{"id":8124,"date":"2020-06-15T07:00:45","date_gmt":"2020-06-15T05:00:45","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=8124"},"modified":"2020-06-14T15:02:58","modified_gmt":"2020-06-14T13:02:58","slug":"nr-24-20-der-steuerabzug-vom-lohn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=8124","title":{"rendered":"Der Steuerabzug vom Lohn"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_8126\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/0609-2-Erhebung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8126\" class=\"wp-image-8126\" src=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/0609-2-Erhebung.jpg\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"221\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8126\" class=\"wp-caption-text\">Bergedorfer Zeitung, 9. Juni 1920<\/p><\/div>\n<p>Steuerreformen sind komplexe Angelegenheiten, und mit dem Einkommensteuergesetz von 1920 wurde steuerrechtliches Neuland betreten. Bis dahin hatte es eine Landes- und eine Gemeinde-Einkommensteuer gegeben, die nun wegfielen und durch die Reichs-Einkommensteuer ersetzt wurden. Das klingt zun\u00e4chst einmal simpel, stellte sich in den folgenden Monaten aber als schwierig dar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_8129\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/0617-3-Steuerkarten.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8129\" class=\"wp-image-8129\" src=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/0617-3-Steuerkarten.jpg\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"84\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8129\" class=\"wp-caption-text\">Bergedorfer Zeitung, 17. Juni 1920<\/p><\/div>\n<p>Die Arbeitnehmer mussten sich nun von der Gemeinde eine Steuerkarte ausstellen lassen, in die der Arbeitgeber bei der Post erworbene Steuermarken im Wert von zehn Prozent des Arbeitslohns einzukleben hatte \u2013 diese zehn Prozent wurden also dem Arbeitnehmer nicht ausgezahlt, sondern kamen dem Reich zugute.<\/p>\n<p>Nicht nur der bar ausgezahlte Lohn unterlag diesem Verfahren, sondern auch \u201eSach- und Naturalbez\u00fcge (freie Station, Kost und Logis und dergleichen)\u201c, wie es in einer Bekanntmachung des Landesfinanzamts Unterelbe hie\u00df (BZ vom 9. Juni), was vor allem das Hauspersonal betraf: wenn ein Arbeitgeber den Sach- und Naturallohn h\u00f6her bewertete als den bar gezahlten Lohn, h\u00e4tte er mehr als 20 % des Barlohns einbehalten m\u00fcssen, wenn nicht das Reichsfinanzministerium in einer nachgeschobenen Bekanntmachung die Abz\u00fcge auf maximal 20 % begrenzt h\u00e4tte (BZ vom 23. Juni). Um so \u00fcberraschender war dann die Bekanntmachung, dass \u201edie genannten Bez\u00fcge \u2026 wegen Berechnungsschwierigkeiten zun\u00e4chst dem Steuerabzug noch nicht unterliegen. Bei den Lohnzahlungen sind daher einstweilen nur zehn vom Hundert des Barlohnes einzubehalten.\u201c (Bekanntmachung des Landesfinanzamts Unterelbe, BZ vom 28. Juni).<\/p>\n<p>Das dicke Ende f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten kam aber nach: im August gab es die n\u00e4chste Bekanntmachung zum Geldwert anderer Bez\u00fcge: \u201eBis zu der demn\u00e4chst erfolgenden anderweitigen Festsetzung ist hierbei anzunehmen:\u201c Hausdamen, Hauslehrer etc. vier Mark pro Tag, \u201esonstiges weibliches Personal M 3,- f. d. Tag\u201c (BZ vom 5. August).<\/p>\n<p>Die Auswirkungen des Gesetzes hatte man offenbar grob untersch\u00e4tzt \u2013 das passierte auch bei einer sp\u00e4teren Finanzreform (1975), bei der der zust\u00e4ndige Finanzminister Hans Apel \u00fcberrascht wurde. Er kommentierte die unbeabsichtigten Folgen pr\u00e4gnant: \u201e<a href=\"https:\/\/kataloge.uni-hamburg.de\/DB=1\/XMLPRS=N\/PPN?PPN=038899191\">Ich dacht&#8216;, mich tritt ein Pferd<\/a>\u201c.<\/p>\n<div id=\"attachment_8131\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/0802-4-Progression.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8131\" class=\"wp-image-8131\" src=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/0802-4-Progression.jpg\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"266\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8131\" class=\"wp-caption-text\">Bergedorfer Zeitung, 2. August 1920<\/p><\/div>\n<p>\u00c4hnlich werden das 1920 viele Reichstagsabgeordnete gedacht haben, denn die zehnprozentige \u201eflat tax\u201c traf nat\u00fcrlich die Bezieher kleinerer Einkommen sehr viel st\u00e4rker als die Besserverdiener, und so wurde das Gesetz durch Einf\u00fchrung eines \u201eabzugsfreien Betrags\u201c von 125 Mark im Monat und einer Art Familienrabatt von 40 Mark pro Kopf und Monat deutlich sozialer. Auch wurde die flat tax auf 15.000 Mark pro Jahr gedeckelt, dar\u00fcber setzte die Progression bis zu 55 % ein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Steuerreformen sind komplexe Angelegenheiten, und mit dem Einkommensteuergesetz von 1920 wurde steuerrechtliches Neuland betreten. Bis dahin hatte es eine Landes- und eine Gemeinde-Einkommensteuer gegeben, die nun wegfielen und durch die Reichs-Einkommensteuer ersetzt wurden. 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