{"id":8854,"date":"2020-11-09T07:00:25","date_gmt":"2020-11-09T06:00:25","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=8854"},"modified":"2020-11-08T16:40:30","modified_gmt":"2020-11-08T15:40:30","slug":"nr-45a-20-das-elend-in-bergedorf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=8854","title":{"rendered":"Das Elend in Bergedorf"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_8856\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/1104-2-Erwerbslosen-Kundgebung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8856\" class=\"wp-image-8856\" src=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/1104-2-Erwerbslosen-Kundgebung.jpg\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"268\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8856\" class=\"wp-caption-text\">Bergedorfer Zeitung, 4. November 1920<\/p><\/div>\n<p>Viele Teilnehmer der Erwerbslosen-Kundgebung werden wegen der Kartoffel- und Kohlenpreise mit zum Stadthaus gezogen sein und preisg\u00fcnstige Belieferung gefordert haben. Das Entgegenkommen B\u00fcrgermeister Wiesners war allerdings begrenzt: nur wenn es gelinge, billigere Kartoffeln aus der Umgegend zu erhalten, k\u00f6nne der Preis gesenkt werden, doch diese Hoffnung zerschlug sich nach wenigen Tagen \u2013 da erkl\u00e4rten die benachbarten Kreise Stormarn und Herzogtum Lauenburg, dass sie selbst \u201eBedarfskreise\u201c seien und nicht liefern k\u00f6nnten (BZ vom 18. November). Wiesner hatte auch angeboten, aus den Best\u00e4nden der Stadt Kartoffeln \u201ezum Selbstkostenpreis\u201c abzugeben \u2013 dieser lag aber bei 36 Mark pro Zentner, wie Wiesner in einer dringlichen Sitzung von Magistrat und B\u00fcrgervertretung darlegte (BZ vom 8. November), und das war weit entfernt von der Forderung.<\/p>\n<div id=\"attachment_8858\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/1108-2-Rede-Tonn.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8858\" class=\"wp-image-8858\" src=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/1108-2-Rede-Tonn.jpg\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"228\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8858\" class=\"wp-caption-text\">Bergedorfer Zeitung, 8. November 1920<\/p><\/div>\n<p>Es war ein Dilemma f\u00fcr die Stadt: an billige Kartoffeln kam sie nicht heran, auch nicht an Kohlen, die amtlichen Unterst\u00fctzungss\u00e4tze f\u00fcr Erwerbslose durfte sie nicht erh\u00f6hen, und anderen gehe es nicht besser, wie der Sozialdemokrat Tonn in der Sitzung darlegte. Nach seinen Worten sei \u201eein Elend\u201c festzustellen, das nicht nur die Lage der 1.012 Erwerbslosen mit Familienangeh\u00f6rigen, sondern \u00a0doppelt so vieler Menschen (\u201eRentner, Pension\u00e4re, Kriegsbesch\u00e4digte, Kriegerwitwen usw.\u201c) kennzeichne. Bei knapp 17.000 Einwohnern der Stadt Bergedorf hei\u00dft das, dass fast jeder f\u00fcnfte Not litt \u2013 eine erschreckende Zahl.<\/p>\n<p>Tonn zeigte aber auch einen Ausweg auf: das Wohlfahrtsamt sollte auf Antrag Zusch\u00fcsse zur \u201eBestreitung des notd\u00fcrftigen Lebensunterhalts\u201c zahlen, und diesem Vorschlag folgte das Beschlussgremium mit gro\u00dfer Mehrheit &#8211; nur die USP-Vertreter stimmten dagegen, weil die Forderungen der Erwerbslosen berechtigt seien (BZ vom 8. November).<\/p>\n<p>Wie viele Bed\u00fcrftige dann solche Zusch\u00fcsse erhielten und in welcher H\u00f6he sie gezahlt wurden, ob das Elend verringert wurde, stand nicht in der BZ. Das Gewerkschaftskartell jedenfalls forderte von der Stadtverwaltung, \u201eder Forderung der Erwerbslosen nicht nachzugeben\u201c, da dies die Versorgung der Bev\u00f6lkerung gef\u00e4hrden w\u00fcrde (BZ vom 12. November).<\/p>\n<div id=\"attachment_8861\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/1113-5-Sprechsaal-Erwerbslose.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8861\" class=\"wp-image-8861\" src=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/1113-5-Sprechsaal-Erwerbslose.jpg\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"169\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8861\" class=\"wp-caption-text\">Bergedorfer Zeitung, 13. November 1920<\/p><\/div>\n<p>Das wiederum f\u00fchrte zu einem Sprechsaal-Beitrag \u201emehrerer Erwerbsloser\u201c: den \u201eHerren vom Gewerkschaftskartell\u201c fehle es an menschlichem Gef\u00fchl, und die Briefschreiber drohten: \u201eBekommen wir keine Unterst\u00fctzung vom Kartell, dann sind wir gezwungen, dahin zu gehen, wo wir unterst\u00fctzt werden.\u201c Laut B\u00fcrgermeister Wiesner hatten sie sogar \u201eSelbsthilfe\u201c angek\u00fcndigt (BZ vom 8. November), aber so weit ist es wohl nicht gekommen.<\/p>\n<p>Der \u201eErwerbslosenrat\u201c \u00fcbrigens, der im Artikel oben erstmals Erw\u00e4hnung fand und in der Bergedorf-Literatur gar nicht auftaucht, schien einen offiziellen Status zu haben: das Arbeitsamt zahlte ihm offenbar eine Verg\u00fctung, die der Rat als zu gering ansah. Ob er einen Sitz im (Miete-(?))Schlichtungsausschuss erhielt, wurde nicht berichtet; es ist aber eher unwahrscheinlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Teilnehmer der Erwerbslosen-Kundgebung werden wegen der Kartoffel- und Kohlenpreise mit zum Stadthaus gezogen sein und preisg\u00fcnstige Belieferung gefordert haben. 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