{"id":4477,"date":"2017-12-25T07:00:07","date_gmt":"2017-12-25T06:00:07","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=4477"},"modified":"2017-12-25T15:34:57","modified_gmt":"2017-12-25T14:34:57","slug":"nr-52a-17-der-schleichhandel-und-die-sonderversorgung-der-industrie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=4477","title":{"rendered":"Der Schleichhandel und die Sonderversorgung der Industrie"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_4479\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/BZ1780088-Schleichhandel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4479\" class=\"wp-image-4479\" src=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/BZ1780088-Schleichhandel-201x300.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"374\" srcset=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/BZ1780088-Schleichhandel-201x300.jpg 201w, https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/BZ1780088-Schleichhandel.jpg 684w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4479\" class=\"wp-caption-text\">Bergedorfer Zeitung, 24. Dezember 1917<\/p><\/div>\n<p>Der Schleichhandel, d.h. die \u00dcberschreitung von H\u00f6chstpreisen oder der Verkauf von Waren, die gar nicht frei gehandelt werden durften, war Dauerthema jener Zeit (siehe z.B. den Beitrag <a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=3779\">Himmelfahrt = Hamsterfahrt<\/a>). Dabei ging es nicht nur um ein paar Zentner Kartoffeln oder ein paar Eier, wie aus diesem Artikel deutlich wird, sondern um andere Dimensionen, die die Gemeinden vor gro\u00dfe Probleme stellten: der heutige Berliner Bezirk Neuk\u00f6lln war damals eine selbst\u00e4ndige Stadt und musste sich \u201edes wucherischen Schleichhandels bedienen\u201c, um seine Bev\u00f6lkerung zu versorgen, denn die Gro\u00dfindustrie machte \u201ezu jedem Preis die umfangreichsten Aufk\u00e4ufe\u201c.<\/p>\n<p>Ein solcher Gro\u00dfeink\u00e4ufer im Hamburger Raum war die Pulverfabrik D\u00fcneberg: nach einem bei <a href=\"https:\/\/kataloge.uni-hamburg.de\/DB=1\/XMLPRS=N\/PPN?PPN=161809383\">Karl Gruber<\/a> (S. 43f.) wiedergegebenen Bericht der Fabrik \u00fcber das Jahr 1917 kaufte diese neben den \u201ebeh\u00f6rdlichen Zuweisungen\u201c weitere angeblich \u201ebeschlagnahmefreie Waren\u201c wie Mehl, Nudeln, Speisefette, die sie dann verbilligt an ihre Arbeiter und Arbeiterinnen abgab und daf\u00fcr 3,8 Millionen Mark aufwendete.<\/p>\n<p>Die f\u00fcr D\u00fcneberg beschafften Waren hatten ein Gesamtgewicht von 16.431 Zentnern. Bei angenommenen 15.000 Besch\u00e4ftigten einschlie\u00dflich Bauarbeitern ergeben sich daraus 54,8 Kilogramm Lebensmittel pro Kopf und Jahr, die diese in der \u201eKonsumanstalt\u201c (Link zu einem <a href=\"http:\/\/www.industriemuseum-geesthacht.de\/html\/der_erste_weltkrieg.html\">Foto<\/a>) erwerben konnten. Von den insgesamt beschafften 1.460 Zentnern \u201eButter, Fett, Speck\u201c entfielen rechnerisch auf jede Person w\u00f6chentlich 94 Gramm \u2013 das klingt nicht viel, war aber mehr als in Sande (50g Butter und 40g Margarine), dem Landgebiet mit Geesthacht (25g Butter und 55g Margarine) und Bergedorf (30g Butter und 50g Margarine), und diese \u201eFettwarenmenge der versorgungsberechtigten Bev\u00f6lkerung\u201c sollte sich ab dem 1. Januar nur noch auf 62,5g belaufen (BZ vom 17., 20., 22. und 29. Dezember 1917). Aber die \u201eSonderversorgung durch die industriellen Werke\u201c sollte ja nun aufh\u00f6ren \u2013 das war die frohe Weihnachtsbotschaft f\u00fcr alle, die von den Extrarationen nichts abbekamen.<\/p>\n<p>Am 14. Januar 1918 berichtete die BZ \u00fcber eine Besprechung zwischen Vertretern der zust\u00e4ndigen Zivil-und Milit\u00e4rbeh\u00f6rden und der Industrie, die zu folgendem (wenig \u00fcberraschenden) Ergebnis kam: \u201eAllseitig war man sich darin einig, da\u00df die Bereitstellung der zur legalen Belieferung notwendigen Lebensmittel die sofortige Unterdr\u00fcckung des Schleichhandels zur Voraussetzung hat.\u201c \u00a0Mit anderen Worten: wenn der Staat es nicht schafft, den Schwarzmarkt zu beseitigen, wird die Industrie weiterhin auf diesem kaufen und dabei auch Wucherpreise zahlen, was \u00fcbrigens nach einem kurze Zeit sp\u00e4ter gef\u00e4llten Urteil des Reichsgerichts f\u00fcr den K\u00e4ufer nicht strafbar war (BZ vom 14. Februar 1918). F\u00fcr den H\u00e4ndler bzw. Verk\u00e4ufer im \u201egewerbsm\u00e4\u00dfigen Schleichhandel\u201c wurden die Strafen versch\u00e4rft: die Verh\u00e4ngung einer Freiheitsstrafe wurde zwingend vorgeschrieben, und die ebenfalls festzusetzende Geldstrafe konnte bis zu 500.000 Mark betragen (BZ vom 11. M\u00e4rz 1918). Ein Verbot der Sonderversorgung gab es aber nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schleichhandel, d.h. die \u00dcberschreitung von H\u00f6chstpreisen oder der Verkauf von Waren, die gar nicht frei gehandelt werden durften, war Dauerthema jener Zeit (siehe z.B. den Beitrag Himmelfahrt = Hamsterfahrt). 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