{"id":2782,"date":"2016-07-18T07:00:27","date_gmt":"2016-07-18T05:00:27","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=2782"},"modified":"2016-07-16T14:00:50","modified_gmt":"2016-07-16T12:00:50","slug":"nr-30-16-die-bge-und-die-fast-geheime-kruemmel-bahn-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=2782","title":{"rendered":"Die BGE und die (fast) geheime Kr\u00fcmmel-Bahn"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_2783\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/BZ1660048-49-BGE.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2783\" class=\"wp-image-2783\" src=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/BZ1660048-49-BGE.jpg\" alt=\"Bergedorfer Zeitung, 18. Juli 1916\" width=\"250\" height=\"955\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2783\" class=\"wp-caption-text\">Bergedorfer Zeitung, 18. Juli 1916<\/p><\/div>\n<p>\u201eTrotz des herrschenden Weltkrieges\u201c habe die Bergedorf-Geesthachter Eisenbahn (BGE) im Gesch\u00e4ftsjahr 1. April 1915 bis 31. M\u00e4rz 1916 \u201eabermals eine sehr erfreuliche Entwicklung gezeigt\u201c, schrieb der BGE-Vorstand laut Bergedorfer Zeitung im Gesch\u00e4ftsbericht. Dem ist zu widersprechen: gerade <strong>wegen<\/strong> des Krieges war die Entwicklung so positiv, dass die Dividende auf 10% erh\u00f6ht werden konnte und verschiedene R\u00fccklagen aufgestockt wurden: der Reingewinn betrug 368.199,67 Mark \u2013 bei einer Bilanzsumme von 4,4 Millionen Mark wahrlich kein schlechter Wert.<\/p>\n<p>Das gute Ergebnis war fast ausschlie\u00dflich auf der \u201eStammstrecke\u201c Bergedorf \u2013 Geesthacht erwirtschaftet worden, die Einnahmen auf der Vierl\u00e4nder Bahn lagen trotz Steigerung noch unter dem Vorkriegsniveau. Richtung Geesthacht gab es bedeutende Zuw\u00e4chse im G\u00fcter- wie im Personenverkehr, wie schon in den Beitr\u00e4gen <a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=2288\">Geesthachts Lebensnerv: Die Pulverfabrik D\u00fcneberg<\/a> und <a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=2326\">Die Arbeiterz\u00fcge der Bergedorf-Geesthachter Eisenbahn<\/a> herausgearbeitet wurde: ohne den Krieg w\u00e4re auch auf dieser Strecke der Verkehr wohl eher beschaulich geblieben.<\/p>\n<p>Ausgesprochen harmlos klingt der Hinweis auf den \u201eBau eines Anschlussgleises nach einem Fabrikgel\u00e4nde\u201c, denn die BGE hatte hiervon bereits mehrere, z.B. zu den Industriebetrieben am Schleusengraben in Bergedorf, zur Blohmschen Ziegelei (siehe den Beitrag <a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=2752\">St\u00e4dtische Schweine in der alten Ziegelei<\/a>), zu den Geesthachter Hartsteinwerken und zur Pulverfabrik D\u00fcneberg, wie <a href=\"https:\/\/kataloge.uni-hamburg.de\/DB=1\/XMLPRS=N\/PPN?PPN=040176533\">J\u00fcrgen Opravil<\/a> (S. 32f.) schreibt. Allerdings war dies nicht irgendein kurzes St\u00fcckchen Bahn: die Streckenl\u00e4nge betrug immerhin knapp vier Kilometer. Wahrscheinlich durfte jedoch die Strecke nicht n\u00e4her bezeichnet und der Name der Fabrik nicht genannt werden, denn die Gleise f\u00fchrten zu den Dynamitwerken Kr\u00fcmmel. Anfang 1915 hatte die BZ noch im Klartext \u00fcber die Logistik von Pulverfabrik und Dynamitwerken berichtet (siehe den Beitrag <a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=1459\">Boomtown Geesthacht?<\/a>) \u2013 nun wollte man dem Feind, falls er denn die Bergedorfer Zeitung las, nichts verraten. Die Einheimischen d\u00fcrften sowieso Bescheid gewusst haben.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens durfte nicht jeder die ab Oktober 1916 verkehrenden Personenz\u00fcge auf dieser Strecke nutzen, sondern nur die Fabrikmitarbeiter und die Einwohner des Kr\u00fcmmel (vgl. <a href=\"https:\/\/kataloge.uni-hamburg.de\/DB=1\/XMLPRS=N\/PPN?PPN=331264803\">Olaf Kr\u00fcger<\/a>, S. 116 f.). Es war eben keine \u201enormale\u201c Bahn, die das Dynamitwerk bauen lie\u00df und die es bezahlte. Es war zudem eine Bahn, bei deren Bau vor allem russische Kriegsgefangene eingesetzt wurden \u2013 Fotos dazu finden sich ebenfalls bei <a href=\"https:\/\/kataloge.uni-hamburg.de\/DB=1\/XMLPRS=N\/PPN?PPN=331264803\">Olaf Kr\u00fcger<\/a> (S. 118).<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst lukrativ war f\u00fcr die BGE auch der Verkauf der (1912 erworbenen) Besenhorster Sandberge an die Pulverfabrik, die so ihr Betriebsgel\u00e4nde erheblich erweitern konnte (vgl. <a href=\"https:\/\/kataloge.uni-hamburg.de\/DB=1\/XMLPRS=N\/PPN?PPN=331264803\">Olaf Kr\u00fcger<\/a>, S. 96f.), aber da der gr\u00f6\u00dfte Teil des Verkaufserl\u00f6ses in die Kriegsanleihe floss, war das Geld nach Kriegsende schlicht futsch.<\/p>\n<p>Die im Artikel genannten \u201eVorarbeiten f\u00fcr die Marschbahnen\u201c ruhten \u2013 sie wurden nach Kriegsende als Arbeitsbeschaffungsma\u00dfnahme wieder aufgenommen. Eine erste Teilstrecke wurde dann 1921 in Betrieb genommen (F\u00fcnfhausen \u2013 Geesthacht), der Endausbau war am 1. Oktober 1928 vollzogen. Die eingleisige Strecke f\u00fchrte von Billw\u00e4rder-Moorfleet durch die s\u00fcdlichen Marschlande nach Zollenspieker und von dort weiter \u00fcber Neuengamme und Curslack nach Geesthacht. Wirtschaftlich war diese Bahn ein Misserfolg, sodass sie Anfang der 1950er Jahre stillgelegt und abgebaut wurde (vgl. <a href=\"https:\/\/kataloge.uni-hamburg.de\/DB=1\/XMLPRS=N\/PPN?PPN=040176533\">J\u00fcrgen Opravil<\/a>, S. 94). Heute freuen sich vor allem Radfahrer und Reiter dar\u00fcber, denn die alten Bahnd\u00e4mme (auch der <a href=\"https:\/\/kataloge.uni-hamburg.de\/DB=1\/XMLPRS=N\/PPN?PPN=017885574\">Vierl\u00e4nder Bahn<\/a>) wurden zu Rad- und Reitwegen, f\u00fcr die im Internet auf der EU-gef\u00f6rderten Site <a href=\"http:\/\/www.entdeckerrouten.org\/category\/routen\/vier-und-marsch\/\">http:\/\/www.entdeckerrouten.org\/category\/routen\/vier-und-marsch\/<\/a> und vom Bezirksamt Bergedorf unter <a href=\"http:\/\/www.bergedorf.de\/raderlebnis.html\">http:\/\/www.bergedorf.de\/raderlebnis.html<\/a> geworben wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eTrotz des herrschenden Weltkrieges\u201c habe die Bergedorf-Geesthachter Eisenbahn (BGE) im Gesch\u00e4ftsjahr 1. April 1915 bis 31. M\u00e4rz 1916 \u201eabermals eine sehr erfreuliche Entwicklung gezeigt\u201c, schrieb der BGE-Vorstand laut Bergedorfer Zeitung im Gesch\u00e4ftsbericht. 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