{"id":13568,"date":"2024-01-22T07:00:02","date_gmt":"2024-01-22T06:00:02","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=13568"},"modified":"2026-01-11T18:32:09","modified_gmt":"2026-01-11T17:32:09","slug":"nr-03-24-die-abgestreute-rodelbahn-und-der-mist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/?p=13568","title":{"rendered":"Die abgestreute Rodelbahn und der Mist"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_13571\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/240114-3-abgestreut.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13571\" class=\"wp-image-13571\" src=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/240114-3-abgestreut-300x79.jpg\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"71\" srcset=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/240114-3-abgestreut-300x79.jpg 300w, https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/240114-3-abgestreut-768x203.jpg 768w, https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/240114-3-abgestreut.jpg 879w\" sizes=\"auto, (max-width: 270px) 100vw, 270px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-13571\" class=\"wp-caption-text\">Bergedorfer Zeitung, 14. Januar 1924<\/p><\/div>\n<p>Es hatte kleinere Unf\u00e4lle gegeben, und deshalb lie\u00df der Magistrat der Stadt Bergedorf Sand auf die Rodelbahn streuen, um weitere Unf\u00e4lle zu verhindern. Heute verstreuen (bildlich gesprochen) andere Mist \u00fcber diese Doktorbahn, worauf im unteren Abschnitt dieses Artikels eingegangen werden soll.<\/p>\n<p>Wenn die Schilderung des Zustands der Bahn im Januar 1924 zutraf, Eis- und Sandfl\u00e4chen im Wechsel, konnte der Magistrat gar nicht anders handeln, denn die Bahn befand (und befindet) sich auf \u00f6ffentlichem Grund und so bestand ein Haftungsrisiko. Und es wurde auch mit Augenma\u00df gehandelt: nur \u201eder steile Ablauf\u201c wurde unbefahrbar gemacht, also vermutlich die ersten 150 m, wo auf ca. 10 m Strecke etwa 1 m Gef\u00e4lle kommt, was f\u00fcr hiesige Verh\u00e4ltnisse sicher als steil zu bezeichnen ist \u2013 der l\u00e4ngere und flachere untere Teil blieb offenbar unber\u00fchrt.<\/p>\n<div id=\"attachment_13573\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/240117-3-Rodelbahn.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13573\" class=\"wp-image-13573\" src=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/240117-3-Rodelbahn-187x300.jpg\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"434\" srcset=\"https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/240117-3-Rodelbahn-187x300.jpg 187w, https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/240117-3-Rodelbahn-637x1024.jpg 637w, https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/240117-3-Rodelbahn-768x1234.jpg 768w, https:\/\/blogs.sub.uni-hamburg.de\/bergedorf\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/240117-3-Rodelbahn.jpg 876w\" sizes=\"auto, (max-width: 270px) 100vw, 270px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-13573\" class=\"wp-caption-text\">Bergedorfer Zeitung, 17. Januar 1924<\/p><\/div>\n<p>Doch \u201emehrere Rodler\u201c bestritten die Darstellung der Zeitung: die Ma\u00dfnahme sei unn\u00f6tig gewesen, au\u00dferdem gebe es bei jedem Sport Ungl\u00fccksf\u00e4lle, und nach der Unbrauchbarmachung der Bahn werde nun auf viel gef\u00e4hrlicheren H\u00e4ngen Schlitten gefahren \u2013 den Vorwurf wies die Schriftleitung der BZ zur\u00fcck und stellte sich hinter den Magistrat, wahrscheinlich nicht zu Unrecht, denn im Herbst 1929 wurde die Bahn zu einer Doppelbahn \u201eentsch\u00e4rft\u201c: zu beiden Seiten und in der Mitte wurden W\u00e4lle aufgeworfen, um das Rodeln in geordnete Bahnen zu lenken (BZ vom 28. Oktober 1929), und als dann endlich im Februar 1930 Schnee fiel, herrschte ein so starker Andrang, dass der Schnee bald abgefahren war (BZ vom 18. Februar 1930) \u2013 das Problem des abgefahrenen Schnees wurde auch 2024 in der BZ berichtet; <a href=\"https:\/\/www.abendblatt.de\/hamburg\/bergedorf\/article241396836\">Text und Fotos von Wiebke Schwirten<\/a> belegen dies.<\/p>\n<p>Ob die Doktorbahn im Winter 1924 noch wieder freigegeben wurde, ob es dort oder auf anderen Rodelstrecken in Bergedorf Rodelunf\u00e4lle gab, meldete die BZ nicht \u2013 Schnee jedenfalls fiel bis in den April hinein.<\/p>\n<p>Zwar ist die Rodelbahn weder in der Karte 1875 noch in der Karte 1904 markiert, aber da schon 1885 in der Bergedorfer Zeitung Verkaufsanzeigen f\u00fcr Kinder-Schlitten zu finden waren (10. \u00a0Dezember 1885), d\u00fcrfte das Rodeln im Geh\u00f6lz ab dem 19. Jahrhundert ein beliebter Sport gewesen sein.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Was man heute (Stand: 20. Januar 2024) im Internet unter dem Suchbegriff \u201eRodelbahn Bergedorf\u201c findet, ist zumeist Mist, und auf Mist kann man (je nach Konsistenz) vielleicht ausrutschen, aber nicht rodeln. Beispielhaft sei hier die Seite <a href=\"https:\/\/www.bergwelten.com\/t\/r\/10549\">Bergwelten.com<\/a> genannt, auf der zu lesen steht: \u201eDie wahrscheinlich l\u00e4ngste Rodelbahn der Hansestadt Hamburg gibt es seit den 30er Jahren und liegt im Bergedorfer Geh\u00f6lz. Sie ist in etwa 1.000 Meter lang und hat ein durchgehend sportliches Gef\u00e4lle. Die Abfahrt dauert in etwa 20 Minuten und kann nat\u00fcrlich mehrmals, nach erneutem Aufstieg, befahren werden.\u201c Die Karte dazu zeigt allerdings eine ganz besondere Bergedorfer Rodelbahn: sie verl\u00e4uft zwar im \u201eBergedorfer Geh\u00f6lz\u201c, aber ausschlie\u00dflich auf Wentorfer Gebiet. Der vorgeschlagene Startpunkt nahe der Marienburg liegt viele Meter tiefer als das Ende nahe der Hamburger Landstra\u00dfe \u2013 die Rodelbahn mag somit f\u00fcr Motorschlitten taugen, aber Motorfahrzeuge sind im Geh\u00f6lz verboten. Wenn denn die unter \u201eTourdaten\u201c gemachten Angaben von jeweils 1.000 H\u00f6henmetern Aufstieg und Abstieg auf 1.000 m Strecke stimmten (was Ortskundige bestreiten), h\u00e4tte die Bahn in der Tat ein \u201esportliches Gef\u00e4lle\u201c \u2013 wie sich das wiederum vertr\u00e4gt mit den Angaben von 1.000 Metern L\u00e4nge und 20 bzw. 22 Minuten f\u00fcr die Abfahrt, also einem Durchschnittstempo von halsbrecherischen 3 km\/h, erkl\u00e4rt der Bergwelten-Rodelexperte nicht.<\/p>\n<p>Die 1.000 m L\u00e4nge sind z.B. auch bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bergedorfer_Geh%C3%B6lz\">Wikipedia<\/a>, bei <a href=\"https:\/\/ganz-hamburg.de\/travel\/wintersport\/schoene-rodelbahnen-hamburg.html\">Ganz-Hamburg.de<\/a> und bei <a href=\"https:\/\/geheimtipphamburg.de\/geheimtipp\/7-rodel-strecken-in-und-um-hamburg-auf-die-piste-fertig-rodeln\/\">geheimtipphamburg.de<\/a> zu finden. Diese drei sehen die Bahn (im Gegensatz zum Bergwelten-Autor) als Abfahrt vom \u201eDoktorberg\u201c, der Geheimtipp hat sogar \u201eviele Kurven\u201c gefunden, und Ganz-Hamburg.de kennt die passende Busverbindung: mit HVV-Linie 235 bis zur Haltestelle Waldschloss. Hierzu ist allerdings anzumerken, dass es diese Haltestelle seit Jahren nicht mehr gibt, nur die Haltestelle \u201eWentorfer Stra\u00dfe (Ost)\u201c, die noch n\u00e4her zum Doktorberg und damit zur Doktorbahn liegt.<\/p>\n<p>Damit zun\u00e4chst genug von diesem Online-Mist, denn es gibt auch korrekte und pr\u00e4zise Angaben: auf den vom Bergedorfer Heimatkundigen Gerd Hoffmann initiierten Seiten\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.bergedorf-chronik.de\/strassen\/html\/B0923.html\">Bergedorf-Chronik.de<\/a> die korrekte L\u00e4ngenangabe (380 m) und <a href=\"http:\/\/www.bergedorf-info.de\/INFO\/Bergedorfergehoelz.html\">Bergedorf-Info.de<\/a> eine Karte der Lage, letztere auch auf einer Seite von <a href=\"https:\/\/www.hamburg.de\/winter\/1010292\/rodeln-hamburg\/\">Hamburg.de<\/a>. Zusammen mit den Daten von <a href=\"https:\/\/geoportal-hamburg.de\/geo-online\/\">geo-online<\/a> ergibt sich als Sch\u00e4tzung, dass der Start der (fast kurvenfreien) Doktorbahn auf ca. NN + 33 m liegt und der erste, etwa 150 m lange Abschnitt der steilste ist (auf 10 m Strecke 1 m Gef\u00e4lle), w\u00e4hrend der weitere Verlauf bis zum Ende bei ca. NN + 8 m eher gem\u00fctliches Schlittenfahren erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Damit zur\u00fcck zum Mist: der neueste derartige Haufen ist gerade wenige Wochen alt, wurde aber schon teilweise abgetragen, zu finden in einer <a href=\"https:\/\/www.abendblatt.de\/hamburg\/hamburg-nord\/article240742018\/Rodeln-in-Hamburg-Das-sind-die-schoensten-Pisten-der-Stadt.html\">Regionalausgabe Nord des Hamburger Abendblatts<\/a>: traf man in der ersten Version vom Dezember 2023 dort noch viele gute alte Bekannte: die Streckenl\u00e4nge von \u00fcber einem Kilometer, den kurvenreichen Verlauf und die Bushaltestelle Waldschloss, so ist aktuell (nach der Berichterstattung der BZ) nur noch die Angabe der nicht mehr existenten Bushaltestelle zu bem\u00e4keln.<\/p>\n<p>Als sicher darf gelten, dass von den Tausend-Meter-Rodlern keiner jemals die Doktorbahn in Augenschein genommen hat. Einer hat den Mist in die Welt gesetzt, die anderen haben sich draufgesetzt. Ob die das irgendwann merken?<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzung am 11. Januar 2026 zur Bezeichnung der Bushaltestelle: im Hamburg-Teil der Bergedorfer Zeitung und des Hamburger Abendblatts vom 10.\/11. Januar 1926 wird an der Bezeichnung Waldschloss festgehalten, der HVV h\u00e4lt genauso an der Bezeichnung Wentorfer Stra\u00dfe (Ost) fest. Prognose: das wird auch noch lange so bleiben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es hatte kleinere Unf\u00e4lle gegeben, und deshalb lie\u00df der Magistrat der Stadt Bergedorf Sand auf die Rodelbahn streuen, um weitere Unf\u00e4lle zu verhindern. 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