Gegen die „besondere Gefahrenquelle“ Straßenverkehr ging die Polizei nun vor, was die Bergedorfer Zeitung zu einem Lob veranlasste. Sie hoffte, dass die Altonaer Initiative, das Publikum generell und besonders die Schulkinder durch Verkehrserziehung zu besseren und sichereren Verkehrsteilnehmern zu machen, auf Bergedorf ausgedehnt würde, denn die Gefahren durch die in Bergedorf recht engen und unübersichtlichen Straßen seien nicht geringer. Aber es dauerte: erst am 6. Juni 1930 berichtete die BZ über den gerade eingeführten Verkehrsunterricht mit praktischen Vorführungen an einer der Stadtschulen.
Die BZ befasste sich immer wieder mit dem Thema Verkehr, insbesondere mit dem zu schnellen Fahren von Kraftfahrzeugen. Im Sommer 1926 erinnerte sie die Verkehrsteilnehmer an einige wichtige Grundregeln wie das Rechtsfahrgebot und die Beleuchtungspflicht in der Dunkelheit, auch das innerörtliche Tempolimit von 12 bzw. 30 km/h führte sie an (BZ vom 24. August 1926). Diese Höchstgeschwindigkeits-Schilder waren damals nicht rund, sondern eckige Tafeln.
Nicht nur Beachtung dieser Grundregeln war für sicheren Straßenverkehr notwendig, sondern auch Kenntnis der Verkehrszeichen, die seit etwa einem halben Jahr reichseinheitlich und zuvor schon in Preußen und Hamburg galten. Die BZ versuchte sich an einer Beschreibung der Schilder – eine Visualisierung wäre sicher verständlicher und einprägsamer gewesen.
Da gab sich die benachbarte Schiffbeker Zeitung mehr Mühe, was zugleich zeigt, dass solche Visualisierungen auch in Lokalzeitungen technisch möglich waren. Auf praktischen Anschauungsunterricht an einem realen „Straße gesperrt“-Schild in Bergedorf mussten alle Verkehrsteilnehmer noch ein Dreivierteljahr warten (BZ vom 24. Dezember 1926).
Wer nun das Pfeilsystem mit zwei, drei oder vier Punkten im Kreis verstanden und es sich gemerkt hatte, musste bald wieder umlernen: ab dem 1. September 1927 reichte die Skala von eins bis fünf Punkten (Hamburger Fremdenblatt vom 29. Juli 1927), ferner gab es ein Zeichen „Sperrung für Durchgangsverkehr“ und eine Variante für Sonn- und Feiertage mit Ringen anstelle von schwarzen Punkten (Hamburger Echo vom 3. November 1927).




