{"id":4465,"date":"2017-12-18T07:00:08","date_gmt":"2017-12-18T06:00:08","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=4465"},"modified":"2017-12-17T12:40:15","modified_gmt":"2017-12-17T11:40:15","slug":"nr-51-17-der-buergermeister-geht-fremd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=4465","title":{"rendered":"B\u00fcrgermeister Walli geht fremd"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_4468\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/BZ1780054-Walli-gew\u00e4hlt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4468\" class=\"wp-image-4468\" src=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/BZ1780054-Walli-gew\u00e4hlt-300x122.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"102\" srcset=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/BZ1780054-Walli-gew\u00e4hlt-300x122.jpg 300w, https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/BZ1780054-Walli-gew\u00e4hlt.jpg 686w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4468\" class=\"wp-caption-text\">Bergedorfer Zeitung, 11. Dezember 1917<\/p><\/div>\n<p>Als ob B\u00fcrgermeister Walli mit seinen Bergedorfer Angelegenheiten nicht genug zu tun gehabt h\u00e4tte \u2013 jetzt hatte er noch eine (unbezahlte) Nebent\u00e4tigkeit \u00fcbernommen: er war ohne Gegenkandidaten in einem Hamburger Vororts-Wahlkreis zum B\u00fcrgerschaftsabgeordneten gew\u00e4hlt worden.<\/p>\n<p>Der \u201eWahlkampf\u201c war kurz gewesen: erst am 20. November hatte die Bergedorfer Zeitung die Meldung von Wallis einstimmiger Nominierung im Wahlkreis Alsterdorf\/Gro\u00df-Borstel\/Ohlsdorf durch die \u201eVereinigten Liberalen\u201c und mehrere \u00f6rtliche B\u00fcrger- und Grundeigent\u00fcmervereine gebracht, und obwohl Walli keinen Gegenkandidaten zu f\u00fcrchten gehabt hatte, hielt er (mindestens) eine Wahlrede, vermutlich zur Mobilisierung potentieller W\u00e4hler, aus der hier ein Auszug zu lesen ist.<\/p>\n<div id=\"attachment_4470\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/BZ1780042-Walli-Rede.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4470\" class=\"wp-image-4470\" src=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/BZ1780042-Walli-Rede-144x300.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"523\" srcset=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/BZ1780042-Walli-Rede-144x300.jpg 144w, https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/BZ1780042-Walli-Rede-490x1024.jpg 490w, https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/BZ1780042-Walli-Rede.jpg 686w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4470\" class=\"wp-caption-text\">Bergedorfer Zeitung, 6. Dezember 1917<\/p><\/div>\n<p>Zwar unterschied sich die Rechtsstellung der genannten \u201eVororte\u201c von der der Stadt Bergedorf, aber die Probleme waren Walli nicht fremd: fehlende Bebauungspl\u00e4ne, unzureichende Ver- und Entsorgung und Erschlie\u00dfung hemmten hier wie dort die Entwicklung, n\u00f6tig sei eine \u201evorbeugend wirkende Verwaltungsreform\u201c, und dann wurde er richtig derb: manchem in Hamburg erscheine \u201ek\u00f6rperliche und geistige Inzucht\u201c als \u201eder Gipfel der Erkenntnis\u201c, man m\u00fcsse aber aus den Erfahrungen anderer Bundesstaaten lernen \u2013 und diese Erfahrungen bringe er ja aus Baden und Preu\u00dfen mit.<\/p>\n<p>[Kleiner Exkurs: Wer Wallis Kritik nachvollziehen will, braucht nur in die <a href=\"http:\/\/www.verfassungen.de\/de\/hh\/hamburg79-index.htm\">Verfassung der freien und Hansestadt Hamburg vom 13. Oktober 1879<\/a> zu schauen: Artikel 7 gab vor, dass von den achtzehn Senatsmitgliedern neun ein Studium der \u201eRechts- oder Cameralwissenschaften\u201c absolviert haben mussten; unter den anderen neun mussten \u201emindestens sieben dem Kaufmannsstande\u201c angeh\u00f6ren. Bei der Wahl der Senatoren (auf Lebenszeit) durch die B\u00fcrgerschaft (Artikel 9) gab es ein hochkompliziertes Verfahren, das dem Senat ein gewichtiges Mitspracherecht gab. Die Gesetzgebung war gemeinsame Aufgabe von Senat und B\u00fcrgerschaft (Artikel 6). Nach Artikel 30 gab es bei der B\u00fcrgerschaftswahl drei Gruppen von W\u00e4hlern: die Grundeigent\u00fcmer w\u00e4hlten 40 Abgeordnete, die Notablen (d.h. diejenigen, \u201ewelche Richter, Handelsrichter, Mitglieder der Vormundschaftsbeh\u00f6rde, b\u00fcrgerliche Mitglieder der Verwaltungsbeh\u00f6rden, der Handels- oder Gewerbekammer sind oder gewesen sind\u201c) ebenfalls 40, in allgemeiner Wahl (in der nur eine Minderheit der M\u00e4nner wahlberechtigt war, Frauen gar nicht) wurden 80 Abgeordnete bestimmt \u2013 siehe hierzu auch <a href=\"http:\/\/epub.sub.uni-hamburg.de\/epub\/volltexte\/2007\/61\/\">Hans Wilhelm Eckardt<\/a> und <a href=\"http:\/\/hup.sub.uni-hamburg.de\/volltexte\/2008\/9\/chapter\/HamburgUP_Schlaglichter_Buergerschaft.pdf\">Peter Borowsky<\/a>.]<\/p>\n<p>Vor allem die Politik seiner badischen Heimat \u00a0scheint ihn gepr\u00e4gt zu haben: schon 1905 hatte es dort Stichwahlabkommen zwischen Sozialdemokraten und Liberalen gegeben, die dann gemeinsam im Landtag eine Reihe von Reformen durchsetzten, unter anderem die Abschaffung des kommunalen Dreiklassenwahlrechts (siehe <a href=\"http:\/\/geschichte.spd-bw.de\/de\/zwischen-protest-und-pragmatismus\/1905-propaganda-der-tat-oder-kungeln-mit-dem-klassenfeind.html\">Geschichte der SPD Baden-W\u00fcrttemberg<\/a> und einen Aufsatz des Historikers <a href=\"http:\/\/www.historischeskolleg.de\/fileadmin\/pdf\/vortraege_pdf\/Vortraege22_ritter.pdf\">Gerhard A. Ritter<\/a>). Auch seine Forderung, dass niemandem \u201ewegen der Parteizugeh\u00f6rigkeit die gleichberechtigte Mitarbeit am und im Staate erschwert\u201c werden d\u00fcrfe, ist in diesem Zusammenhang zu sehen, denn bei (preu\u00dfischen) Staatsbediensteten f\u00fchrte die Mitgliedschaft in der SPD regelhaft zur Entlassung (siehe z.B. <a href=\"https:\/\/kataloge.uni-hamburg.de\/DB=1\/XMLPRS=N\/PPN?PPN=024128961\">Klaus S\u00fchl<\/a>). Dass Walli diese Politik der Ausgrenzung nicht mittrug, hatte er bereits durch sein Eintreten f\u00fcr die Wahl des Bergedorfer Sozialdemokraten Wilhelm Wiesner zum Ratmann unter Beweis gestellt, siehe den Beitrag <a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=3274\">Neue Ratm\u00e4nner und Wahlen zur B\u00fcrgervertretung<\/a>.<\/p>\n<p>Obwohl Walli also dezidiert die Positionen der Hamburger Vereinigten Liberalen vertrat, wurde ihm in der Neuen Hamburger Zeitung vorgehalten, dass er gar kein Liberaler sei, was nicht nur er zur\u00fcckwies, sondern auch der BZ-Redakteur (vermutlich der Ratmann Wilhelm Bauer), der dies berichtete (BZ vom 18. Dezember 1917). Damit nicht genug: es gab eine f\u00f6rmliche Beschwerde gegen seine Wahl, die der Wahlpr\u00fcfungsausschuss der B\u00fcrgerschaft nach Studium der Unterlagen aber zur\u00fcckwies (BZ vom 12. M\u00e4rz 1918).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ob B\u00fcrgermeister Walli mit seinen Bergedorfer Angelegenheiten nicht genug zu tun gehabt h\u00e4tte \u2013 jetzt hatte er noch eine (unbezahlte) Nebent\u00e4tigkeit \u00fcbernommen: er war ohne Gegenkandidaten in einem Hamburger Vororts-Wahlkreis zum B\u00fcrgerschaftsabgeordneten gew\u00e4hlt worden. 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