Das war ein Appell an die Bergedorferinnen und Bergedorfer, persönliche Daten zur Veröffentlichung freizugeben – und der Appell wurde erhört. Die Herausgeber des Hamburger Adressbuchs für 1927 wollten nicht nur (wie in den Vorjahren) eine alphabetische Liste der Einwohnerinnen und Einwohner und ein Branchenverzeichnis publizieren, sondern auch ein nach Straßen und Hausnummern sortiertes Verzeichnis. Letzteres brachte zusätzliche Informationen: die Hauseigentümer bzw. die Hauseigentümerinnen wurden ebenso genannt wie gegebenenfalls die Mieterinnen und Mieter, mit Angabe der Etage.
Das war nicht nur eine Fundgrube für neugierige Zeitgenossen, sondern hilft auch dem heutigen Lokalhistoriker, der problemlos erkennen kann, wie viele Stockwerke ein Haus hatte, wenn mehrere Parteien darin wohnten; aus den Berufsangaben kann man grobe Schlüsse auf die sozial-räumliche Gliederung der Stadt ziehen. Interessant auch die Angaben zu Kellerwohnungen, insgesamt (Zählfehler vorbehalten) 28: zehnmal war als Mieter ein Arbeiter verzeichnet, sechsmal eine Witwe, dreimal ein Hausmeister oder „Schuldiener“, dreimal ein Geschäft (Milchhandlung, Schuhreparatur, Garderobenhandlung). Warum die Witwe Ida von Have, Bergstraße 43, dort in einer der beiden Kellerwohnungen lebte, obwohl ihr das Haus gehörte, müsste weitere Forschung aufklären.
Bürgermeister Wilhelm Wiesner, Heinrich-Heine-Weg 12, gehörte übrigens zu den Hauseigentümern; sein politischer Gegenspieler vom Bürgerblock, der Rechtsanwalt Wilhelm Kellinghusen, wohnte als Mieter am Reinbeker Weg 65.
Im Portal Hamburger Kulturgut Digital hat die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg ihre umfangreichen Bestände an Adressbüchern unter https://adressbuecher.sub.uni-hamburg.de/ zugänglich gemacht.




