Walter Grab und die Demokratiebewegung in Europa. Ein Leben für die Wissenschaft zwischen Wien, Tel Aviv und Hamburg

Am 17. Februar 2019 wäre der Historiker Walter Grab 100 Jahre alt geworden. Sein persönlicher Werdegang spiegelt die Herausforderungen und politischen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts wider. Als Historiker hat er wichtige Beiträge zur Demokratiegeschichte und ihrer Verbindung zur Emanzipation der Juden geleistet. Insbesondere die Französische Revolution und ihre Wirkungsgeschichte haben ihn lebenslang beschäftigt.
Als Sohn einer jüdischen Familie wurde er am 17. Februar 1919 in Wien geboren. Er studierte ein Semester lang Rechtswissenschaft an der Universität Wien, floh dann nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland 1938 mit seinen Eltern nach Tel Aviv. Seine akademische Ausbildung konnte er zunächst nicht fortsetzen. Er war im Geschäft seiner Eltern – einem Handel mit Handtaschen – bis zu seinem 43. Lebensjahr tätig. Erst 1958 begann er an der Hebräischen Universität Jerusalem und der Universität Tel Aviv mit dem Studium der Geschichte, Philosophie und Literaturwissenschaft.
Mit Hamburg war er besonders verbunden: Als Student der Geschichte kam er mit einem Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung nach Hamburg und wohnte im Europakolleg. Im Jahre 1965 wurde er bei Fritz Fischer über Demokratische Strömungen in Hamburg und Schleswig-Holstein 1792–1799 promoviert. Zwei Jahrzehnte später kehrte er als Gastprofessor an die Elbe zurück. Von 1965 bis 1970 war er Dozent an der Universität Tel Aviv, danach außerordentlicher und ab 1972 ordentlicher Professor. Im Jahre 1971 gründete er mit Unterstützung aus Deutschland das Institut für Deutsche Geschichte an der Universität Tel Aviv. Bis zu seiner Emeritierung 1986 war er dessen Leiter und der Herausgeber des Jahrbuchs für Deutsche Geschichte. Das Institut besteht fort und wird auch aus Deutschland unterstützt.

Im Rahmen eines interdisziplinären Kolloquiums werden nun seine Arbeiten gewürdigt und mit der Frage nach der Zukunft der Demokratie in Europa verknüpft.
Die Veranstaltung ist kostenfrei.Eine Anmeldung bis spätestens zum 9. Februar ist erforderlich an: mathias.honer@uni-hamburg.de.

Wann? 13.-15.02.2019
Wo? Rathaus, Stiftung Europakolleg Hamburg & Institut für die Geschichte der deutschen Juden

Programm

Mittwoch, der 13. Februar 2019
Veranstaltungsort: Rathaus, Rathausmarkt 1, 20095 Hamburg
19.00 Uhr: Öffentliche Veranstaltung im Hamburger Rathaus
Begrüßung: Paul Nemitz, Zur Konferenz / Person Walter Grab
Grußwort: Senator Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien
Festvortrag: Professor Dr. Dan Diner, Jerusalem/Leipzig:
Zwischen den Zeiten: Walter Grab und die Krise der Demokratie in Europa

Donnerstag, der 14. Februar 2019
Veranstaltungsort: Stiftung Europakolleg Hamburg
Windmühlenweg 27, 22607 Hamburg
09.00 Uhr: Begrüßung

1. Teil: Lesarten einer Persönlichkeit: Walter Grab
09.15 Uhr: Arno Herzig, Hamburg: Zur Person Walter Grabs. Erinnerungen
10.15 Uhr: Thedel von Wallmoden, Göttingen: Walter Grab und die Norddeutschen Jakobiner: Das Beispiel Heinrich Würzer
11.15 – 11.45 Uhr Pause
11.45 Uhr: Yael Kupferberg, Potsdam: Walter Grab – Ein Porträt
12.45 Uhr Mittagspause

2. Teil: Walter Grab und die Universität Hamburg
14 Uhr: Miriam Rürup, Hamburg: Zur Institutionalisierung deutsch-jüdischer Geschichte nach 1945 – Diskussionen um Raub, Erbe und Rettung am Hamburger Beispiel
15 Uhr: Rainer Nicolaysen, Hamburg: Der etwas andere Doktorand. Walter Grab an der Universität Hamburg 1962-1965
16 Uhr Kaffeepause

3. Teil: Walter Grabs Forschungen und die Demokratie
16.30 Uhr: Alexander Grab, Maine: The First Jewish Emancipation: Napoleon and the Jews

18.30 Uhr: Gemeinsame Abendveranstaltung mit dem Heine-Haus e.V.
„Deutschland. Ein Wintermärchen. Als Walter Grab Heine las.“
(Begrenzte Platzzahl. Einlass nur nach Anmeldung an mathias.honer@uni-hamburg.de und mit Anmeldebestätigung)

Vortrag Galili Shahar, Direktor des Instituts für Deutsche Geschichte, Tel Aviv:
Heinrich Heine, Walter Grab und das politische Gedicht
Umrahmt von Lesung mit Musik von
Alex Eckert, Christine Jensen und Philipp Püschel

Freitag, der 15. Februar 2019
Veranstaltungsort: Institut für die Geschichte der deutschen Juden
Beim Schlump 83, 20144 Hamburg

4. Teil: Geschichte und Zukunft der Demokratie in Europa
9.30 Uhr: Armin Hatje, Hamburg: Vorsitzender des Kuratoriums des Europakollegs: Das Demokratiedilemma der Europäischen Union
10.30 Uhr: Andreas Grimmel, Hamburg: Aktuelle Herausforderungen der Demokratie im Kontext der europäischen Integration
11.30 Uhr: Paul Nemitz, Brüssel: Spitzenkandidaten und Wahlkampf mit Künstlicher Intelligenz – ist das Demokratie in Europa heute? ,
Kontakt

Die Platzkapazitäten sind begrenzt. Eine Anmeldung bis spätestens zum 9. Februar ist erforderlich an: mathias.honer@uni-hamburg.de.
Die Veranstaltung ist kostenfrei. Barrierefreiheit ist eingeschränkt gewährleistet. Bitte erkundigen Sie sich für nähere Informationen zwecks Barrierefreiheit bei der Anmeldung.

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