Die Machtprobe um den Sportplatz

Bergedorfer Zeitung, 7. August 1926

Drei Sportvereine in drei Sportverbänden in ihrer jeweils eigenen (Sport-)Welt, aber nur ein öffentlicher Sportplatz – das war 1926 die Lage in Geesthacht, und dort ging es nicht (nur) um Sport.

Die Vereine und Verbände: 1885 war das Gründungsjahr von Gut Heil, Mitglied in der Deutschen Turnerschaft (DT), und des Arbeiter-Turn- und Sportbunds Frei Heil im Verband des Arbeiter-Turn- und Sportbunds (ATSB), 1923 war dann noch der Sportverein Geesthacht dazugekommen; dieser war Mitglied im Deutschen Fußballverband. Sportliche Wettkämpfe wurden nur gegen Teams aus dem eigenen Verband abgehalten, denn die Unterschiede waren vor allem ideologischer Art: die DT stellte den Nutzen des Sports für das Vaterland in den Vordergrund und war weitgehend nationalkonservativ ausgerichtet, für den ATSB waren Klassenbewusstsein und Solidarität neben der körperlichen Ertüchtigung von Bedeutung, und die Fußballer waren von den Turnfunktionären aus der DT vergrault worden, was zur Gründung von Fußballverbänden führte.

Bei der Vergabe des städtischen Sportplatzes durch den Rat der Stadt fühlte sich Gut Heil benachteiligt und verweigerte deshalb die Teilnahme an den Eröffnungsfeierlichkeiten – die beiden anderen Vereine traten bei der Einweihung zwar nicht zusammen auf, aber problemlos nacheinander. Von jenem Tag an sollten die drei Vereine den Platz an Sonntagen umschichtig erhalten; in der Woche gingen drei Tage an Frei Heil, zwei Tage an den SV, und für Gut Heil blieb nur ein Tag, was die Vereinsspitze so erboste, dass sie im Sprechsaal der BZ Bürgermeister Weltzien scharf angriff, weil „die Platzverteilungsfrage weiter nichts bedeutete als eine Machtprobe und ein Vorstoß der linken Stadtmehrheit gegen das gesamte Bürgertum“ (BZ vom 12. August), was der Bürgermeister natürlich zurück- und darauf hinwies, dass die Turner ja einen eigenen Platz, den Jahnplatz, hätten und diesen jederzeit nutzen könnten (siehe auch weitere Berichte und Sprechsaalartikel vom 9., 19., 24. und 28. August und 2. September).

Die bürgerliche Minderheit in der Stadtvertretung stellte sich auf die Seite der bürgerlichen Turner und blieb den Feiern ebenfalls fern, der Geesthachter Bürgerverein stellte sich auch hinter Gut Heil (BZ vom 24. September).

Warum auch die KPD-Ratmänner absagten, war der Presse nicht zu entnehmen. Alles zusammen zeigt, wie angespannt die politische Lage in Geesthacht war.

Dieser Beitrag wurde unter Bergedorf 1926 veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert