{"id":3211,"date":"2016-12-05T07:00:33","date_gmt":"2016-12-05T06:00:33","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=3211"},"modified":"2016-12-03T11:20:34","modified_gmt":"2016-12-03T10:20:34","slug":"3211","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=3211","title":{"rendered":"Die Fressordnung im Ersten Weltkrieg und die Einkommen in Bergedorf"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_3214\" style=\"width: 237px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/BZ16910065-Fressordnung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3214\" class=\"size-medium wp-image-3214\" src=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/BZ16910065-Fressordnung-227x300.jpg\" alt=\"Bergedorfer Zeitung, 1. Dezember 1916\" width=\"227\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/BZ16910065-Fressordnung-227x300.jpg 227w, https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/BZ16910065-Fressordnung.jpg 670w\" sizes=\"auto, (max-width: 227px) 100vw, 227px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3214\" class=\"wp-caption-text\">Bergedorfer Zeitung, 1. Dezember 1916<\/p><\/div>\n<p>\u00dcberraschen kann die Meldung \u00fcber diese Verzehr-Hierarchie oder Fressordnung angesichts der Nahrungsmittelknappheit eigentlich nicht, und sie l\u00e4sst an Deutlichkeit nichts zu w\u00fcnschen \u00fcbrig: \u201eMilit\u00e4rschlachtungen\u201c sorgten f\u00fcr die Versorgung der Soldaten mit Fleisch \u2013 Rippen und Knochen, die bei den Schlachtungen \u201eabfielen\u201c, waren f\u00fcr die Zivilbev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>Unter der Zivilbev\u00f6lkerung hatten wiederum die Schwerarbeiter, \u201ef\u00fcr deren kr\u00e4ftige Ern\u00e4hrung im Interesse unserer R\u00fcstung\u201c gesorgt werden sollte, Vorrang gegen\u00fcber anderen: sie erhielten die Rippen der geschlachteten Tiere \u2013 f\u00fcr die \u201eunbemittelte Bev\u00f6lkerung\u201c blieben die Knochen, aus denen durch Auskochen ja noch Fett zu gewinnen war. Die ausgekochten Knochen waren dann wieder abzugeben, damit \u201eauf technischem Wege\u201c das restliche Fett herausgezogen werden konnte.<\/p>\n<p>Der Artikel gibt nicht an, warum dieses Knochenbezugsrecht nur f\u00fcr die \u201eunbemittelte Bev\u00f6lkerung\u201c gelten sollte: h\u00e4tte diese sich sonst wegen hoher Preise gar kein Fett mehr leisten k\u00f6nnen, oder ging man davon aus, dass die Besserverdienenden sich \u00fcber <a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=3171\">Pensionsschweine<\/a>, extra teures Wildbret und den Schwarzmarkt ausreichend versorgen konnten?<\/p>\n<p>Es lohnt aber, einen genaueren Blick auf die Einkommensgrenze zu werfen: als unbemittelt galt, wessen Jahreseinkommen bis zu 2.500 Mark betrug. Zur Einordnung: bei der B\u00fcrgervertreterwahl 1914 hatten von knapp 16.000 Einwohnern Bergedorfs nur 2.600 das Wahlrecht, das ein Einkommen von mindestens 1.400 Mark im Jahr erforderte (<a href=\"http:\/\/agora.sub.uni-hamburg.de\/subhh\/digbib\/view?did=c1:11734&amp;sdid=c1:11750\">Uwe Plog<\/a>, S. 121f.). Zwar waren w\u00e4hrend der Kriegszeit L\u00f6hne und Geh\u00e4lter deutlich gestiegen, doch es d\u00fcrften nur wenige gewesen sein, deren Einkommen \u00fcber 2.500 Mark lag. Angaben \u00fcber die Einkommensverteilung waren nicht auffindbar, sodass einige Beispiele gen\u00fcgen m\u00fcssen: Bergedorfer Lehrerinnen mit einem Jahreseinkommen von unter 1.500 Mark erhielten eine zehnprozentige \u201eKriegsteuerungszulage\u201c, das Monatsgehalt des Maschinisten des Sander Wasserwerke wurde von 130 Mark auf 165 Mark erh\u00f6ht (siehe BZ vom 31. Oktober und 5. Dezember 1916). Die Entlohnung eines Nachtw\u00e4chters der Bergedorfer Wach- und Schlie\u00dfgesellschaft stieg binnen eines Jahres von 4,50 Mark pro Schicht auf 5,50 Mark (siehe BZ vom 16. Dezember 1915 und 30. Oktober 1916).<\/p>\n<p>Um auf ein Jahreseinkommen von \u00fcber 2.500 Mark zu kommen, h\u00e4tte ein Arbeiter bei einem 10-Stunden-Arbeitstag und Sechs-Tage-Woche (siehe die Angaben zur <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wochenarbeitszeit\">Wochenarbeitszeit<\/a> bei Wikipedia) einen Stundenlohn von deutlich \u00fcber 80 Pfennigen erzielen m\u00fcssen \u2013 das erreichten nicht einmal die \u201eOfenarbeiter\u201c des Bergedorfer Gaswerks, deren Lohn 1916 von 7 Mark auf 8 Mark pro Schicht stieg.<\/p>\n<p>Wenn man es positiv sieht, kann man sagen, dass also fast alle Bergedorfer Anspruch auf auszukochende Knochen hatten \u2013 aus anderer Perspektive muss man zu dem Ergebnis kommen, dass fast ganz Bergedorf \u201eunbemittelt\u201c war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcberraschen kann die Meldung \u00fcber diese Verzehr-Hierarchie oder Fressordnung angesichts der Nahrungsmittelknappheit eigentlich nicht, und sie l\u00e4sst an Deutlichkeit nichts zu w\u00fcnschen \u00fcbrig: \u201eMilit\u00e4rschlachtungen\u201c sorgten f\u00fcr die Versorgung der Soldaten mit Fleisch \u2013 Rippen und Knochen, die bei den Schlachtungen &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=3211\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-3211","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bergedorf1916"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3211","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3211"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3211\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3380,"href":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3211\/revisions\/3380"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3211"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3211"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3211"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}