{"id":9773,"date":"2021-05-24T07:00:44","date_gmt":"2021-05-24T05:00:44","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=9773"},"modified":"2021-05-22T11:39:14","modified_gmt":"2021-05-22T09:39:14","slug":"nr-21a-21-die-patentierte-regenanlage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=9773","title":{"rendered":"Die patentierte Regenanlage"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_9776\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/210524-3-Michaelis-red.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9776\" class=\"wp-image-9776\" src=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/210524-3-Michaelis-red.png\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"247\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9776\" class=\"wp-caption-text\">Bergedorfer Zeitung, 24. Mai 1921<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_9778\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/210528-4-Michaelis-Anz-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9778\" class=\"wp-image-9778\" src=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/210528-4-Michaelis-Anz-1.png\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"176\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9778\" class=\"wp-caption-text\">Bergedorfer Zeitung, 28. Mai 1921<\/p><\/div>\n<p>Mit wenig Geld viel Arbeit und Zeit sparen \u2013 so l\u00e4sst sich zusammenfassen, was der Ingenieur Johann Michaelis den G\u00e4rtnern versprach: das von ihm erfundene System einer Beregnungsanlage f\u00fcr den Gartenbau sollte insbesondere die Bew\u00e4sserung von Fr\u00fchbeeten erleichtern.<\/p>\n<div id=\"attachment_9956\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Fensterkaesten.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9956\" class=\"wp-image-9956\" src=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Fensterkaesten.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"226\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9956\" class=\"wp-caption-text\">Fensterkasten in Kirchwerder-Howe (mit gestapelten Fensterst\u00fctzen zum Hochstellen der Fenster), im M\u00e4rz 2021<\/p><\/div>\n<p>Da solche Fr\u00fchbeete, auch Fensterk\u00e4sten genannt, heutzutage weitestgehend durch Plastikfolien-Tunnel verdr\u00e4ngt sind, ist neben einer Fotografie eine kurze Beschreibung eines solchen Fr\u00fchbeetes angebracht, die sich vor allem auf <a href=\"https:\/\/kataloge.uni-hamburg.de\/DB=1\/XMLPRS=N\/PPN?PPN=303804025\">Werner Schr\u00f6der<\/a> (S. 66-71) st\u00fctzt: auf einen zu einer L\u00e4ngsseite abfallenden Holzkasten wurden Fenster von zumeist 103 x 220 cm Gr\u00f6\u00dfe aufgelegt, die die Sonnenw\u00e4rme im Kasten hielten und die Pflanzen vor Wind sch\u00fctzten. Ein solcher Fensterkasten konnte bis zu 16 Fenster nebeneinander haben, und viele Betriebe hatten mehrere hundert \u201eFenster\u201c, die sie bestellten, um mit fr\u00fch erzeugter Ware am Markt bessere Preise zu erzielen.<\/p>\n<p>Die Wirtschaftsform war aber sehr arbeitsaufw\u00e4ndig, nicht nur, weil die K\u00e4sten im Herbst zerlegt, eingelagert und gepflegt werden mussten, sondern weil sie t\u00e4glichen Einsatz forderten: bei Frostgefahr mussten Reetmatten aufgelegt werden, die am n\u00e4chsten Morgen wieder aufzurollen waren, damit die Pflanzen Licht bekamen. Bei Sonnenschein bestand die Gefahr der \u00dcberhitzung, der durch \u201eFensterst\u00fctzen\u201c begegnet wurde.<\/p>\n<p>Das n\u00f6tige Bew\u00e4ssern der Pflanzen war m\u00fchsam: zwei Mann mussten die Fenster \u201eabdecken\u201c, damit mit der Gie\u00dfkanne Wasser zugef\u00fchrt werden konnte, und danach die Fenster wieder zur\u00fccklegen \u2013 nach dem System Michaelis sollte eine Person \u201eohne die Fenster abzudecken\u201c die gesamte Arbeit erledigen, also \u201ein k\u00fcrzester Zeit Hunderte von Fr\u00fchbeeten beregnen\u201c.<\/p>\n<div id=\"attachment_9780\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/210715-5-Michaelis-Anz-2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9780\" class=\"wp-image-9780\" src=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/210715-5-Michaelis-Anz-2.png\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"177\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9780\" class=\"wp-caption-text\">Bergedorfer Zeitung, 15. Juli 1921<\/p><\/div>\n<p>Wie Michaelis\u2018 System von 1921 genau aussah und wie es funktionierte, erschlie\u00dft sich weder aus dem Text noch aus den Inseraten \u2013 auch Gisbert G\u00f6tting von <a href=\"https:\/\/rasensprengermuseum.de\/\">rasensprengermuseum.de<\/a> konnte es nicht sagen. Wahrscheinlich wurden die Fenster mit den \u201ehochkant\u201c gestellten Fensterst\u00fctzen ge\u00f6ffnet und das Wasser mit fein verteilenden D\u00fcsen eingespritzt. Es setzte allerdings voraus, dass mittels einer Elektro- oder Benzin-Motorpumpe, die in dem Preis von 50 Mark bestimmt nicht enthalten war, kontinuierlich Wasser herangeschafft wurde, und geeignete Pumpen bot Michaelis ebenfalls an.<\/p>\n<div id=\"attachment_9784\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Kuenstlicher-Regen-Michaelis-3-Werbeblatt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9784\" class=\"wp-image-9784\" src=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Kuenstlicher-Regen-Michaelis-3-Werbeblatt.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"416\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9784\" class=\"wp-caption-text\">undatiertes Werbeblatt (Archiv Gisbert G\u00f6tting)<\/p><\/div>\n<p>In den folgenden Jahren und Jahrzehnten wurden beim Patentamt insgesamt 71 Patente (<a href=\"https:\/\/depatisnet.dpma.de\/DepatisNet\/depatisnet?action=einsteiger\">Link zur depatis-Seite<\/a>, dort den Namen \u201eJohann Michaelis\u201c eingeben) eingetragen, die als Erfinder Johann Michaelis nennen und Bew\u00e4sserungsanlagen nebst Zubeh\u00f6r zum Gegenstand haben. Das erste Patent dieser Liste, wohl prim\u00e4r f\u00fcr Freilandkulturen geeignet, stammt aus dem Jahr 1924, angemeldet von den Siemens-Schuckert-Werken in Berlin, das explizit \u201eJohann Michaelis in Berlin-Charlottenburg\u201c als Erfinder angibt. Es k\u00f6nnte sich um eine zuf\u00e4llige Namensgleichheit handeln, aber wie wahrscheinlich ist das? Das Michaelis-Siemens-Schuckert-Patent jedenfalls war laut <a href=\"https:\/\/rasensprengermuseum.de\/essays\/\">rasensprengermuseum.de<\/a> (Eintrag vom 12. April 2020) \u201eseiner Zeit 1926 weit voraus\u201c und wurde noch nach 1945 von der Firma Gasch in Pirna nachgebaut.<\/p>\n<p>Schon als Verbandsingenieur des \u201e<a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=8408\">Zweckverbands zur Versorgung der Marsch- und Vierlande mit elektrischer Energie<\/a>\u201c war Michaelis im <a href=\"https:\/\/agora.sub.uni-hamburg.de\/subhh-adress\/digbib\/start\">Amtlichen Fernsprechverzeichnis 1920<\/a> mit einem weiteren Eintrag verzeichnet: \u201eProjektierung u. Ausf\u00fchrung s\u00e4mtl. elektr. Anl., Blitzableiter, Beleuchtungsk\u00f6rper, Wasserversorgungsanl.\u201c \u2013 f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter lautete der Eintrag \u201eWasserversorgungs- u. Regenanl., Licht- u. Kraftanl.\u201c, der berufliche Schwerpunkt hatte sich also verschoben. Nach 1930 tauchte er in den Adress- bzw. Telefonb\u00fcchern f\u00fcr Hamburg nicht mehr auf \u2013 vermutlich zog er nach Berlin; im <a href=\"https:\/\/digital.zlb.de\/viewer\/image\/34115495_1934\/3365\/\">Berliner Adressbuch 1934<\/a> war im Branchenverzeichnis unter \u201eRegenanlagen\u201c eine Firma Borm &amp; Michaelis eingetragen.<\/p>\n<p>Ohne Gisbert G\u00f6tting von <a href=\"https:\/\/rasensprengermuseum.de\/\">rasensprengermuseum.de<\/a>, seine Fachkenntnisse und die Materialien aus seinem Archiv w\u00e4re dieser Beitrag nicht m\u00f6glich gewesen. Ihm geb\u00fchrt ein ganz gro\u00dfer Dank.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit wenig Geld viel Arbeit und Zeit sparen \u2013 so l\u00e4sst sich zusammenfassen, was der Ingenieur Johann Michaelis den G\u00e4rtnern versprach: das von ihm erfundene System einer Beregnungsanlage f\u00fcr den Gartenbau sollte insbesondere die Bew\u00e4sserung von Fr\u00fchbeeten erleichtern. 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