{"id":3535,"date":"2017-02-13T07:00:02","date_gmt":"2017-02-13T06:00:02","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=3535"},"modified":"2017-02-11T11:47:15","modified_gmt":"2017-02-11T10:47:15","slug":"nr-7-17-das-wahlrechtsrefoermchen-in-bergedorf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=3535","title":{"rendered":"Das Wahlrechtsref\u00f6rmchen in Bergedorf"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_3537\" style=\"width: 240px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/BZ1710113-Wahlzensus.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3537\" class=\"wp-image-3537\" src=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/BZ1710113-Wahlzensus-89x300.jpg\" width=\"230\" height=\"775\" srcset=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/BZ1710113-Wahlzensus-89x300.jpg 89w, https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/BZ1710113-Wahlzensus.jpg 228w\" sizes=\"auto, (max-width: 230px) 100vw, 230px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3537\" class=\"wp-caption-text\">Bergedorfer Zeitung, 13. Februar 1917<\/p><\/div>\n<p>Nicht alles, was l\u00e4nger w\u00e4hrt, wird auch wirklich gut. Aber der Sozialdemokrat Wiesner wollte gar nicht die Taube auf dem Dach, sondern nur endlich den Spatz in der Hand. Er bekam ihn in gerupfter Form.<\/p>\n<p>Im Klartext: es ging um die Reform des Wahlrechts zur Bergedorfer Stadtvertretung. W\u00e4hlen durfte, \u00a0wer ein Jahreseinkommen von 1.400 Mark (nicht 1.500 M, wie es mehrfach im Artikel hei\u00dft) versteuerte. Dieser Wert sollte eine Wiederholung des sozialdemokratischen Erfolgs von 1910 verhindern, als gleich drei von ihnen ins Stadtparlament gew\u00e4hlt worden waren (siehe <a href=\"http:\/\/agora.sub.uni-hamburg.de\/subhh\/digbib\/view?did=c1:11734&amp;sdid=c1:11750\">Uwe Plog<\/a> und die Beitr\u00e4ge <a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=3274\">Neue Ratm\u00e4nner und Wahlen zur B\u00fcrgervertretung<\/a> sowie <a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=1429\">Der R\u00fcckblick auf das Jahr 1914: Bergedorf<\/a>). Nach den im Artikel wiedergegebenen Worten des B\u00fcrgermeisters war der Zensus \u201eeinzig und allein aus parteipolitischen Gr\u00fcnden\u201c heraufgesetzt worden, um \u201edie Sozialdemokratie als staatsfeindliche Partei\u201c von Mandaten und Macht fernzuhalten.<\/p>\n<p>So kann man gut verstehen, dass die Sozialdemokraten mit dem geltenden Wahlrecht nicht einverstanden waren. Wiesner forderte f\u00fcr Bergedorf aber nicht etwa die Einf\u00fchrung des Reichstagswahlrechts (allgemeines und gleiches M\u00e4nnerwahlrecht) oder gar zus\u00e4tzlich das Stimmrecht f\u00fcr Frauen, sondern nur die Herabsetzung des Zensus auf 900 M. Dies war auch schon 1914 Gegenstand eines Antrags gewesen, der abgelehnt worden war, und seinen im Kern identischen Antrag von 1915 hatte er noch vor der Beratung \u201evorl\u00e4ufig zur\u00fcckgezogen\u201c (siehe BZ vom 29. November 1914 und 13. Februar 1915). Jetzt lie\u00df er ihn wieder aufleben, denn er hatte ein neues Argument: die Gleichberechtigung im Sch\u00fctzengraben m\u00fcsse auch zur Gleichberechtigung in der Heimat f\u00fchren. Unausgesprochen forderte er die Belohnung f\u00fcr die den Krieg unterst\u00fctzende Haltung der Sozialdemokraten ein.<\/p>\n<p>Dem Bv. (B\u00fcrgervertreter) Behr ging die Forderung zu weit, dem Bv. R\u00fchl nicht weit genug; die Kompromisslinie war dann (von Bv. Dr. Ohly und B\u00fcrgermeister Dr. Walli vorgeschlagen) ein Zensus von 1.200 M. Ob Wallis Argumentation frei von Widerspr\u00fcchen war, mag hier dahingestellt sein \u2013 aber es gelang ihm, die fast einstimmige Annahme seines Vorschlags zu erreichen.<\/p>\n<p>War Wiesner also erfolgreich? Das allgemeine und gleiche Wahlrecht f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen blieb als \u201eTaube auf dem Dach\u201c, die Herabsetzung des Zensus war der \u201eSpatz in der Hand\u201c, aber er hatte viele Federn lassen m\u00fcssen. Der Taktierer Wiesner wird mit dem Ergebnis zufrieden gewesen sein: er konnte seinen Genossen eine Wahlrechtsreform als Erfolg verk\u00fcnden, und er hatte seine Stellung in der Bergedorfer Kommunalpolitik gefestigt.<\/p>\n<p>Der Spatz verstarb, bevor seine Flugtauglichkeit \u00fcberpr\u00fcft werden konnte, d.h. bis zum Kriegsende fand keine Wahl mehr statt. Die Taube landete in Bergedorf am 13. April 1919.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht alles, was l\u00e4nger w\u00e4hrt, wird auch wirklich gut. Aber der Sozialdemokrat Wiesner wollte gar nicht die Taube auf dem Dach, sondern nur endlich den Spatz in der Hand. Er bekam ihn in gerupfter Form. 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