Der Hamburg-Abend der Hansaschule

Bergedorfer Zeitung, 29. Oktober 1926

Bergedorfer Zeitung, 29. Oktober 1926

Nahezu ausverkauft war der „Hamburg-Abend“ der Hansa-Schule, dessen Einnahmen der Schülerbücherei und der geografischen Lichtbildsammlung zufließen sollten. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die „landschaftliche Darstellung des alten und neuen Hamburg“, ein Vortrag des im Frühjahr an die Hansa-Schule gekommenen wissenschaftlichen Hilfslehrers Dr. Friedrich Schwieker. Luftaufnahmen, u.a. von Paul Bäumer, dienten der Illustration. Die weiteren Programmpunkte wurden von der BZ eher summarisch angekündigt.

Schwieker hatte laut BZ im Vorjahr eine Studie über „unsere Nachbarstadt“ publiziert (BZ vom 11. Juli 1925) – die Formulierung zeigt das damalige Bergedorfer Selbstbewusstsein, denn mit der „Nachbarstadt“ waren nicht etwa Geesthacht oder Winsen gemeint, sondern Hamburg. Schwiekers Buch Hamburg, eine landschaftskundliche Stadtuntersuchung wurde in der Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte (ZHG) kritisch-positiv rezensiert; bis dahin waren nur München und Bremen als „Stadtlandschaften“ analysiert worden. Äußerst kritisch zu Schwieker und seine „reaktionäre Einstellung“ äußerte sich dagegen das Hamburger Echo in seiner Ausgabe vom 7. November 1926 (S. 5).

Bergedorfer Zeitung, 30. Oktober 1926

Max Kirchner sah hier eine gute Gelegenheit für seinen Buchhandel, auf das Schwieker-Buch aufmerksam zu machen, und auch auf zwei andere Bücher: Victor Dirksen, „Hamburg von 1800-1900“ (mit ebenfalls positiver ZHG-Rezension) und Paul Schurek „De rode Heben“. Letzteres überrascht, denn laut Die Heimat geißelte der Roman die sozialen Gegensätze und die Not weiter Kreise der Bevölkerung, der rote Himmel symbolisierte laut Hamburger Echo „die Röte einer in Flammen untergehenden Welt.“

 

Bergedorfer Zeitung, 4. November 1926 (gekürzt)

Ein sozialkritisches Werk, dessen Autor auf der Seite der „kleinen Leute“ stand, passte eigentlich nicht in das bürgerlich-konservative Schema der Hansaschule – und wie der Bericht über den „Hamburg-Abend“ zeigt, wurde nicht aus dem „roden Heben“ vorgelesen, sondern aus Schureks Erzählung „Der Hamburger Brand“, laut Hamburgischem Correspondenten ein „grandioses Gedicht in Prosa“. Dieses Buch stand nicht im Verdacht, Unruhe stiften zu wollen, ebensowenig Dirksens „Hamburg“ (hier in der BZ irrtümlich Schwieker zugeschrieben). So konnte vom Schulchor die inoffizielle Landeshymne Stadt Hamburg an der Elbe Auen gesungen werden und Direktor Ohly zu vertiefter Heimatliebe aufrufen.

Hinweis:

Das erste Kapitel von Paul Schureks erstem plattdeutschen Werk „De rode Heben“ wurde in „Die Neue Welt“ abgedruckt und ist als Beilage zum Hamburger Echo online verfügbar.

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