{"id":2326,"date":"2016-02-15T07:00:05","date_gmt":"2016-02-15T06:00:05","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=2326"},"modified":"2016-02-12T21:22:21","modified_gmt":"2016-02-12T20:22:21","slug":"nr-8-15-die-arbeiterzuege-der-bergedorf-geesthachter-eisenbahn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=2326","title":{"rendered":"Die Arbeiterz\u00fcge der Bergedorf-Geesthachter Eisenbahn"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_2328\" style=\"width: 293px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/BZ1610094-Sprechsaal-1.jpg\" rel=\"attachment wp-att-2328\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2328\" class=\"size-medium wp-image-2328\" src=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/BZ1610094-Sprechsaal-1-283x300.jpg\" alt=\"Bergedorfer Zeitung, 5. Februar 1916\" width=\"283\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/BZ1610094-Sprechsaal-1-283x300.jpg 283w, https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/BZ1610094-Sprechsaal-1.jpg 726w\" sizes=\"auto, (max-width: 283px) 100vw, 283px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2328\" class=\"wp-caption-text\">Bergedorfer Zeitung, 5. Februar 1916<\/p><\/div>\n<p>\u00dcbervolle Z\u00fcge kennen die Bergedorferin und der Bergedorfer auch heute, allerdings auf der S-Bahn-Strecke nach Hamburg, denn Richtung Geesthacht gibt es ab Bergedorf nur gelegentlich Verkehr mit einer Museumsbahn, der fahrplanm\u00e4\u00dfige Verkehr der Bergedorf-Geesthachter Eisenbahn (BGE) wurde 1953 eingestellt. Auf den verbliebenen Teilen der Strecke bietet die <a href=\"http:\/\/www.geesthachter-eisenbahn.de\/index.php\">Arbeitsgemeinschaft Geesthachter Eisenbahn e.V.<\/a> einen Museumsbahnbetrieb an, z.T. mit Originalfahrzeugen (siehe die <a href=\"http:\/\/www.geesthachter-eisenbahn.de\/fahrzeug.php\">Abbildungen<\/a> dort).<br \/>\nIm Februar 1916 er\u00f6ffnete dieser Leserbrief eine erbitterte Debatte: \u201eA. B.\u201c beklagte die fehlende Heizung, mangelnde Sauberkeit und Instandhaltung der Z\u00fcge sowie deren \u00dcberf\u00fclltheit: \u201ezusammengepre\u00dft wie die Heringe\u201c seien die Fahrg\u00e4ste \u2013 und das ist glaubw\u00fcrdig. Mehrere Autoren haben sich mit der Geschichte der BGE befasst: <a href=\"https:\/\/kataloge.uni-hamburg.de\/DB=1\/XMLPRS=N\/PPN?PPN=040176533\">J\u00fcrgen Opravil<\/a>, <a href=\"https:\/\/kataloge.uni-hamburg.de\/DB=1\/XMLPRS=N\/PPN?PPN=161132561\">Hans Egon Metzger<\/a> und <a href=\"https:\/\/kataloge.uni-hamburg.de\/DB=1\/XMLPRS=N\/PPN?PPN=331264803\">Olaf Kr\u00fcger<\/a>, und die drei Publikationen erg\u00e4nzen einander: nach Kr\u00fcger (S. 100) bef\u00f6rderte die BGE im Gesch\u00e4ftsjahr 1913\/14 rund 550.000 Personen, im folgenden 880.000 und 1915\/16 dann 1,6 Millionen. Der Bestand an Personenwagen hatte sich laut Opravil (S. 107) von 20 im Jahre 1912 auf 25 im Jahr 1915 und 28 im darauffolgenden Jahr erh\u00f6ht: der Zunahme des Personenverkehrs um 291 Prozent stand eine Erh\u00f6hung der Transportkapazit\u00e4t nur um 25 bzw. 40 Prozent gegen\u00fcber. Die zus\u00e4tzlich beschafften Wagen waren solche der \u201eIII. Klasse zur Arbeiterbef\u00f6rderung\u201c, wie sie bei Metzger (S. 18f.) ebenso abgebildet sind wie die der II. Klasse (S. 16f.), und die Klassenunterschiede waren eklatant: Holzb\u00e4nke und viele Stehpl\u00e4tze (versus Polstersitze in kleinen Abteilen in der II. Klasse) sorgten f\u00fcr den Massentransport zu den Fabriken in D\u00fcneberg und Geesthacht. Unter der fehlenden Heizung mussten die Fahrg\u00e4ste wohl klassen\u00fcbergreifend leiden, denn die Heizkesselwagen waren f\u00fcr die Lazarettz\u00fcge abgezogen worden (siehe BZ vom 27. Dezember 1915 und wieder am 23. September 1916).<br \/>\nDer Schlusssatz des Leserbriefes \u00f6ffnet dann eine politische Dimension: \u201eWir leben im Burgfrieden und N\u00f6rgeln ist nicht angebracht, aber hier soll und mu\u00df es hei\u00dfen: Fort mit dem Schlendrian, bessere Zust\u00e4nde f\u00fcr die Fahrg\u00e4ste!\u201c Mit anderen Worten: ohne die\u00a0 <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Burgfriedenspolitik\">Burgfriedensvereinbarung<\/a> h\u00e4tte der Briefschreiber es nicht beim Appell zur Besserung per Leserbrief belassen, sondern zu Protesten aufgerufen, und die Bezugnahme auf den Burgfrieden macht es wahrscheinlich, dass der Autor dem gewerkschaftlich-sozialdemokratischen Lager zuzurechnen ist.<\/p>\n<div id=\"attachment_2330\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/BZ1610098-Sprechsaal-2.jpg\" rel=\"attachment wp-att-2330\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2330\" class=\"size-medium wp-image-2330\" src=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/BZ1610098-Sprechsaal-2-300x264.jpg\" alt=\"Bergedorfer Zeitung, 9. Februar 1916\" width=\"300\" height=\"264\" srcset=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/BZ1610098-Sprechsaal-2-300x264.jpg 300w, https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/BZ1610098-Sprechsaal-2.jpg 720w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2330\" class=\"wp-caption-text\">Bergedorfer Zeitung, 9. Februar 1916<\/p><\/div>\n<p>Die Retourkutsche kam wenige Tage sp\u00e4ter in massiver Form: die BGE bem\u00fche sich, aber es fehle an Bediensteten, und so seien \u201ekleine Mi\u00dfst\u00e4nde\u201c unvermeidlich. Dem Beschwerdef\u00fchrer wurde empfohlen, \u201eden von mir neun Monate im Sch\u00fctzengraben innegehabten Platz zu \u00fcbernehmen, den er wohl schon nach Verlauf von einigen Tagen gern wieder verlassen m\u00f6chte, um mit einer anderen Gesinnung nach hier zur\u00fcckzukehren.\u201c Mit anderen Worten: Herr A.B. sollte froh sein, dass er nicht an der Front zu sein hatte, wo ihm seine \u201eGesinnung\u201c ausgetrieben w\u00fcrde. Dem entgegnete ein weiterer Teilnehmer an dieser Leserbrief-Debatte (siehe BZ vom 9. Februar 1916), dass man sich die Gesinnung, die \u201esolche geradezu ungeheuerlichen Zust\u00e4nde erm\u00f6glicht\u201c, merken wolle \u2013 da ist der drohende Unterton unverkennbar.<br \/>\nDie Kontroverse im \u201eSprechsaal\u201c ging weiter, bis die BZ am 11. Februar 1916 lapidar verk\u00fcndete: \u201eWir schlie\u00dfen hiermit die Auseinandersetzungen \u00fcber diese Angelegenheit.\u201c Gr\u00fcnde wurden nicht genannt \u2013 hatte die Redaktion oder hatte die Zensurbeh\u00f6rde die Bef\u00fcrchtung, dass eine Fortsetzung die Stimmung weiter anheizen w\u00fcrde?<br \/>\nWas bewirkten die Leserbriefe? Nichts. Erst 1917 standen 17 zus\u00e4tzliche Personenwagen zur Verf\u00fcgung (Opravil, S. 107), aber die die Fahrgastzahlen stiegen im Gesch\u00e4ftsjahr 1917\/18 auf acht Millionen (Kr\u00fcger, S. 100). Die Heringe wurden noch enger gepackt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcbervolle Z\u00fcge kennen die Bergedorferin und der Bergedorfer auch heute, allerdings auf der S-Bahn-Strecke nach Hamburg, denn Richtung Geesthacht gibt es ab Bergedorf nur gelegentlich Verkehr mit einer Museumsbahn, der fahrplanm\u00e4\u00dfige Verkehr der Bergedorf-Geesthachter Eisenbahn (BGE) wurde 1953 eingestellt. 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