{"id":196,"date":"2013-05-08T15:00:59","date_gmt":"2013-05-08T13:00:59","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=196"},"modified":"2013-05-25T12:28:42","modified_gmt":"2013-05-25T10:28:42","slug":"das-italienische-viertel-und-alexis-de-chateauneuf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=196","title":{"rendered":"Das \u201eItalienische Viertel\u201c und Alexis de Chateauneuf"},"content":{"rendered":"<p>Das \u201eItalienische Viertel\u201c wurde nicht wegen seiner Bewohner so genannt, sondern wegen dreier gro\u00dfer Geb\u00e4ude, die italienische Namen trugen: \u201eFrascati\u201c, \u201ePortici\u201c und \u201eColosseum\u201c. <\/p>\n<p>Die Geb\u00e4ude entstanden in sachlichem und zeitlichem Zusammenhang mit dem Bau der Eisenbahn zwischen Hamburg und Bergedorf, die 1842 er\u00f6ffnet wurde, in enger Nachbarschaft zum Bergedorfer Bahnhof. Alle drei waren als Ausflugslokale f\u00fcr Hamburger konzipiert. Auch die Eisenbahngesellschaft selbst setzte auf dieses Ausflugsgesch\u00e4ft und lie\u00df auf eigene Rechnung das gr\u00f6\u00dfte der H\u00e4user erbauen: das \u201eFrascati\u201c, s\u00fcdlich des Kassen- und W\u00e4rterh\u00e4uschens der Station Bergedorf auf dem heutigen Frascatiplatz gelegen. Der Ausflugsverkehr war zwar beachtlich, wie aus den h\u00f6heren Fahrgastzahlen an den Sonn- und Feiertagen in den w\u00e4rmeren Jahreszeiten zu schlie\u00dfen ist, aber gro\u00dfer gesch\u00e4ftlicher Erfolg war den Lokalen wohl nicht beschieden, wie man an h\u00e4ufigem P\u00e4chterwechsel und auch Herabsetzungen der Pachth\u00f6he erkennt<footnote>Vgl. Geerd Dahms, Die Hamburg-Bergedorfer Eisenbahn von 1842. Vom Hamburger Brand zum \u201eItalienischen Viertel\u201c, in: Kultur- und Geschichtskontor (Hg.), <a href=\"https:\/\/kataloge.uni-hamburg.de\/DB=1\/PPNSET?PPN=119337029\">Hamburg-Bergedorfer Eisenbahn von 1842<\/a>, Hamburg 1992, S. 69\u201395, hier S. 91\u201395<\/footnote>. Ab 1846 nahmen die Probleme weiter zu, denn die Lokale lagen nach der Er\u00f6ffnung der Fernbahnstrecke Hamburg \u2013 Berlin und der Verlegung des Bergedorfer Bahnhofs an die neue Strecke im Abseits. Die Karten von 1875 und 1904 lassen zwar den Streckenverlauf von 1842 noch gut erkennen, aber die Gleise waren l\u00e4ngst entfernt &#8211; und das \u201eFrascati\u201c war spurlos verschwunden:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/ital-viertel-karten.jpg\" alt=\"Kartenausschnitt Italienisches Viertel 1875 (links) \u2013 1904 (rechts)\" width=\"640\" height=\"305\" class=\"alignnone size-full wp-image-498\" srcset=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/ital-viertel-karten.jpg 640w, https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/ital-viertel-karten-300x142.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p>In unmittelbarer N\u00e4he zu \u201e<a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=202\">Frascati<\/a>\u201c, \u201e<a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=200\">Portici<\/a>\u201c und \u201e<a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=198\">Colosseum<\/a>\u201c, die in eigenen Artikeln dargestellt werden, entstanden ein Kassen- und W\u00e4rterhaus und ein Lokomotivschuppen. Bei diesen zuletzt genannten Funktionsbauten kann kein Zweifel bestehen, dass es sich um Werke Alexis de Chateauneufs handelt, wie sich aus den entsprechenden Unterlagen im Staatsarchiv Hamburg ergibt, die u.a. von Lange<footnote>Vgl. G\u00fcnther Lange, <a href=\"https:\/\/kataloge.uni-hamburg.de\/DB=1\/PPNSET?PPN=177544589\">Alexis de Chateauneuf<\/a>. Ein Hamburger Baumeister 1799-1853, Hamburg 1965, S. 35<\/footnote>, Dahms<footnote>Vgl. Geerd Dahms, Die Hamburg-Bergedorfer Eisenbahn von 1842. Vom Hamburger Brand zum \u201eItalienischen Viertel\u201c, in: Kultur- und Geschichtskontor (Hg.), <a href=\"https:\/\/kataloge.uni-hamburg.de\/DB=1\/PPNSET?PPN=119337029\">Hamburg-Bergedorfer Eisenbahn von 1842<\/a>, Hamburg 1992, S. 69 \u2013 95, hier S. 78 und S. 81 &#8211; 82<\/footnote>, Klemm<footnote>David Klemm: <a href=\"https:\/\/kataloge.uni-hamburg.de\/DB=1\/PPNSET?PPN=317923072\">Chronologisches Werkverzeichnis (Werke und Projekte)<\/a>, in: ders. \/ Hartmut Frank (Hg.), Alexis de Chateauneuf 1799-1853. Architekt in Hamburg, London und Oslo. Hamburg 2000, S. 149\u2013323, hier S. 237f.<\/footnote> und Knauer<footnote>Karl Knauer, <a href=\"https:\/\/kataloge.uni-hamburg.de\/DB=1\/XMLPRS=N\/PPN?PPN=218408870\">Zur 125. Wiederkehr des Er\u00f6ffnungstages der Eisenbahnlinie von Hamburg nach Bergedorf<\/a>, Bergedorf 1967,  S. 40ff.<\/footnote> ausgewertet wurden.<\/p>\n<p>Das \u201eCoke- und Wasserhaus\u201c, zugleich Lokomotivschuppen, wurde 1846 nach der Verlegung der Bahnstrecke abgerissen (Vgl. Klemm, ebd.). Man darf vermuten, dass dieser Holzbau anderen Orts eine neue Verwendung fand, doch belegt ist dies bisher nicht. <\/p>\n<p>Ob das Kassen- und W\u00e4rterh\u00e4uschen heute noch steht, ist umstritten \u2013 aber zumindest wurde es nicht schon nach vier Jahren wieder entfernt. Die Bergedorfer verloren es allerdings im Laufe der Zeit aus dem Blick: der Plan von 1904  hielt es offenbar (wie auch \u201ePortici\u201c und \u201eColosseum\u201c) nicht f\u00fcr erw\u00e4hnenswert, d.h. nicht interessant f\u00fcr Touristen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/ehem-bahnhof-karten.jpg\" alt=\"Kartenausschnitt \u201eehemaliger Bahnhof\u201c 1875 (links) \u2013 1904 (rechts)\" width=\"630\" height=\"270\" class=\"alignnone size-full wp-image-499\" srcset=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/ehem-bahnhof-karten.jpg 630w, https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/ehem-bahnhof-karten-300x128.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 630px) 100vw, 630px\" \/><\/p>\n<p>Die wechselhafte Nutzungsgeschichte der folgenden 150 Jahre schildert Dahms<footnote>Vgl. Geerd Dahms, Von der Schwierigkeit, ein Jubil\u00e4um zu begehen, in: Kultur- und Geschichtskontor (Hg.), <a href=\"https:\/\/kataloge.uni-hamburg.de\/DB=1\/PPNSET?PPN=119337029\">Hamburg-Bergedorfer Eisenbahn von 1842<\/a>, Hamburg 1992, S. 143 \u2013 145<\/footnote>, der die 1990\/91 durchgef\u00fchrten Arbeiten an dem damals recht verfallenen Geb\u00e4ude verdammt: \u201e\u00c4u\u00dferlich scheinbar intakt pr\u00e4sentiert sich ein Nachbau des historischen Originals, schnell zusammengef\u00fcgt aus billigem Material, ohne R\u00fccksicht auf die urspr\u00fcngliche Substanz.\u201c (Ebd., S. 145). In der Beurteilung der Arbeiten \u00e4hnlich, kommt Klemm zu einem milderen Fazit: \u201eDas restaurierte Kassenh\u00e4uschen kommt \u2026 einem Neubau gleich. Trotzdem geb\u00fchrt der Kassenhalle des Bergedorfer Bahnhofs ein hoher kulturgeschichtlicher Rang, z\u00e4hlt sie doch zu den \u00e4ltesten erhaltenen Baudenkm\u00e4lern aus der Fr\u00fchzeit der deutschen Eisenbahn \u00fcberhaupt.\u201c  (Klemm, a.a.O., S. 238).<\/p>\n<p>Heute wird das Geb\u00e4ude vom <a href=\"http:\/\/www.grundeigentuemerverband.de\/index.php?showpage=59\">Grundeigent\u00fcmerverein f\u00fcr den Bezirk Bergedorf<\/a> genutzt.<\/p>\n<p>&#8212;<br \/>\nEine kurze Notiz zum Werkverzeichnis Alexis de Chateauneuf: man kann davon ausgehen, dass es unvollst\u00e4ndig ist, denn Chateauneufs Nachlass war noch weitgehend unausgewertet, als er im Zweiten Weltkrieg zerst\u00f6rt wurde<footnote>Vgl. David Klemm: <a href=\"https:\/\/kataloge.uni-hamburg.de\/DB=1\/PPNSET?PPN=317923072\">Alexis de Chateauneuf \u2013 Architekt in Hamburg<\/a>, London und Oslo, in: ders. \/ Hartmut Frank (Hg.), a.a.O., S. 11\u201323<\/footnote>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das \u201eItalienische Viertel\u201c wurde nicht wegen seiner Bewohner so genannt, sondern wegen dreier gro\u00dfer Geb\u00e4ude, die italienische Namen trugen: \u201eFrascati\u201c, \u201ePortici\u201c und \u201eColosseum\u201c. 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