Die Lazarett-Ausflüge – und: Goldgeld lacht

Bergedorfer Zeitung, 3. September 1915

Bergedorfer Zeitung, 3. September 1915

In einer Hinsicht steht dieser Bericht über eine Sitzung der Ochsenwerder Kriegshilfe und ihre Aktivitäten für viele: insbesondere die Gemeinden des Landgebiets organisierten wiederholt Tagesausflüge für Patienten der Lazarette in Hamburg, die meist wie hier beschrieben verliefen: Dampferfahrt, Kutschfahrt, Einkehr (nicht im meditativen, sondern im gastronomischen Sinne).
Der Appell des Ochsenwerder Pastors Rhine zur Abgabe von Goldgeld ist sicher lesenswert: obwohl schon seit kurz nach Kriegsbeginn dazu aufgefordert worden war, Gold- in Papiergeld einzutauschen, um der Reichsbank die benötigten Devisenreserven zur Verfügung zu stellen (siehe z.B. Bergedorfer Zeitung vom 18. September 1914), trennten sich die Menschen offenbar nur zögerlich vom Edelmetall – vielleicht war das Vertrauen in den Sieg doch geringer als das in die Wertbeständigkeit von Gold, vor allem aber ließen sich laut Pastor Rhine mit dem Goldgeld diverse Vorteile erlangen.

Was genau mag ein „Goldurlaub“ gewesen sein? Der Begriff taucht auch in Joachim Ringelnatz‘ Buch Als Mariner im Krieg auf, was bei der Interpretation aber nicht wirklich weiterhilft. Die gängigen Internet-Suchmaschinen sind eher auf „Golfurlaub“ ausgerichtet …

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Ein Kommentar zu Die Lazarett-Ausflüge – und: Goldgeld lacht

  1. Kai Walter sagt:

    Goldurlaub meint nach meinem Wissen, dass ein Soldat Urlaub gegen Goldgeld erhalten konnte. Dies ergibt sich aus dem Aufsatz von Falk Ritter über „Goldspenden im Kreis Schleswig 1914 – 1923“, der in den „Beiträgen zur Schleswiger Stadtgeschichte“ Jg. 47/2002, S. 71-78 publiziert wurde und auch online auf der Homepage des Verfassers zugänglich ist: demnach schrieben die „Schleswiger Nachrichten“ am 25. 1. 1915, dass „hier, wie erfolgreich schon in vielen anderen Orten, den Soldaten Urlaub in Aussicht gestellt worden [ist], wenn sie Goldgeld gegen Papiergeld bei ihren Kommandos einwechseln lassen.“

    Ich möchte Ihnen auch meine Anerkennung für den sehr interessanten Blog aussprechen. Durch Zufall gefunden auf der Suche nach einer Information zu den damaligen Rationierungen in den verschiedenen Gebieten des Reiches, habe ich statt Minuten letztlich Stunden herumgestöbert. Ich bleibe sicher Leser.
    m.f.G.

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