: er bot die Einrichtung von Standverbindungen zu Polizei und Feuerwehr an, hielt aber die Schaffung einer „nächtlichen Dienstbereitschaft“ der Fernsprechvermittlungsstelle für sinnvoller (BZ vom 26. November 1918), und tatsächlich wurde dann die bessere Lösung realisiert.

In diesen Begründungen spiegelt sich die unsichere Lage der ersten Revolutionswochen – im Januar 1919 war dem BZ-Redakteur dann wichtiger, dass nachts „das Herbeirufen von Hilfe bei Unglücks- und plötzlichen schweren Krankheitsfällen“ erleichtert wurde. Wirkliche revolutionäre Unruhen hatte es in Bergedorf ja auch nicht gegeben.

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