{"id":5447,"date":"2018-09-03T07:00:42","date_gmt":"2018-09-03T05:00:42","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=5447"},"modified":"2018-09-02T17:03:50","modified_gmt":"2018-09-02T15:03:50","slug":"nr-36a-18-bettstroh-fuer-sande","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=5447","title":{"rendered":"Bettstroh f\u00fcr Sande"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_5450\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/BZ187-0024-Bettstroh.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5450\" class=\"size-medium wp-image-5450\" src=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/BZ187-0024-Bettstroh-300x97.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"97\" srcset=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/BZ187-0024-Bettstroh-300x97.jpg 300w, https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/BZ187-0024-Bettstroh.jpg 634w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5450\" class=\"wp-caption-text\">Bergedorfer Zeitung, 31. August 1918<\/p><\/div>\n<p>Bettstroh !!!??? F\u00fcr die Prinzessin auf der Erbse w\u00e4re das jedenfalls nichts gewesen, und es ist so weit entfernt von der heutigen Vorstellungswelt, dass hier etwas ausgeholt werden muss, denn der Aufbau eines Bettes war fr\u00fcher anders als heute, wenn auch nicht so vielschichtig wie im <a href=\"https:\/\/kataloge.uni-hamburg.de\/DB=1\/XMLPRS=N\/PPN?PPN=472671014\">M\u00e4rchen H. C. Andersens<\/a>.<\/p>\n<p>Auf dem Lande waren mindestens bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Butzbetten gebr\u00e4uchlich, wie man sie heute z.B. im <a href=\"http:\/\/www.bergedorfer-museumslandschaft.de\/ueber-uns\/freilichtmuseum-rieck-haus\/\">Freilichtmuseum Rieck-Haus<\/a> ansehen kann: fest eingebaute Bettschr\u00e4nke, die meist durch Schiebet\u00fcren den Einstieg erm\u00f6glichten. Auf einer Bretterlage, 40 -60 cm \u00fcber dem Fu\u00dfboden, kam das Bettstroh zu liegen, entweder als Strohsack oder als lose Strohsch\u00fcttung, darauf (mindestens) ein federgef\u00fclltes Unterbett, Unterpf\u00fchle (Kissen), dar\u00fcber ein Betttuch, darauf Oberpf\u00fchle und die ebenfalls federgef\u00fcllte Bettdecke, wie es bei <a href=\"https:\/\/kataloge.uni-hamburg.de\/DB=1\/XMLPRS=N\/PPN?PPN=329661825\">Thorsten Albrecht<\/a> (S. 180 \u2013 183) hei\u00dft. In den Vierlanden gab es sogar zwei Sorten Stroh im Bett, wie <a href=\"http:\/\/ppn.sub.uni-hamburg.de\/goobi\/PPN656900784\">Ernst Finder<\/a> (Band 1, S. 255) schrieb: die untere Lage, \u201eSchoof\u201c genannt, war h\u00e4rter als das oben liegende \u201eWiepenstroh\u201c. Ein- bis zweimal im Jahr wurde das Stroh erneuert.<\/p>\n<p>Butzbetten wird es auch in Sande gegeben haben, doch nur in den \u00e4lteren H\u00e4usern. Da die \u00fcberwiegende Zahl der H\u00e4user dort erst in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts entstand, werden die meisten Einwohner schon in freistehenden Betten geschlafen haben, die vielleicht bei einigen sogar in eigenen Schlafkammern standen.<\/p>\n<p>Zwar hei\u00dft es bei Albrecht, dass Bettstroh durch andere Unterlagen im Bett am Ende des 19. Jahrhunderts \u201efast vollst\u00e4ndig\u201c verdr\u00e4ngt worden war, doch das d\u00fcrfte nur in b\u00fcrgerlichen Haushalten der Fall gewesen sein. F\u00fcr Arbeiter, von denen es in Sande viele gab, und andere Unterb\u00fcrgerliche war der Strohsack die Standardausstattung (wohl eher mit Woll- als mit Federdecke) \u2013 bei Thorsten Albrecht (Abb. 156, S. 146) ist eine Anzeige eines\u00a0 Versandh\u00e4ndlers\u00a0 von 1907 wiedergegeben, in der nicht nur eiserne Bettstellen f\u00fcr Arbeiter angeboten werden, sondern auch Strohs\u00e4cke (ohne F\u00fcllung). Ob es in Sande mehr eiserne oder mehr h\u00f6lzerne Bettstellen gab, ist unbekannt \u2013 ein entscheidender Vorteil der Eisenbetten war, dass sich im Gestell keine Bettwanzen verstecken konnten, die gern die Ritzen der Holzbetten besiedelten und n\u00e4chtens von den Schlafenden Blut sogen. Anderes Ungeziefer wie Fl\u00f6he und L\u00e4use bevorzugte den Strohsack bzw. das Federbett. Die fehlende oder mangelhafte Betthygiene l\u00e4sst Albrecht in diesem Zusammenhang von \u201eBettfauna\u201c (S. 191 \u2013 199) sprechen, zu der auch M\u00e4use z\u00e4hlen konnten. Ob die Tierchen auch die \u201ebezugsscheinfreien Steppdecken aus Papiergarn\u00fcberzug mit Abfallf\u00fcllung\u201c besiedelten, die die Reichsbekleidungsstelle im November anbot (BZ vom 4. November), ist unbekannt.<\/p>\n<p>Strohs\u00e4cke waren nicht nur unhygienisch, sondern auch unbequem. Albrecht zitiert aus einer Schrift von 1783: \u201eSie [die Strohs\u00e4cke] sind schwer und lassen sich nicht gut hantieren. Sie sind nicht eben genug zu einem Bettlager; denn wenn man das Stroh darin aufsch\u00fcttelt, so kommt das meiste in die Mitte zu liegen, wo es einen Berg macht, dahingegen die Seiten abh\u00e4ngig sind: und wenn auch die Schwere des K\u00f6rpers das Stroh wieder aus einander dr\u00fcckt, so glitschet es unten hinweg, und macht eine H\u00f6hle im Bette. \u2026. Da auch immer etwas von dem Strohe klein wird, und hindurch sticht, so werden die Zimmer unreinlich\u201c (S. 181).<\/p>\n<p>Man brauchte nicht Prinzessin zu sein, um in solch einem Bett (das in der Regel obendrein geteilt werden musste) nicht gut zu schlafen, auch nicht, wenn es endlich frisches Stroh gab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bettstroh !!!??? 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