{"id":6452,"date":"2019-03-11T07:00:04","date_gmt":"2019-03-11T06:00:04","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=6452"},"modified":"2019-03-10T20:27:33","modified_gmt":"2019-03-10T19:27:33","slug":"nr-10-19-der-wahlrechtsentzug-fuer-die-kinder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=6452","title":{"rendered":"Der Wahlrechtsentzug f\u00fcr die Kinder"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_6455\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/BZ1920071-Wahl-GVertr.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6455\" class=\"size-medium wp-image-6455\" src=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/BZ1920071-Wahl-GVertr-300x162.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"162\" srcset=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/BZ1920071-Wahl-GVertr-300x162.jpg 300w, https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/BZ1920071-Wahl-GVertr.jpg 646w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6455\" class=\"wp-caption-text\">Bergedorfer Zeitung, 5. M\u00e4rz 1919<\/p><\/div>\n<p>Dass nach der Nationalversammlung (19. Januar 1919) und der Hamburgischen B\u00fcrgerschaft (16. M\u00e4rz 1919) am 13. April auch die Gemeindevertretungen neu gew\u00e4hlt werden sollten, ist nicht \u00fcberraschend, auch nicht, dass die f\u00fcr die Wahl der Nationalversammlung eingef\u00fchrten Prinzipien der allgemeinen, gleichen und geheimen Wahl auch auf der kommunalen Ebene gelten sollten.<\/p>\n<p>Das bis dahin geltende Wahlrecht in der Stadt Bergedorf wurde schon im Beitrag <a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=3535\">Das Wahlrechtsref\u00f6rmchen in Bergedorf<\/a> angesprochen \u2013 in der Dorfschaft Geesthacht und den Gemeinden der Vierlande war es um einiges komplizierter (und von Dorf zu Dorf durchaus unterschiedlich), und deshalb soll hier ein R\u00fcckblick auf vorrevolution\u00e4re Zeiten vorgenommen werden, als manche Minderj\u00e4hrige und Frauenzimmer wahlberechtigt waren.<\/p>\n<div id=\"attachment_6458\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/00050597-Cl-Statut.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6458\" class=\"wp-image-6458 size-large\" src=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/00050597-Cl-Statut-1024x496.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"310\" srcset=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/00050597-Cl-Statut-1024x496.jpg 1024w, https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/00050597-Cl-Statut-300x145.jpg 300w, https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/00050597-Cl-Statut-768x372.jpg 768w, https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/00050597-Cl-Statut.jpg 1778w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6458\" class=\"wp-caption-text\">Auszug aus dem Orts-Statut f\u00fcr die Hamburgische Landgemeinde Curslack von 1874 (gleichlautend \u00a7 3 der Ortsstatute f\u00fcr Kirchw\u00e4rder, Neuengamme, Altengamme und Geesthacht)<\/p><\/div>\n<p>W\u00e4hlen durften dort also zu Kaisers Zeiten in der Regel nur steuerzahlende M\u00e4nner, sofern sie \u201enicht in Anderer Kost und Lohn\u201c standen. Frauenzimmer, Minderj\u00e4hrige (offenbar ohne untere Altersgrenze), K\u00f6rperschaften und nicht in der Gemeinde wohnende Grundbesitzer durften durch gemeindeangeh\u00f6rige Bevollm\u00e4chtigte ihre Stimme abgeben, wenn auf ihrem Boden ein selbst\u00e4ndiger landwirtschaftlicher oder gewerblicher Betrieb stattfand \u2013 selbst w\u00e4hlen durften sie also nicht, aber da das Wahlrecht sich aus Grundbesitz und Steuerzahlung herleitete, konnte man dem Grundbesitz das Wahlrecht nicht entziehen. (In Bergedorf war die Wahlberechtigung nur an die Steuerzahlung gebunden, nicht an den Grundbesitz; Sonderregelungen f\u00fcr Frauen und Minderj\u00e4hrige gab es keine.)<\/p>\n<p>Die Revolution hatte nun ein demokratisches Wahlrecht hervorgebracht, in dem nicht mehr von \u201eFrauenzimmern\u201c die Rede war, sondern nur noch vom gleichen Wahlrecht f\u00fcr vollj\u00e4hrige Frauen und M\u00e4nner. Das Wahlrecht f\u00fcr Minderj\u00e4hrige, bei denen es sich nur um Waisen bzw. Halbwaisen gehandelt haben kann, war entfallen.<\/p>\n<p>Die neuen Regelungen waren f\u00fcr alle Gemeinden im Staate Hamburg gleich, w\u00e4hrend es vorher sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede gegeben hatte: in den Gemeinden der Vierlande, also Altengamme, Curslack, Neuengamme und Kirchw\u00e4rder wurde zwischen Besitzern bzw. P\u00e4chtern gr\u00f6\u00dferer Grundst\u00fccke (5, 10, 10 bzw. 6 ha), Besitzern kleinerer Grundst\u00fccke und Nicht-Grundeigent\u00fcmern unterschieden. W\u00e4hlen durften alle Stimmberechtigten gleich, aber die Verteilung der Sitze auf die sozialen Gruppen war vorgegeben: in Curslack entfielen 5 Mandate auf die gr\u00f6\u00dferen Landbesitzer, ebenfalls 5 auf die kleineren und 2 auf die Grundbesitzlosen (\u00a7 4). \u00c4hnlich waren die Sitze in Altengamme und Neuengamme verteilt; in Kirchw\u00e4rder stellten die Bauern die H\u00e4lfte der Abgeordneten (16 von 32), die Landbesitzlosen lediglich zwei. Damit stand in allen vier Gemeinden schon vor der Wahl fest, dass die Grundbesitzer die klare Mehrheit hatten &#8211; die \u201ekleinen Leute\u201c konnten nur mitstimmen.<\/p>\n<p>Wenn dies schon kompliziert genug erscheint: es ging noch komplizierter, n\u00e4mlich in Kirchw\u00e4rder, wo die Wahl in den sechs \u201eBauerschaften\u201c vorgenommen wurde, wo jeweils mindestens je zwei Vertreter der grundbesitzenden Gruppen gew\u00e4hlt werden mussten. Die Ermittlung der Sitzverteilung d\u00fcrfte keine einfache Aufgabe gewesen sein.<\/p>\n<p>Die Krone der ungleichen Wahl stand Geesthacht zu: hier gab es eine echte Klassenwahl, getrennt nach Hufnern, \u201e\u00e4lteren K\u00e4thnern\u201c (die zus\u00e4tzlich zu ihrem Grundbesitz einen Heideanteil und Gerechtsame an Moor und Buschbergen hatten), neueren K\u00e4thnern und Steuerzahlern ohne Grundbesitz. Die Gemeindeversammlung bestand dann aus 3 Hufnern, 4 Altk\u00e4tnern, 4 Neuk\u00e4tnern und 3 Grundbesitzlosen, die \u201evon und aus den einzelnen Classen der Gemeindemitglieder\u201c zu w\u00e4hlen waren. Das waren keine demokratischen Wahlen, nicht f\u00fcr ein gro\u00dfes Dorf, und erst recht nicht f\u00fcr den Industriestandort mit \u00fcber 5.000 Einwohnern (genaue Angaben bei <a href=\"http:\/\/digitalisate.sub.uni-hamburg.de\/de\/nc\/detail.html?tx_dlf%5Bid%5D=16859&amp;tx_dlf%5Bpage%5D=139&amp;tx_dlf%5Bdouble%5D=0&amp;cHash=30d6ed21923ce4232762f8a77d42f154\">Max Pr\u00fc\u00df(online)<\/a>), zu dem Geesthacht geworden war.<\/p>\n<p>Die Orts-Statuten, denen die vorstehenden Angaben entnommen sind, sind in der \u201e<a href=\"https:\/\/digital.staatsbibliothek-berlin.de\/werkansicht?PPN=PPN782862918&amp;PHYSID=PHYS_0007&amp;DMDID=DMDLOG_0001\">Gesetzsammlung der freien und Hansestadt Hamburg<\/a>\u201c, Jahrgang 1874, S. 346 \u2013 406, online nachzulesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass nach der Nationalversammlung (19. Januar 1919) und der Hamburgischen B\u00fcrgerschaft (16. M\u00e4rz 1919) am 13. April auch die Gemeindevertretungen neu gew\u00e4hlt werden sollten, ist nicht \u00fcberraschend, auch nicht, dass die f\u00fcr die Wahl der Nationalversammlung eingef\u00fchrten Prinzipien der allgemeinen, &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=6452\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[10],"tags":[],"class_list":["post-6452","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bergedorf1919"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6452","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6452"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6452\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6531,"href":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6452\/revisions\/6531"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6452"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6452"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6452"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}