Alles drehte sich ums Grammophon in den fünf Kleinanzeigen Herma Teutmanns, die in der BZ am selben Tag erschienen. Bei Frl. Teutmann konnte man Grammophone und Platten mieten oder kaufen. Ihren Annoncen kann man das eine oder andere über den Stand der sich schnell entwickelnden Technik entnehmen; „50 Jahre Grammophon“ würdigte die BZ am 3. Dezember 1926.
Frl. Teutmann hatte „moderne“ Geräte, die vermutlich keinen voluminösen externen Schalltrichter mehr hatten, sondern eine in das Gehäuse integrierte Schalldose – wohl deshalb nannte sie „weich“ als Charakteristikum. In anderen Annoncen verwendete sie die Bezeichnung „Tisch-Grammophon“ – ob so ein Gerät ebenso leicht zu transportieren war wie das „Stadtkoffer“-Grammophon, das jemand aus der Hassestraße verkaufen wollte (Anzeige in der BZ vom 24. März 1926), ist nicht bekannt. Ihre Angabe zum „erstklassigen Federwerk“ verrät, dass der Betrieb nur über das Aufziehen per Kurbel möglich war. Ein Grammophon als Geschenk für die Eltern konnten wohl nur Erwachsene bezahlen: 65 Mark waren ein stolzer Preis (BZ vom 9. Oktober), angeblich günstig, da sie keine Ladenmiete zu bezahlen hatte, sondern aus der Wohnung heraus verkaufte (BZ vom 29. Juli).
Wie umfangreich Teutmanns Sortiment an (Schellack-)Platten war, weiß man nicht: es reichte jedenfalls von den „neuesten Schlagern“ über den Tenor Richard Tauber bis zu Richard Wagner und den Donkosaken (genannt in weiteren Anzeigen in der BZ vom 30. Oktober).
Ein Problem der frühen Jahre bestand weiter: die Nadeln verschlissen extrem schnell, oft schon nach einmaliger Benutzung (siehe den Artikel bei Wikipedia): wer also gut und laut die gekauften oder geliehenen Platten hören wollte, musste häufig wechseln.
Herma Teutmann war auch auf anderen Gebieten tätig: sie war am Konservatorium ausgebildete Klavier-Lehrerin und gab Englisch-Kurse für Anfänger wie für Fortgeschrittene (Anzeigen in der BZ z.B. vom 22. Januar, 30. August und 15. September). Ob sie zudem noch als Pianistin auftrat, ist nicht bekannt. Reich wurde sie bei all ihren Aktivitäten sicher nicht.
Die Anrede „Frl.“ (für Fräulein) ist die im Hamburgischen Adressbuch für 1927 angegebene – sie signalisiert, dass Herma Teutmann unverheiratet war. Sie lebte in einer Wohnung mit der Schneidermeisterin „Frau“ Maria Teutmann, wie der Ausschnitt aus dem Straßenverzeichnis für Bergedorf zeigt.






