{"id":4839,"date":"2018-05-14T07:00:35","date_gmt":"2018-05-14T05:00:35","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=4839"},"modified":"2018-05-12T20:50:01","modified_gmt":"2018-05-12T18:50:01","slug":"nr-20-18-die-unterbringung-arbeitszeit-und-verpflegung-der-kriegsgefangenen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=4839","title":{"rendered":"Die Lebensbedingungen der Kriegsgefangenen in der hiesigen Landwirtschaft"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_4841\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/BZ184-0143-Kgf-Arbeitszeit.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4841\" class=\"size-medium wp-image-4841\" src=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/BZ184-0143-Kgf-Arbeitszeit-300x167.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"167\" srcset=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/BZ184-0143-Kgf-Arbeitszeit-300x167.jpg 300w, https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/BZ184-0143-Kgf-Arbeitszeit.jpg 646w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4841\" class=\"wp-caption-text\">Bergedorfer Zeitung, 13. Mai 1918<\/p><\/div>\n<p>Nat\u00fcrlich durften Kriegsgefangene sich nicht frei bewegen: sie waren ja Gefangene, aber die in der Landwirtschaft besch\u00e4ftigten Gefangenen wurden nicht rund um die Uhr von den \u201eWachtkommandos\u201c beaufsichtigt, denn abends sollte der Arbeitgeber (bzw. die Arbeitgeberin) daf\u00fcr sorgen, dass sie \u201edurch eine zuverl\u00e4ssige Person zur Unterkunftsstelle gebracht\u201c wurden. Wo die Kriegsgefangenen untergebracht waren, war der BZ meist anlassbezogen zu entnehmen: in Curslack gab es eine wohl eigens f\u00fcr sie errichtete Baracke (in die eingebrochen wurde, BZ vom 15. M\u00e4rz 1917), auf dem Ost-Krauel gab es ein Lager (einer der Gefangenen ertrank beim Baden in der Elbe, BZ vom 19. Juni 1917), ebenso in Kirchw\u00e4rder. In Kirchw\u00e4rder gab es mindestens zwei Lager in Gastwirtschaften: bei Timmann in Seefeld (von wo drei russische Kriegsgefangene entwichen, BZ vom 5. Oktober 1916 und 14. Juni 1917) und bei Reimers auf dem Hitscherberg (BZ vom 4. Februar 1916), f\u00fcr Ochsenw\u00e4rder wurden sogar acht Lager genannt (BZ vom 5. Februar 1916). \u00dcber die Unterkunftsbedingungen war nichts zu erfahren.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Kriegsgefangenen gab es geregelte Arbeitszeiten \u2013 auf wessen Betreiben die Landherrenschaften diese festsetzten, bleibt offen. Man darf vermuten, dass die Wachtkommandos an dieser Regelung ein besonderes Interesse hatten: so konnten sie abends leichter feststellen, ob jemand fehlte.<\/p>\n<p>Da die L\u00e4nge der Fr\u00fchst\u00fccks- und Vesperpause nicht genannt wurde, kann man die Netto-Arbeitszeit nur sch\u00e4tzen: es d\u00fcrften etwa zehneinhalb bis elf Stunden gewesen sein, mit maximal einer \u00dcberstunde pro Tag. Der Sonntagvormittag war nicht frei &#8211; wenn \u201eunaufschiebbare Arbeiten\u201c und die \u201e\u00fcblichen leichten Verrichtungen\u201c erledigt werden mussten, konnte die Wochenarbeitszeit 70 Stunden ohne weiteres erreichen, wenn nicht \u00fcberschreiten. Damit lag sie deutlich \u00fcber dem im produzierenden Gewerbe \u00fcblichen 10-Stunden-Tag, d\u00fcrfte aber den in der Landwirtschaft gew\u00f6hnlichen Zeiten entsprochen haben.<\/p>\n<div id=\"attachment_4844\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/BZ184-0001-Kgf-Rationen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4844\" class=\"size-medium wp-image-4844\" src=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/BZ184-0001-Kgf-Rationen-300x263.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"263\" srcset=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/BZ184-0001-Kgf-Rationen-300x263.jpg 300w, https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/BZ184-0001-Kgf-Rationen.jpg 630w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4844\" class=\"wp-caption-text\">Bergedorfer Zeitung, 6. April 1918<\/p><\/div>\n<p>Im April 1918 druckte die Bergedorfer Zeitung eine Bekanntmachung \u201ebetreffend die Abgabe von Lebensmitteln f\u00fcr Kriegsgefangene\u201c: wenn man den Ersatzkaffee mitrechnet, belief sich die Ration auf 9.665 Gramm \u2013 f\u00fcr zwei Monate! Es ist zu vermuten, dass zu diesen 160 Gramm Lebensmitteln pro Tag noch Kartoffeln und weiteres Gem\u00fcse aus dem Selbsterzeuger-Betrieb des landwirtschaftlichen Arbeitgebers hinzukamen, eventuell auch Brot, Brotaufstrich und Fleisch, doch sicher ist das nicht. Die Zivilbev\u00f6lkerung erhielt in jenen Tagen 1.950 Gramm Brot oder 1.365 Gramm Mehl, 3.500 Gramm Kartoffeln, 200 Gramm Fleisch, 200 Gramm Zucker, 250 Gramm Marmelade o.\u00e4., 60 \u2013 70 Gramm Butter und\/oder Margarine und 60 Gramm Grie\u00df, Nudeln o.\u00e4. mit Extra-Zuteilungen f\u00fcr Schwerarbeiter \u2013 f\u00fcr eine Woche (BZ vom 6. April 1918), alles weitere richtete sich nach dem Einkommen.<\/p>\n<p>Der Normalzustand war Hunger, wenn auch in unterschiedlichem Ma\u00dfe.<\/p>\n<p>Anmerkung:<br \/>\nIn der aktuellen Ausgabe (Band 103\/2017) der Zeitschrift des <a href=\"https:\/\/vfhg.de\/\">Vereins f\u00fcr Hamburgische Geschichte<\/a> befasst sich Sebastian Merkel in seinem Aufsatz \u201eKriegsgefangen auf Hahn\u00f6fersand. Ein Hamburger Arbeitslager und -kommando w\u00e4hrend des Ersten Weltkrieges\u201c u.a. mit den selben Fragen wie dieser Beitrag und kommt zu \u00e4hnlichen Ergebnissen. Merkel bezeichnet den regionalgeschichtlichen Kenntnisstand zum Thema als unzul\u00e4nglich: \u201eIn der hiesigen Stadtgeschichtsschreibung treten sie [die Kriegsgefangenen] nahezu nicht in Erscheinung.\u201c (S. 88).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nat\u00fcrlich durften Kriegsgefangene sich nicht frei bewegen: sie waren ja Gefangene, aber die in der Landwirtschaft besch\u00e4ftigten Gefangenen wurden nicht rund um die Uhr von den \u201eWachtkommandos\u201c beaufsichtigt, denn abends sollte der Arbeitgeber (bzw. die Arbeitgeberin) daf\u00fcr sorgen, dass sie &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=4839\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2},"jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-4839","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bergedorf1918"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4839","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4839"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4839\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5100,"href":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4839\/revisions\/5100"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4839"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4839"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4839"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}